Bang, Bang – FEUER frei!

Sankt Martin"Ommas" Socken.

Hallo liebe Wolke,
bist du geduldig?
Meine Füße fühlen sich jetzt noch an wie Eisklötze. Ich bekomme sie einfach nicht mehr warm, dabei trage ich schon zwei Paar Flauschsocken übereinander. Gestern war die große Kita-Zusammenkunft der frierenden Mütter, Väter, Kinder (die einzigen übrigens, die wie Marshmallows im Schneeanzug durch die Gegend stapften) – und all derjenigen, die Lust auf eine Gratis-Unterkühlung beim Sankt Martins Zug hatten.

Ein Protokoll

17 Uhr, Treffpunkt Kindergarten.
Die von mir unter Qualen zusammengebastelte Laterne ist bis zum gestrigen Lightshow Event 2017 zur Verwahrung in der Kita geblieben. Also marschierten mein kleines Marshmallow-Leben mit Bommelmütze und ich mit einem nackigen Laternenstab Zuhause los.
Das hat mich bereits einige Überredungskunst gekostet.

Na, ich dachte, dass wir uns, zack, in der Seesterngruppe die Laterne unter den Arm und an den Stab klemmen und dann um die Blocks ziehen.
Im Denken bin ich offensichtlich nicht so gut wie angenommen, denn die Mutter, deren Namen ich nicht kenne und die ich nur noch liebevoll (für mich) „der Filzhut“ nenne (sie trägt ihren Hut wirklich bei jeder Temperatur), versperrte uns am Kindergarteneingang den Weg. Mit Saxophon. (Daneben stand ein Bontempi-Keyboard und die Kita-Leiterin mit Warnweste).

„Ich will meine LAAATEEERNEEE!“
„Ja, die bekommst du sofort, einen kleinen Augenblick noch!“

Graupel & Punsch

17.20 Uhr
Wir stehen immer noch vor der Tür.
Alle anderen Kinder mit blanken Laternenstäben ebenfalls.
Latente Unruhe macht sich breit.

„Wir machen das heute mal etwas anders als sonst!“, sagt die Kita-Leiterin. „Es gibt erst Punsch und Suppe. Dann werden die Laternen ausgegeben. Und dann laufen wir los.“

Die ersten Kinder fangen an zu schreien. Und zu weinen.
Aus dem Nichts werden wir mit Graupel bombardiert, alle versuchen sich unter dem Vordach zu retten.

17.45 Uhr – Graupelschauer beendet
Filzhut dudelt ein improvisiertes Jazzstück.
Dann dürfen wir auf den Innenhof.
Einige Eltern bleiben auf der Straße stehen und zünden sich Zigaretten an. Der Rest wird einigermaßen nervös und wünscht sich einen guten Schuss Rum in den Punsch.
Es wird uns gestattet, uns am Lagerfeuer aufzuwärmen. Ich hoffe, der Mann aus den Bergen gibt jetzt nicht auch noch mit Gitarre „Wir lagen vor Madagaskar“ zum Besten.
Feuer anschauen lenkt zumindest für fünf Minuten von den Laternen ab.

18.05 Uhr
Punsch ist alle. Mein kleines Leben nagt an einem Stück Baguette und verhält sich heute auffallend ruhig. Ist die Übermüdung, weil seit 4 Uhr wach. Oder immer noch der Magen-Darm Virus.
Um mich herum raunen überall verzweifelte Kleinkinderstimmen in die Nacht.
„Wo ist meine Laterne?“
„Gehen wir jetzt los?“
Gespenstisch.

Feuer frei!

18.15 Uhr
DIE LATERNEN WERDEN AUSGEGEBEN.
Gott sei Dank!
Heilloses Chaos bricht aus.

18.25 Uhr
Nun sind alle Kinder ausgestattet.
Dann kann es ja losgehen.


Nein, doch nicht.

18.30 Uhr
Mein kleines Leben und ich sitzen noch immer auf der Bierbank vor dem Lagerfeuer.
Hinter uns verhauen sich zwei Jungs mit ihren Laternen.
Mindestens vierzig Kinder aus der U2-Gruppe plärren unaufhörlich.
Ein Mädchen will sich das Lagerfeuer genauer ansehen und ihre Laterne geht dabei in Flammen auf.
Geschrei, Tumult, Panik.
Der Mann aus den Bergen hilft (mal wieder) mit einer lebensrettenden Aktion, indem er sich mit einem Eimer voll Sand auf das Mädchen und die brennende Laterne stürzt.

18.50 Uhr
Die größte Unruhe hat sich gelegt.
Alle werden gebeten, sich wieder vor dem Kindergarteneingang zu versammeln.
Filzhut stimmt das Lied „Sankt Martin“ auf dem Saxophon an.
Keiner hört mehr zu, alle trippeln von einem Bein auf das andere und pusten sich die Hände warm.
Mein kleines Leben will wenigstens einmal die Straße mit ihrer Laterne entlang laufen und dann nach Hause.

„Ich gehe JETZT, SOFORT, A L L E I N E!“

Trauergesellschaft

19.10 Uhr
Endlich fällt der Startschuss.
Eine Truppe aus gestressten Eltern und völlig fertigen Kindern schlurft die Straße entlang.

19.20 Uhr
300 Meter weiter auf dem Parkplatz vor einer Eckkneipe machen wir Halt.
Was passiert denn nun schon wieder?
Dürfen wir in die Kneipe?
Ich bräuchte einen Schnaps. Wegen der Kälte. Natürlich nur wegen der Kälte.
Jetzt wird wieder gesungen.
Rabimmerabammelrabumm.

19.27 Uhr
Die Trauergesellschaft zieht weiter.
Ohne uns.

Kalte Füße

Mein kleines Leben und ich kehren um und laufen nach Hause, singen „Komm, wir woll’n Laterne laufen!“ und „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne!“ und kommen in einem sehr warmen und gemütlichen Wohnzimmer an.

Ich bin im Grunde meines Herzens ein sehr, sehr geduldiger Mensch, liebe Wolke.
Nur wenn ich kalte Füße habe, dann ist das mit der Geduld wirklich so eine Sache.

Hab noch ein warmes Wochenende!


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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2 Kommentare

  1. Herrlich , ich musste lachen, weil wir so ähnliche Gedanken bei unserem Laternenfest auch hatten ..
    ich liebe deinen Blog !
    Herzliche Grüße Bianca

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