Die eierlegende Wollmilchsau aka Mama

Die eierlegende Wollmilchsau aka MamaFressen und gefressen werden...

Hallo liebe Wolke,
was kannst du eigentlich alles?
Mütter sind Experten. Sie können (fast) alles, auf allen möglichen und unmöglichen Gebieten – und wenn sie es nicht können, dann lernen sie es eben. Was man heute so gern in „kreativen“ Stellenanzeigen liest, das trifft sehr wohl auch auf Mütter zu, deren Entlohnung für einen 24/7-Job ohne Gefahrenzulage und ohne Urlaubsanspruch wohl eher mau ausfällt. Gesucht wird die eierlegende Wollmilchsau. Und Mama ist so eine.

Soft Skills

Im Kreißsaal beispielsweise lernt man, dass die Schamgrenze von irgendwelchen Gag-Schreibern für drittklassige Comedians erfunden worden ist und man sie fortan nur noch milde belächelt. Man weiß später, dass Babys in unterschiedlichen Gemütslagensymphonien schreien und beim ersten Ton ist man sich sicher, ob sie gerade über Hunger, müde, Bauchweh oder Aufmerksamkeit „singen“. Windelausschlag erkennt man auch dann, wenn man ihn noch nie zuvor gesehen hatte, und man erkennt außerdem, dass sein Kleinkind in ungefähr 23 Minuten Fieber bekommen wird. Man freut sich über leere Klopapierrollen, um endlich den Klopapierrollen-Zoo fertig basteln zu können. Außerdem ist man als Nachtwächter, Wäschereifachangestellte, Putzfrau, Animateur, Chorleiterin, Krankenschwester, Seelsorgerin, Aus-Radieschen-Mäuse-Schnitzerin, Läuse-Jägerin und Bademeisterin, als professionelle Händchenhalterin, Schmerz-Wegpusterin, Grüffelo-Imitatorin, Geduldsfaden-Aufwicklerin, Erziehungsratgeber-Magistra und Backoffice-Managerin tätig. Unter anderem.
Aber vor allem, ja vor allem, sollte die leibhaftig gewordene eierlegende Wollmilchsau aka Mama eins sein: Perfekt.

Total perfekt!

Ich kenne keine Mutter, die von sich sagt, so mit dem richtigen Brustton der Überzeugung: Ich bin eine wirklich gute Mutter! Weil heute offensichtlich „gut“ nicht mehr reicht. Meine Großmutter hat sich seinerzeit sicher einen feuchten Kehricht darum geschert, welche Kunstwerke in der Butterbrotdose meines Vaters lagen (falls es überhaupt eine gab), welche Motto-Party zum zweiten Geburtstag ausgerichtet werden sollte, um schon ein halbes Jahr vorher mit den Vorbereitungen beginnen zu können, da war es wohl nur wichtig, dass der Junge gesund ist und die Lebensmanieren lernt, die man eben lernen muss, um irgendwann sicher auf eigenen Füßen zu laufen. Perfekt mussten weder meine Großmutter, noch ihr Kind sein.
Heute aber, da hat man diese Erwartungshaltung (und die stellt man viel zu häufig auch an sich selbst), dass all die aufgezählten Jobs mit Sternchen und Fleißstempelchen absolviert werden.
Und warum darf man nicht mal ganz normal sein, mit Defiziten, die ja durchaus liebenswert sein können, und eben nicht perfekt?

Lufthaben

Luft ist etwas herrliches.
Luft für mich. Luft für mein kleines Leben. Na klar, ich tue alles, was ich eben kann, damit meine Tochter glücklich ist. Ein glückliches Kind nämlich, kein perfektes. Und das Lufthaben bedeutet auch, sich nicht völlig, bis zur totalen Erschöpfung, bis nichts mehr von der Luft da ist, zu verausgaben und aufzuopfern.
Wusstest du, liebe Wolke, dass sich Krabbenspinnen ihren Krabbenspinnenbabys zum Fraß vorwerfen, nachdem sie geschlüpft sind? Wusstest du außerdem, dass Seeläuse nur ein einziges Mal Mutter werden? Weil sich nämlich ihre liebreizenden Seeläusekinderchen durch den Körper ihrer Mama auf die Welt fressen? Und wusstest du, dass Mama Oktopus in den meisten Fällen vor Entkräftung stirbt, weil sie monatelang auf ihre Brut aufgepasst hat – und noch nicht mal zum Essen kam?

Aufopferung…

Diese Aufopferung ist vielleicht für Krabbenspinnen, Seeläuse und Oktopusse löblich. Zur Arterhaltung. Für Menschenmütter ist sie das eher weniger. Auch dann nicht, wenn man das Beste für sein Kind will. Und ich möchte annehmen, dass das jede Mutter möchte.
Bloß: Wenn man das mal laut ausspricht, dass man eben weder Krabbenspinne (Seelaus, Oktopus, etc.) sein möchte noch kann, dass das Perfektsein völlig unerreichbar ist, dann wird man schneller geteert und gefedert als man schauen kann. Und dann weiß ich nicht, was angenehmer ist, um jämmerlich zugrunde zu gehen.

Keine Angst!

Viele Mamas, die ich kenne, die machen sich die allergrößten Sorgen, ob sie es mit der Erziehung auch ja richtig machen. Sie lesen in Büchern, sie durchforsten das Internet, sie werden leicht panisch, wenn ihr Kind nur die geringsten Anzeichen zeigt, die darauf schließen lassen könnten (könnten!), dass sie, die Mama, irgendetwas falsch gemacht haben könnte (könnte!).
Und sie haben noch etwas: Angst.
Angst, nicht so gut zu sein wie man es von ihnen erwartet (oder wie sie meinen, dass man es von ihnen erwartet). Sie haben Angst, nicht so gut zu sein wie andere Mütter – denn das Vergleichen, das Übertrumpfen, das beginnt schon beim Bauchumfang in Schwangerschaftswoche Fünf und gipfelt nicht erst im schrägen Blick, wenn man gesteht, dass sein Kind mit Vier noch keinen Mandarin-Kurs belegt hat, Geige lernt und Stadtmeisterin im Voltigieren geworden ist.

Unmöglich?

Eine Mutter hat alles richtig zu machen, obwohl das schlichtweg unmöglich ist. Glaube ich zumindest. Denn ich bin zwar liebend gern die Händchenhalterin, aber beim Wechseln der 5.982sten Windel ist selbst mir seinerzeit das Lachen vergangen. Den Job als Tellerwäscherin mache ich äußerst ungern, denn der führt nicht zwangsläufig zum Millionärsdasein. Und was ich vom Basteln und von den Läusen halte, die bei mir in ungefähr derselben Kategorie untergebracht sind, davon möchte ich erst gar nicht sprechen.

Die eierlegende Wollmilchsau aka Mama …??

Ja, ich habe meine Schwächen und ja, ich bringe viele Opfer für mein kleines Leben. Ich bringe sie gern. Und noch mal ja, als Mama hat man eine Menge Jobs zu erledigen. Ob man einige davon mag oder auch nicht. Weil man es Liebe nennt, selbst das zu machen, was einem nicht in die Wiege gelegt worden ist. Ich verzichte gern auf eine Menge Dinge und ich versuche, dass mein kleines Leben glücklich ist. Mit Perfektsein hat das allerdings recht wenig zu tun, denn ich bin eigentlich ganz gern so wie ich nun mal bin, ich höre auf meine innere Stimme, auf mein Mamagefühl, das einem doch meist ziemlich untrüglich sagt, was richtig ist. Und falls es doch falsch sein sollte: So what? Mehr als eine eierlegende Wollmilchsau kann man nicht sein.
Aber selbst die kennt ihre Grenzen.

Übrigens, liebe Wolke, habe ich noch vom Magenbrüterfrosch gelesen, aber von dem erzähle ich dir besser ein anderes Mal.
Flieg lieber schnell weiter – und das kannst du wirklich richtig gut!


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Kategorie Briefe an die Wolke, Gesellschaft, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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13 Kommentare

  1. Einen tollen Blog hast du da :-* Bin ja erst seit 10 Monaten Mama bzw. seit 19, wenn man die 9 Monate mit Baby IM Bauch mitzählt (da ist man schließlich auch schon Mama), aber auch ich finde es JETZT schon hart 😉 und kann bei deinem Blog richtig mitlachen.

    • Liebe Mela,
      Oh, ich dank Dir so sehr! :-*
      Und ich wünsche Dir und Deinem noch minikleinem Leben eine richtig gute Zeit, es gibt so viel zu entdecken! Und klar ist es manchmal echt hart, aber die schönen Dinge machen die blöden immer wett. Versprochen! 🙂
      Alles Liebe für euch!
      Susanne

  2. Ein toller Beitrag!

    Wir Mütter stressen uns wirklich viel zu viel.

    Jeder Mensch ist wie er ist und so ist er auch „perfekt“.

    Liebe Grüße

  3. Mir geht gerade durch den Kopf, dass das eigentlich absolute Luxusprobleme sind, weil wir unsere Kinder ohne Krieg, Flucht, Angst und große Not großziehen können. Wie Du ja auch so schön von Deiner Großmutter geschrieben hast, die ganz andere Probleme hatte als die satten Mütter und Väter heute. Schade, dass unsere Zeit hier nicht für die Zufriedenheit und das entspannte Dasein genutzt wird. Du bist ja auf dem besten Weg dahin, Dich von der perfekten Mutterrolle nicht vereinnahmen zu lassen. Mit allen guten Wünschen für Euch zwei! Regine

    • Liebe Regine,
      Danke für Deine Nachricht! Und, ja, Du hast so recht mit den Luxusproblemen. Ich denke, wenn man etwas hat, das einem wirklich am Herzen liegt – so wie unsere Kinder – dann gerät man gern mal in die Falle, alles richtig und gut und perfekt machen zu wollen. Dass das nicht gelingen kann, das dauert eine Weile, bis man es begriffen hat. War zumindest bei mir so. 😉
      Ich drück Dich und alles Liebe
      Susanne

      • Ja, bei mir war es auch so. Und ganz frei davon bin ich immer noch nicht. Meine Kinder gehen jetzt ihre eigenen Wege und haben ein ausgefülltes, schönes Leben, soweit ich es beurteilen kann. Trotzdem bin ich manchmal traurig, als Mutter ab und zu versagt zu haben. Hätte ich mir damals nur nicht so viel Druck gemacht! Gelassene Eltern, die sich eigene Fehlleistungen verzeihen, sind für die Kinder das allerbeste, was ihnen passieren kann. Ach ja, ich denke, Du verstehst das früher als ich! Liebe Grüße! Regine

          • Na ja…..ab und zu schon. Aber auch das gehört eben zu meinem Lebenslauf. Wir haben uns aber ausgesprochen und jetzt ist unser Verhältnis richtig gut. Es macht sogar manchmal richtigen Spaß, erwachsenen Kinder zu haben, Du wirst sehen…..

  4. Danke für diesen tollen Beitrag. Das ist es leider auch, womit ich den halben – oder sogar ganzen – Tag hadere. Ich wollte dieses Vergleichen mit anderen Müttern hinter mir lassen und für mich ganz persönlich nicht perfekt sein, aber das ist schwierig, wenn um einen herum immer wieder die gleichen, realitätsfernen Maßstäbe angelegt werden. Das kann man nicht ignorieren, denn man wird ständig damit konfrontiert. Wenn mal wieder mehrere Supermütter um mich herum sind, die anscheinend null eigene Bedürfnisse mehr haben, dann sage ich mir klammheimlich: „Vergleich‘ Dich nicht mit ihr, Du weißt nicht, ob sie heute noch das unerreichbare Beispiel an Perfektion ist und morgen umkippt“. Das wäre doch das falsche Vorbild, denn mein Kind braucht mich noch deutlich länger als bis morgen. Ich muss mit meinen Kräften haushalten.

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