1 Jahr. (Oder: Septemberschneeflocken)

Wolkengeburtstag ein Jahr Hallo liebe Wolke Mamablog...ich denke dann mal nach.

Hallo liebe Wolke,
was bedeuetet Zeit für dich?
Gestern Abend saß ich am Wohnzimmerfenster und draußen, im Schein der Straßenlaterne, segelten plötzlich so viele Laubblätter vorbei, dass ich im ersten Moment dachte, es würde schneien. Schön blöd, bei 14°C schneit es bestimmt nicht, vielleicht hatte ich auch gar nicht richtig hingesehen, denn ich dachte nach. Und wenn man nachdenkt, dann schaut man manchmal nicht mehr richtig zu und hin, so im Außen, denn dann betrachtet man was im Innen – und dann kann es schon mal vorkommen, dass man Lindenblätter für Schneeflocken hält.

Ein Jahr

Schreibe ich dir wirklich schon 1 ganzes Jahr, meine Wolke?
Würde es nicht so unfassbar abgenudelt klingen, würde ich sagen, dass die Zeit fliegt. Aber das tut sie ja nunmal wirklich. Gestern lag noch ein Säugling in meinem Arm und heute erklärt mir meine Tochter, dass man Feuer“Salermander“ nicht anfassen darf, da giftig, dass man, bis man draußen den Atem sehen kann, auf keinen Fall eine Strumpfhose anziehen muss, dass Gemüse nur was für Babys ist, dass ich ungefähr hundert Jahre alt bin und noch mindestens fünfhundert weitere leben werde – und dass es doch dumm ist, wenn man lieber alleine sein will.
Ja, ganz schön dumm ist man dann.

Federn

Das letzte Jahr war ziemlich blöde; um nicht zu sagen: Es hat mich Federn gekostet, die ich eigentlich nicht übrig hatte. Von 2016 dachte ich bereits, dass es nicht mehr blöder werden könnte, aber da hatte ich mich mal wieder getäuscht. Das ist ungefähr so wie mit den Lindenblättern und den Schneeflocken, da kann man sich auch mal täuschen. Letztes Jahr, als ich anfing, dir zu schreiben, da dachte ich, dass es doch nur besser werden kann. Weil man das ja immer denkt, wenn ein Jahr vorbei ist, vorzugsweise an Silvester.
Man denkt ja immer: Wird alles besser. Oder noch besser. Oder wieder besser. Je nachdem.

Eigentlich

Und eigentlich ist es das ja auch: Besser geworden. Es ist immer eine Frage, wie man sich die Dinge anschaut. Ob man verwelkte Blätter sieht, die im dicksten Herbstregen auf die Erde fallen – oder ob es Schneeflocken sind, die im Straßenlicht tanzen. Offensichtlich bin ich ein hoffnungsloser Fall, was die Sache mit dem Optimismus angeht. Vielleicht bedeutet es auch nur, dass ich mich vom Leben ganz gut täuschen lassen kann. Oder täuschen lassen will. Aber ich denke mir: Wenn man aufhört, an die schönen Dinge zu glauben, an die Dinge, die das Leben bunt machen und groß und manchmal ganz wunderbar, dann würde so ein Jahr ziemlich traurig aussehen.
Und darauf habe ich keine Lust. Gar nicht.

Joy to my world

Ich glaube, liebe Wolke, wäre ich alleine gewesen, ohne euch, ohne mein kleines Leben und dich, dann hätte ich im letzten Jahr vielleicht aufgegeben an das Gute zu glauben, auf das Gute zu hoffen, und wäre mit dem großen Herzvorhängeschloß meiner Wege gezogen, aber Septemberschneeflocken hätte es für mich vermutlich keine mehr gegeben. Weil man, wenn man aufgibt, irgendwann keine Lust mehr hat, sie zu sehen.

Meine Tochter bringt so viel Lebensfreude und Liebesfreude in meine Welt. Jeden Tag. Ihr Lachen macht alles hell, auch wenn die Tage wieder kürzer werden. Ich gebe zu, dass es mit einem Kleinkind nach wie vor anstrengend ist, aber es wird anders. Ist mir aufgefallen. Je größer sie wird, desto mehr wird es anders – nicht weniger schön, sondern anders schön. Stolz bin ich darauf, was aus meiner kleinen Madita wird. Und das schafft sie ganz allein, ganz ohne mich oder blöde Erziehung oder tausend Ratgeber. Ich hüte jeden Tag mit meiner Tochter wie einen Schatz. Auch dann, wenn ich manchmal vor Genervtheit ausflippen könnte, wenn ich manchmal vor Erschöpftheit tot umfallen möchte und wenn ich mir manchmal nichts sehnlicher wünsche, als mal fünf Minuten für mich allein zu sein.

Ich hüte jeden Tag mit meiner Tochter wie einen Schatz.

1 Jahr

Und ich bewahre dich, meine liebe Wolke, ebenfalls an einem speziellen Extraplatz in meinem Herz auf. Weil du mir gut tust. Weil ich mit mir selbst rede, durch dich, und ich mir damit oft vor meine müden Augen führe, dass das mit dem Leben und seinen Problemen und eigentlich mit allem gar nicht so schlimm ist, wie es manchmal scheint.

Das letzte Jahr war toll, mit dir, meine Wolke. Wir haben ein paar Menschen erreicht, ein paar haben uns gelesen und sich mit uns gefreut und ein bisschen mit uns geweint, und hoffentlich auch mit uns gelacht. Das ist ein großes, großes Geschenk für mich. Wirklich wahr.

Vielleicht laufe ich manchmal nicht mehr so aufrecht durch die Welt, weil man mir öfter mit Anlauf in den Rücken gefallen ist als es mir lieb war, dann geht man schon mal etwas gebückt. Das ist in Ordnung. Das wird  zu mir gehören wie meine Nase, mit der ich mich auch irgendwann angefreundet habe. 😉
Aber das letzte Jahr hat mir meine Fähigkeit nicht genommen, am letzten Septembertag glitzernde Schneeflocken im Straßenlaternenlicht zu sehen. Und dafür danke ich dir, liebe Wolke, danke ich euch, die ihr mich lest, und vor allem danke ich meiner Tochter, die mein Herz gut bei sich aufbewahrt.

Happy Birthday, meine Wolke. ❤️

 


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Kategorie Briefe an die Wolke, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

22 Kommentare

  1. Liebe Susanne,

    auch ich bin – wenn es die Zeit zulässt – seit Kurzem deinem Blog verfallen. So berührend, so wahr, so zauberhaft, so ehrlich … und manchmal weiß ich nicht, ob die Tränchen vom Lachen oder der Rührung kommen.
    Wir haben zwei Kinder, die ich – da mein Mann viel arbeitet – sehr oft allein für mich habe. Daher meinen größten Respekt an dich als „Einzelkämpferin“!

    So oft habe ich mir vorgenommen, meinen Kindern in gewissen Abständen Briefe zu schreiben und ihnen diese, wenn sie groß sind zu schenken. Du bist eine Inspiration! Auch ich möchte es zwischen Kindern und Diss schaffen.

    Ich freue mich, auf deine nächsten Beiträge:) liebste Grüße
    Denise

    • Liebe Denise,
      ich bekomme so unglaublich große Gänsehaut von Deinen Worten und Danke Dir von Herzen!
      Und egal, in welchem Familienmodell man lebt, es bedeutet immer Kraft und Energie. Aber mit der Liebe im Rücken schafft man eigentlich alles. Ist mir aufgefallen.

      Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deine Dissertation (Respekt!!!) und alles, alles Liebe!
      Susanne

      • Wahre Worte! Auch, wenn es oft länger dauert als geplant;)
        Danke für Deine Wünsche
        Liebe Grüße
        Denise

  2. Ich liebe deinen Blog und deine Art zu schreiben:-* Ich schicke dir und deinem kleinen (großen) Leben eine feste Umarmung.

  3. Hallo liebe Susanne,
    auch ich möchte Dir für Deine tollen Texte danken. Sie bewegen mich sehr und ich liebe Deine Art zu schreiben. Immer wenn es meine Zeit zulässt, vertiefe ich mich darin. Leider kommt das mit 3 Kindern selten vor.
    Ich freue mich sehr, dass ich Deinen Blog gefunden habe und wünsche Dir so sehr, dass Dir das nächste Jahr Glück bringt, denn das hast Du wirklich verdient.
    Liebe Grüße
    Petra

    • Liebe Petra,
      Hach, ich danke Dir und euch von Herzen, denn mir bedeutet euer Zuspruch ganz wahnsinnig viel. Du ahnst nicht, wie viel!
      Ich freue mich darüber, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein bisschen hier zu lesen – auch, wenn ich nur erahnen kann wie es mit 3 Kindern so sein mag, so weiß ich ungefähr wie wenig Zeit am Ende des Tages manchmal übrig bleibt.
      Sei gedrückt und liebe Grüße
      Susanne

  4. Happy Birthday, liebe Wolke!
    Ihr macht das so toll, das mit dem Leben und dem Liebhaben, dem Großwerden und Durchhalten, das mit den kleinen und den großen Dingen und damit, mich daran ein wenig teilhaben lassen.
    Deine wunderschönen Texte schmusen die Seele und kitzeln die Lachmuskel und machmal locken sie auch Tränchen. Du solltest vielleicht über einen Roman nachdenken, wenn mal wieder ein wenig Kraft übrig bleibt. Ich bestell schon mal einen vor.
    Hätte nie gedacht, das man sich einem oder besser zweien unbekannterweise so nah fühlen kann, doch ich hab euch richtig liebgewonnen.
    Fühl dich gedrückt, du super-tolle Mami und gib deinem kleinen Leben einen Extra-Kuss.
    Happy Birthday, liebe Wolke.

    • Liebes, liebes Julchen!
      Ich hab Deine herzenswarme Nachricht heute früh im Bett gelesen und mich wahnsinnig darüber gefreut – UND: mir ist dabei aufgefallen, dass ich „schmusen“ so ein schönes Wort finde, und (!) dass Du mich dran erinnert hast.
      Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, zu so viel unglaublich Schönem (und das ist wirklich nicht übertrieben!), lass Dich bitte ganz fest umarmen! Es macht mir ein ganz warmes, tolles Gefühl, dass Du uns ein bisschen aus der Ferne begleitest.
      Hab vielen, vielen Dank!!
      Susanne

  5. Sonja Hellmann

    Liebe Susanne,

    ich lese Deine Briefe immer kurz vor dem einschlafen, wenn ich abends erschöpft (von zwei Kleinkindern) ins Bett falle. Und es tut so wahnsinnig gut zu lesen, daß man mit vielen Themen und Gedanken nicht alleine ist. Bloß ich könnte es nie so gefühlvoll, lustig und auf den Punkt genau schreiben. Dafür möchte ich danke sagen – vor allem für die Offenheit.
    Du schreibst wirklich toll!! Freue mich darauf noch mehr zu lesen!
    Happy BIRTHDAY liebe Wolke!
    Grüße
    Sofie

    • Liebe Sonja,
      Ach, ihr seid alle so lieb. Ich danke Dir und freu mich sehr, dass dir meine kleinen Geschichten gefallen!
      Hach ja! :))
      Ganz viel Liebes für Dich und euch
      Susanne

  6. Claudia Peyer

    Hoi susanne, ich habe schon einpaar sachen von dir gelesen. Und lass dir gesagt sein, dass es du wunderbar machst mit deiner kleinen.
    War selbst lange jahre alleine mit meinen kindern und weiss wie hart es ist für alles die ganze kraft aufzubringen und keine rückendeckung zu haben.
    Nun ich denke du darfst auf dich und deine kleine richtig stolz sein.

    • Liebe Claudia,
      ich danke Dir sehr. Vor allem fürs Verstehen und Nachempfinden. Das bedeutet mir was! <3
      Alles Liebe für euch!
      Susanne

  7. Hallo! Eigentlich mag ich ganzen Blogs im Netz nicht und war auch bei der Wolke skeptisch. Aber nun warte ich schon immer auf einen neuen Eintrag und freue mich immer. Auf ein weiteres Jahr

  8. Ich habe selten so eine schöne Frau gesehen.
    Wobei ich Komplimente eigentlich ablehne.
    Irgendwie haben sie meist so einen manipulativen Unterton.
    Man sagt etwas lobendes und erhofft sich dafür Zuneigung.
    Überhaupt nimmt man das Aussehen zu wichtig.
    Aber es völlig zu verleugnen wäre auch wieder heuchlerisch.
    In diesen Sinne: Du bist märchenhaft schön.
    Danke dafür es gesehen zu haben.

  9. Hallo! Ich möchte mich nur mal kurz als neue Leserin vorstellen. Deine Texte gefallen mir sehr gut, ich lese gern hier und bin schon auf Weiteres gespannt. Meine Kinder sind leider schon groß, ich vermisse die Zeit mit den Kleinen sehr. Umso schöner ist es, ab und an einen Blick in das quirlige und auch stressige Leben anderer Mamas werfen zu dürfen. Vielen Dank dafür!
    Lieben Gruß
    Gabi

    • Liebe Gabi,
      ich freu mich sehr, dass Du die Wolke gefunden hast und ich danke Dir so sehr für Deine liebe Nachricht! 🙂
      Sei ganz herzlich Willkommen in unserem wuseligen Leben und alles Liebe für Dich!
      Susanne

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