Angst, die

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Hallo liebe Wolke,
hast du auch manchmal so eine Angst?

Dies ist für euch.
Für all diejenigen, die meine Sorgen kennen.
Die wissen werden, wie es sich anfühlt, worüber ich schreiben werde.
Dies ist für euch, Mamas.
Und ganz besonders für die, die ihr alleine seid.

Mein kleines Leben und ich, wir sind allein.
Darüber habe ich schon öfter geschrieben, und das ist nichts, was uns einmalig macht. Das ist nichts Außergewöhnliches und nichts, mit dem ich hausieren gehe. Auch, wenn es sich manchmal so anhören mag.

Niemand kommt nach Hause

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Mein kleines Mädchen

Wir kommen gut zurecht, wir beide, allein.
Ich würde sogar behaupten, dass es meinem kleinen Mädchen an nichts fehlt; wir haben es friedlich und kuschelig und ruhig. Auch wenn es ab und zu turbulente Zeiten gibt. Zeiten, in denen wir manchmal verzweifelt sind. Sie auf ihre Weise, ich auf meine. So wie alle von uns.
Mein kleines Mädchen spricht nicht davon, dass sie etwas vermisst. Sie kennt unsere Lebenssituation nicht anders, sie weiß, es kommt kein Papa abends von der Arbeit nach Hause. Es kommt niemand abends nach Hause.

Da sind nur wir zwei.

Nur wir zwei lesen Märchenbücher am Abend. Und Rapunzel ist ihre Lieblingsgeschichte. Vielleicht, weil sie auch lange Zeit allein in ihrem Turm war, aber das denke ich mir gerade aus.
Nur wir zwei gehen Zähneputzen, am Abend. Nur wir zwei halten uns an den Händen bis wir einschlafen.
Mein kleines Mädchen weiß, es kommt abends niemand nach Hause.
Aber dafür weiß sie, dass ich immer für sie da bin. Ob es mir gut geht, oder schlecht.

Das unterscheidet mich nicht von anderen Mamas, das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Alleinerziehenden.
Und auch, wenn ich alles, von früh bis spät, alles eben, allein machen muss, so bin ich weder besser noch schlechter als andere Mamas.

Angst

Dennoch gibt es da etwas, das in mir schwelt.
Und das mir eine Scheißangst macht.
Da gibt es tausend Fragen, die ich mir stelle, über die ich eigentlich gar nicht nachdenken will, denn sie lassen alles in mir verkrampfen; ich will sie im Grunde gar nicht hören und halte mir manchmal lieber die Ohren zu. Aber manchmal sind sie einfach zu laut:

Was würde passieren, wenn ich krank würde? So richtig krank, meine ich. Kein blöder Schnupfen, über den sich im Moment so viele von Herzen beklagen; nein, den meine ich nicht.
Was würde passieren, wenn ich richtig schlimm krank werden würde?
Was würde passieren, wenn ich zum Einkaufen fahren, den Kopf voller Gedanken hätte, und mich ein LKW übersehen würde?
Unglaublich viele Dinge fallen mir zu diesem „was wäre, wenn“ ein.

Was also würde passieren, wenn ich sterben würde?

Was wäre dann mit meinem kleinen Leben?
Wer würde ihr beim Schlafen zusehen und ihr die Decke richten, damit sie nachts nicht friert?
Wer würde ihre langen Wimpern bewundern?
Wer würde ihre Stofftiere waschen, damit sie gut duften, weil sie es so gern leiden kann?
Wer würde ihr ein Eis kaufen, ein Erdbeereis mit bunten Streuseln drauf, und ihr den Mund abwischen, und die kleinen Flecken auf ihrem Pulli?
Wer würde ihre Kunstwerke bewundern und voller Stolz sagen, dass sie prima aussehen und dass Berge mit Fahnen zu malen ganz schön schwierig ist?
Wer würde all die Geduld für sie aufbringen, mit der ich täglich kämpfen muss?
Wer würde ihr von mir erzählen, wenn ich nicht mehr da wäre, und was würde man von mir erzählen, damit sie mich nicht vergisst?

Und wer würde sie dann so lieben wie ich es tue?

Was wäre dann?

Vorsorgen kann man viel. Man kann Vorsorgen treffen.
Aber wissen, das tue ich nichts.
Und das macht mir diese Scheißangst, weil niemand nach der Arbeit nach Hause kommt, weil niemand da ist, der mein kleines Leben genauso in den Arm nimmt, wie ich es tue.
Der mein kleines Mädchen so versteht, wie ich es tue.

Ich glaube, alle Mütter haben diese Gedanken.
Alle Väter haben diese Gedanken.
Ob sie allein sind, oder nicht.

Durchhalten.

Bloß: Wenn man allein ist, dann liegen diese Gedanken sehr schwer auf dem Herz, dann wird man fast wahnsinnig, wenn man nur anfängt, darüber nachzudenken.
Obwohl ich kein gläubiger Mensch bin, fange ich dann an zu beten, zu wem auch immer, dass ich durchhalte. Bis mein kleines Leben groß ist.
Das ist mein einziger Wunsch, den ich habe.
Und ich weiß, dass Herzenswünsche meistens in Erfüllung gehen, solange man nur ganz fest daran glaubt.

Ich weiß also, wie es euch manchmal geht, und worüber ihr nachdenkt.
Und deswegen ist dies hier für euch.

Flieg weiter, liebe Wolke, ich tu’s ja auch!

Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

20 Kommentare

  1. verflixteralltag

    Die Angst habe ich auch, auch wenn ich nicht alleinerziehend bin. Ich denke jede Mutter, jeder Vater kennt das, oder? Du hast es sehr berührend geschrieben, vielen Dank dafür <3
    LG Wiebke

    • Danke fürs Lesen! 🙂
      Und ja, ich bin auch überzeugt davon, dass jeder diese Gedanken kennt; ganz unabhängig von der Lebensform, weil es einfach mit dem Herz zu tun hat.

  2. Ein sehr berührender und wichtiger Beitrag!
    Auch ich kenne diese Angst, wobei ich keine alleinerziehende Mutter, noch nicht mal eine Mutter bin.
    Ich frage mich manchmal, warum ich mich diesen, Deinen sehr ähnlichen Gedanken hingebe. Die sind auch voller Schmerz, Bildern, in denen meine Kinder alleine und ohne unseren Schutz sind.
    Schrecklich.
    Doch – auch unabhängig davon, dass ich ein gläubiger Mensch bin – glaube ich an das Gute! Okay, nicht ganz unabhängig von meinem Glauben, glaube ich, dass alles gut ist, wird und würde.
    Weißt Du noch? Die Millionen Legionen?
    Die Kommentare hier zu lesen tat mir irgendwie auch ein stückweit gut. Wir sind viele und nicht allein. Wir sind uns ähnlich und können einander Halt, Trost und Mut geben.

    Danke, das Du Deine Gefühle so offen mit uns teilst und damit so wohl tust.

    Lucas

    • Lucas,
      danke, dass ich euch, dass ich Dich erreiche. Das ist mein Anliegen, denn mir geht es hier nicht um den Applaus, ich mag einfach nur sagen, dass man nicht allein ist. Mit einigen, oder auch mit mehreren Themen, die auf das Herz drücken, oder auch die einen zum Schmunzeln bringen. Im Alltag.
      Und ja, an die Millionen Legionen erinnere ich mich sehr gut, denn das war etwas, das mir, ganz persönlich nur für mich, ziemlich viel gegeben hat. Damit meine ich nicht nur Zuspruch, sondern auch so etwas wie Zusammenhalt, der in der „richtigen“ Welt da draußen oft fehlt.
      Danke Dir also und alles Liebe!

  3. Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin zwar nicht alleinerziehend, aber mit einem besonderen Kind. Und um ihn habe ich mehr Angst als um unseren Großen, der auch besonders ist, aber anders. Ich liebe beide unendlich und will ihnen helfen und sie unterstützen bis sie groß und selbstständig genug sind, dass sie ihre Mutter nicht mehr brauchen.
    Hach *tränenwegwisch* wir schaffen das! <3
    Von Herzen alles Liebe und Gute für dein kleines und dein eigenes Leben!
    Simona

  4. Oh! Dies Angst kennt wohl Jeder, denn man möchte ja seine Kinder nie leiden und immer in guten Händen wissen. Leider bestimmen wir in der Hinsicht nicht über unser Leben…

  5. Liebe Susanne,

    Angst gibt es anscheinend immer wieder, auch so etwas wie Dauerangst gibt es.

    Ob es Menschen gibt, die wirklich angstfrei sind? Ich glaube kaum.

    Und selbst, wenn wir diese Angst konkret machen können, daß sie zur Furcht vor etwas bestimmtem wird, zu etwas, das sich greifen läßt, wogegen wir etwas tun können, macht es das nur bedingt leichter, denn irgendwie kann ja doch etwas… Und schon meldet sich die nächste Angst.

    Für mich ist Angst; dieses Gefühl von Enge, Enge in mir selbst, die ich empfinde und Kleinheit.

    Es läßt sich hin und wieder betäuben, dieses Gefühl; doch aus jeder Betäubung gibt es ein Erwachen und dann ist alles meist noch schlimmer.

    Ich habe ja früher getrunken, sehr viel getrunken und habe mich auch in Situationen begeben mit Menschen zu tun gehabt, wo viel Angst war, weil ich dachte, ich könnte das loswerden.
    Doch das machte alles noch schlimmer.

    Das Leben bietet keine Sicherheit, für niemanden.

    Und wenn ich mit meinen Gedanken in das gehe, was alles passieren kann, passieren könnte, dann werde ich noch kleiner und noch enger. Das hilft mir gar nicht.

    Ich habe ein wenig gelernt, mehr im Heute zu leben, weil das weniger eng und klein macht.

    Und wenn es eng wird, atme ich in das hinein und versuche mich gedanklich auszudehnen.

    Es klingt kurios, doch mir schafft das Weite.

    Und wenn ich nun gar nicht weiß, was ich denn…dann mache ich etwas ganz Verrücktes:

    Ich lasse Zeit vergehen, einfach so und ganz bewußt.

    ich stelle mir vor, wie ich aktiv Zeit vergehen lasse.

    Der „Zeit“ gefällt das überhaupt nicht und schon wird es besser; meistens jedenfalls; denn oft kommt auch das Friedensangebot der Zeit, daß ich ja schlafen könnte.

    Und das mache ich dann, sobald mir das möglich ist.

    Und auch mein Körper meldet sich dann gerne und äußert Wünsche, die ich ihm gerne erfülle, so weit ich das machen kann. Oft ist es ein Spaziergang bei mir, den ich ja… weil das Wetter und überhaupt… 😉

    Tja, mehr weiß ich nun auch nicht, was man bei Angst sonst tun kann.

    Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen.

    Liebe Grüße,
    Frank

    • Danke, lieber Frank, für Deine tollen Gedanken!
      Ich glaube auch – und das lebe ich meist auch – dass der einzige angstfreie Weg wirklich über das „Jetzt“ geht. Jetzt leben, weil man ja sowieso nicht weiß, was kommt. Weil man aus der Vergangenheit nur lernen kann. Wenn man will. 😉

      Danke für Deine offenen und privaten Worte!

      • Hallo, liebe Susanne.

        Auf den eigentlichen Schwerpunkt Deines Beitrags bin ich nicht eingegangen, die Herzensliebe zu den eigenen Kindern, die auch Angst auslösen kann.

        Und bei der Angst Fühlt man sich so richtig hilflos.

        Doch da muß man eben mit der Angst gehen, und manchmal mitten durch die Angst hindurch und dabei jeden Sonnenstrahl ergattern, der möglich ist und ihn weiterschenken.

        Auch das kenne ich.

        Liebe Grüße,
        Frank

          • Oh, herzlichen Dank! 🙂

            Hier ist es grau und es schneit; doch die Tage davor war ich drei Mal draußen und habe… Steine für meinen Steingarten gesammelt. Mein Steingarten ist für mich fast so etwas wie es eine elektrische Eisenbahn für andere ist; immer gibt es etwas zu basteln und zu gestalten.

            Liebe Grüße,
            Frank

          • Steingarten finde ich toll. Und fast alles, außer Sichtschutz und Pflanzkübeln habe ich zu Fuß selbst herangeschafft, Steine, viele Pflanzen und Erde. Zum Teil kannst Du das auch in meinem Blog lesen.

            Herzlichst,
            Frank

  6. Du hast so Recht! Zu all den anderen Ängsten dazu, ist diese eine der Größten! Danke, für diesen tollen Artikel!

  7. Es ist so wahr. Aber ich muss dir sagen, dass man diese Gedanken auch hat, wenn jemand abends nach Hause kommt. Sie sind nur ein ganz wenig anders. „Schafft er es ohne mich?“ „Sucht es sich eine neue Frau?“ „Wird sie nett sein zu den Kinder“ „Werden die Kinder bei der Oma landen?““Wird sich der Jüngste an mich erinnern?“ …. Es ändert sich kaum etwas. Ich glaube, dass mein Mann mich niemals ersetzen könnte.
    LG Natalia

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