Club der einsamen Herzen. (Oder: Als ich mich für eine Partnerbörse entschied.)

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Hallo liebe Wolke,

hast du das gesehen?

Ich laufe seit heute Morgen mit zwei völlig verschiedenen Socken durch die Gegend!
Zugegeben, ich bin aufgrund des allgemeinen Schlafmangels hin und wieder wirklich verwirrt. Man könnte meinen, ich hätte Demenz, wenn man mich so erlebt (und ich könnte oft darauf wetten, ich hätte mich gerade einer Lobotomie unterzogen, wenn ich vier Nächte hintereinander nur zwei Stunden geschlafen habe.)
Aber das hätte mir doch jetzt direkt auffallen müssen! Naja.

Vor ungefähr zwei Jahren ist mir im Anflug geistiger Klarheit sagenhafterweise wirklich etwas aufgefallen:
Ich fühlte mich allein. So als Frau.

Alleinsein

Es gab manche Tage, da sprach ich nur mit dem kleinen Leben. Was schön war, keine Frage! Aber eine einigermaßen intelligente Kommunikation, die über „Meine ersten Minutengeschichten“ und das Farbenlernen mithilfe von Fingerfarben auf der Wohnzimmerraufasertapete hinausging, fand nicht statt.
Ich versuchte an diesen Tagen den netten Kassierer im Rewe für ein Gespräch zu begeistern, aber mehr als »Dreizehnzwanzig. Payback-Karte?« brachte ich einfach nicht aus ihm heraus.
Beim Spazierengehen trafen wir öfter eine hochbetagte Dame mit ihrem dreibeinigen Hund, aber selbst sie wollte nicht mit mir sprechen.
Kurzum:
Ich fühlte mich allein, als Frau, und wollte gern wieder Händchen halten, Ausgehen, Lachen, Knutschen, mein Leben ein bisschen teilen und etwas von meiner Liebe abgeben.

Denn eins kann ich dir sagen, liebe Wolke; die Liebe zu seinem Kind ist unermesslich. Sie macht mutig und stark. Doch die ‚andere‘ Liebe, die macht verletzlich. Und ein Herz will nicht immer nur mutig und stark sein.

Partnerbörsen – Fleischbeschau aus dem Katalog?

Und da mir kein anderer Weg zur Verfügung stand, setzte ich mich an den Computer und schaute mir diese Partnerbörsen an, die ja eher einem Katalog gleichen und mir liefen kalte Schauer über den Rücken:
Entweder waren alle jünger als ich (»Oh Gott, WER will MICH denn noch haben?? Und dann auch noch mit Kind???«) oder die Gebühren schreckten mich ab (»Ohje, das kleine Leben braucht schon wieder so schrecklich viele neue Sachen, das kann ich mir nicht leisten!«).
Nach viel Googelei stieß ich auf eine Plattform, die damit warb, auch gern Alleinerziehende in ihre Kartei aufzunehmen. Juchu. Vielen Dank! Auch die Verstoßenen finden ein warmes Plätzchen unter der Single-Brücke am Tonnenfeuer.
Also meldete ich mich an. So ganz mutig. So ganz naiv. Ein bisschen verwirrt. Wie ich eben bin.

Die Qual der Wahl

Ich schrieb mit einem Dreiundvierzigjährigen, der noch nie eine Freundin gehabt hatte. Erst kam mir das wirklich sehr gelegen, weil ich dachte: »Puh! Endlich mal jemand ohne Altlasten! Wie herrlich! Keine Ex-Freundinnen, Ex-Frauen, Ex-Hunde, Ex-Wellensittiche. Ganz fantastisch!«
Er war auch wirklich sehr nett. Also: nett.
Aber nach einer Weile beschlich mich das untrügliche Gefühl, dass jemand wie ich, mit meiner Vergangenheit und meinem Kind, die totale Überforderung darstellen würde. Und ich wollte ja nicht, dass jemand völlig Unbedarftes den Schock seines Lebens bekommt – und da ich ein verantwortungsvoller Mensch bin, haben wir dann von weiteren Plänen abgesehen.

Parallel schrieb ich mit einem Theatermenschen und einem Mann mit einem normalen Beruf und zwei Kindern, dessen Mutter gerade Geburtstag gefeiert hatte und mir (unter anderem) davon erzählte, als wären wir alte Bekannte, was bei mir direkt diese Vertrauensknöpfe drückte, die ich eigentlich nicht mehr gedrückt bekommen wollte.

Jedenfalls traf ich mich erst mit dem Theatermenschen. Um es kurz zu machen: der totale Reinfall. Langweilig, langweilig, langweilig. Dazu gibt’s noch nicht mal ’ne lustige Anekdote.

Der Herzwaffeleisenmann

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Herzwaffeleisenmann

Und dann wollte der Mann mit dem normalen Beruf und den zwei Kindern mit seinem Keramik-Doppel-Waffeleisen zu mir nach Hause kommen, weil ich kein Waffeleisen besitze (»Rabenmutter!«), um, ja genau, Waffeln zu backen. Abgefahren.
Naja. Da ich grundsätzlich keine fremden Menschen (schon gar keine Männer) in meine Wohnung lasse, sagte ich das also auch ab. Ich bin schließlich kein Waffelstübchen!

Irgendwie ließ er nicht locker, und mich ließ das Thema auch irgendwie nicht los, und deswegen trafen wir uns beim dritten Anlauf irgendwo zum picknicken.
Es war Mai. Es schien die Sonne. Und es war außergewöhnlich warm an diesem Tag im Mai.

Ein Herz will nicht immer nur mutig sein

Ich sagte bereits:
Ein Herz will nicht immer nur mutig und stark sein.
Vielleicht hätte ich besser darüber nachdenken sollen.
Vielleicht aber auch nicht.

Liebe Wolke, du willst weiter, ich seh‘ schon, bestimmt erzähle ich dir eines Tages mehr darüber, aber jetzt guten Flug, ich suche mal weiter nach meinen passenden Socken!

Bis bald!

Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Liebe, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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10 Kommentare

  1. Pingback: "Gestatten? Frau Susanne Unsicher-Bohne." (Warum Mama andauernd zweifelt.)

  2. Pingback: Ich hab's verstanden. – Hallo liebe Wolke

  3. Pingback: Eine Geschichte über das Finden, das Lieben, das Verlieren & Leichtigkeit.

  4. An der spannendsten Stelle aufgehört.
    Genial! 😉
    Ich bin auf die Fortsetzung sehr gespannt…und habe gerade Lust auf Waffeln bekommen.

  5. Jetzt würde ich gern wissen, wie es weiterging.

    Ich habe meinen Mann übrigens ganz „klassisch“ im Internet kennengelernt.

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