Alpaka im Trend & Kinder am Handy (Oder: Generation @)

Alpaka im Trend und Kinder am HandyQuelle: unsplash.com

Hallo liebe Wolke,
würdest du gern mal vorspulen können?
Ich: ja. Manchmal sein Leben vorspulen, wenn man beim Zahnarzt sitzt, zum Beispiel, oder ein Kapitel zurückspringen, anhalten, Slowmotion – ach, so eine Fernbedienung wäre schon nett. Manchmal eben. Meine Tochter hat sich an das Vorspulen und Skippen und auf Stop drücken gewöhnt, denn sie gehört der Generation an, die bereits gelernt hat, dass das ganz gut funktioniert. Zumindest im virtuellen Leben: Kinder am Handy.

Mach mal weiter!

Es ist 18.40 Uhr, mein kleines Leben und ich sitzen auf dem Sofa und schauen das allabendliche Kinderprogramm. Der Vorspann zu „Wolkenkinder“ läuft und neben mir sagt jemand: „Mama, das ist langweilig, mach mal weiter!“

Würde ich ja gerne, geht aber nicht, denn das ist ja Fernsehprogramm. Oldfashioned. Total antiquiert. Mega überholt. Zumindest für jemand, der Youtube und Netflix kennt. Von DVD gar nicht erst zu sprechen, denn das ist ja auch nicht mehr so ganz up-to-date. Und während ich wieder mal erkläre, dass ich leider nicht bis zum Sandmännchen vorspulen kann, sucht meine Tochter die Fernbedienung.

„Komm, dann schalten wir mal um!“, sagt sie und wir landen auf einem anderen Kinderkanal. Einen mit Werbung.
„Puiii, schau mal, den Playmobil-Bauernhof möchte ich ha… oh! Nein, die Puppe ist noch viiiel… ach…Mama, Pommes bei McDonalds wären auch echt suuupeeer…!“

Ich schalte, nach Vorankündigung, aus.

Wald und Wiese

Wahrscheinlich, denke ich, laufen auch noch irgendwelche geheimen Geheimbotschaften, die nur Kinder verstehen, während der Spielwarenwerbung im Hintergrund ab und infizieren die gesamte Generation @ 2.0, so dass man nicht mal mehr den Hauch einer Chance hat, ohne virtual reality das reale Leben zu leben. So mit Rausgehen. Und Wald und Wiese. Statt iPad und Smart-TV. Und wieder mal muss ich an meine Ur-Großtante Auguste denken, die nach fünf Minuten commercial break im Vorabendprogramm für Kinder vermutlich einen epileptischen Anfall erlitten hätte.
Ich frage mich, wie sie es wohl hinbekommen hat, damals, als Farbfernsehen die reinste Utopie einer fernen, fernen Galaxie war, dass die Kinderchen immer beschäftigt gewesen waren. Ohne, hin und wieder, Flimmerkistenbetreuung.

Asche auf mein Haupt

Ja, man möge Asche auf mein Haupt streuen, aber da bei uns der Betreuungsschlüssel 1:1 vorliegt, brauche ich manchmal einen digitalen Babysitter, wenn gar nichts anderes mehr geht. Wenn ich ein wichtiges Telefonat führen muss oder einfach mal fünf Minuten auf dem Klo verbringen möchte; allein. Nein, ich setze mein kleines Leben nicht stundenlang vor die Kikaninchen-App oder die Elmo-DVD. Und ja, sie kann sich auch mittlerweile ganz gut allein beschäftigen. Mit Malen und Kneten und Puppen und Lego. Und so weiter. Aber, dass man mit Wischen und Fingertippen eine Menge auf einem Handy erreichen kann, da intuitiv bedienbar und wahrscheinlich schon krabbelnde Kleinstkinder den Märchenkanal auf Youtube abonnieren können – dass man lustige Fotos schießen und noch interessantere Videos machen kann, das hatte meine Tochter ziemlich schnell verstanden.

Konsterniert

Und deswegen sitzt sie einigermaßen konsterniert vor dem popligen TV-Programm und ist genervt, wenn man nicht einfach Vorspulen kann wie es einem gerade in den Sinn kommt. Tja, so ist das Leben wohl.

Aber, ich bin ehrlich: Ich habe auch schon auf meiner Computertastatur länger auf das „a“ gedrückt, um ein „ä“ zu schreiben, und fluchte leise: „Mist, kaputt!“. Und, falls ich mal früher als meine Tochter wach sein sollte (was genau dann passiert, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen), dann setze ich mich mit einem dampfenden Kaffee an den Küchentisch, checke meine Mails und lese ein bisschen bei Facebook. Oder Instagram. Oder Pinterest. Oder so.

Kinder am Handy

Die Zeiten ändern sich; das hatte ich ja bereits schon mal festgestellt. Jede Generation hat seine eigenen Trends, im Moment scheinen die (Baby) Alpakas die Einhörner abzulösen. Hab ich gehört. Also gesehen; Social Media. Unsere Kinder wachsen mit Smartphone, mit Tablet und immer abrufbaren Informationen auf. Ich musste seinerzeit noch im Lexikon mühsam blättern, um festzustellen, dass die Enzyklopädie meiner Großmutter doch schon ein bisschen verstaubt war. Ich weiß nicht, ob es immer gut ist, wenn sein WiFi-Nachschlagewerk Tag und Nacht zur Verfügung steht – und ob das nicht auch was mit der Intelligenz der Menschen macht. Vielleicht. Ich bin ja kein Fachmann in diesen Dingen, aber ein bisschen mehr Wald und Wiese wären schon nicht schlecht. Auch, was das Lernen angeht.

Schrecklich süß

Nein immer alles vorspulen zu können, immer alles jederzeit abrufen zu können, weil’s einem langweilig wird, nein, das finde ich nicht gut. Da heißt es wohl, wie immer, das richtige Maß zu finden. Ein achtsames und aufgeklärtes Aufwachsen mit den digitalen Dingen der Neuzeit, ja, das gehört wohl zu unserem Erziehungsauftrag dazu.

Die Werbung allerdings skippen zu können, das ist schon eine tolle Erfindung. Und Baby Alpakas sind schrecklich süß. Und ein bisschen Spotify zum Einschlafen, das mag ich auch.

Ach ja, meine Wolke, das Leben, das kann man nicht vorspulen, nicht anhalten, nicht langsamer oder schneller laufen lassen. Und das wird sich, glücklicherweise, nie ändern.

Mach’s gut, liebe Wolke!

PS: Und da uns Alpakas so gut gefallen, gibt es hier ein kostenloses Freebie zum Ausmalen. 😉



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3 Kommentare

  1. Pingback: Ausmalbild Alpaka (Freebie Malvorlage) – Hallo liebe Wolke

  2. Ja, Lamas/Alpakas sind wirklich toll. Und so real. Im Gegensatz zu den Einhörnern.
    Liebe Grüße & gute Nacht!
    Susanne

  3. Ha, ich war meiner Zeit voraus.
    Ich wollte als Kind (und …äh … ganz ehrlich würde am liebsten noch immer gern …) ein Lama haben und fuhr total auf Einhörner aber so richtig edle, romantische, nix rosa-glitzer-plüsch …
    Mein Vierjähriger kriegt kein Handy in die Hand, das kann man hinterher wahlweise aus dem Klo fischen oder die 100 Einzelteile neu zusammensetzen, nee, nee
    Schmunzelnde Grüße
    Natalie

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