Die graue Maus. Ich. (Oder: Die Maus mit dem mutigen Herz.)

 

Hallo liebe Wolke,
habe ich dir schon von der grauen Maus erzählt? Und ihrer Angst?
Nicht? Na. Dann hör mal gut zu!

Es war einmal eine kleine, graue Maus.

Die Maus mit dem mutigen Herz

Ich. 😉

Und diese Maus lebte mit einer noch kleineren, sehr süßen, Maus am Ende der Straße in ihrer gemütlichen Behausung.

Sie hatten es warm, weich und geordnet; sie fanden genug Käse, um sich ein warmhaltendes Bäuchlein anzufuttern und nachts schliefen sie eng aneinander gekuschelt. Dann vergaßen sie ihre Angst, denn die beiden fürchteten sich schnell. Mäuse sind bekannt dafür, ängstlich und sehr vorsichtig zu sein, und die größere der kleinen Mäuse war keine Ausnahme.

Dabei war es nicht so, als würde sie für die noch kleinere Maus nicht sehr mutig sein können. Oh ja, das konnte sie! Wann immer sie die kleinere Maus beschützen musste, so tat sie es, auch wenn sie um ihr eigenes Leben bangte und der Mäusepuls so schnell ging, dass sie dachte, ihr Herz würde stehen bleiben. Aber das tat es nie.

Ab und zu dachte die kleine Maus über viele Dinge nach: Was sie der kleineren Maus noch beibringen musste, damit sie in der riesengroßen Welt allein überleben konnte. Und wie sie es ihr beibringen könnte. Manchmal dachte sie auch daran, dass die kleinere Maus irgendwann ein eigenes Haus suchen würde und dass sie sie nicht für immer beschützen könnte. Und dann fing ihr Mauseherz wieder an, ein bisschen schneller zu schlagen.

Oft war es in der Behausung der beiden Mäuse ziemlich unordentlich. Die kleinere Maus schleppte alle möglichen und unmöglichen Dinge nach Hause und drehte jedes noch so kleine Körnchen auf den Kopf. Und wieder zurück. Das war ganz schön aufregend und für die größere Maus manchmal ein bisschen zu aufregend. Aber bald merkte die größere Maus, dass es nicht immer nur auf Ordnung im Leben ankommt. Ein bisschen Unordnung tat der Ängstlichkeit sogar sehr gut, denn wann immer sich die Gelegenheit bot, streckte die Maus ihre Nasenspitze aus dem Mauseloch und schnupperte in die große Welt, die nach Liebe roch. Denn wie gut die Liebe duftete, das hatte ihr die kleinere Maus beigebracht.
Herrlich war das!

Es verging eine lange Zeit.
Zumindest für ein Mäuseleben war es eine lange Zeit, denn ein Mäuseleben vergeht schnell. Die Mäusezeit vergeht noch schneller als die der Menschen.
Und das kleine Herz der Maus, das wurde immer mutiger. 
Warum, das wusste die graue Maus selbst nicht. Vielleicht hatte es etwas mit der gut duftenden Luft der großen Welt zu tun, vielleicht aber wusste die Maus irgendwann auch bloß, was wirklich wichtig war. Und die Angst gehörte zwar zum Leben dazu, sie war sogar manchmal ziemlich hilfreich, wenn man auf sein kleines Mäuseleben und sein eigenes Mäuseherz aufpassen musste, aber es gab wohl manche Dinge, die wichtiger waren. Als die Angst.

Die kleine Maus dachte lange nach.

Sie dachte nach über ihr Mäuseleben und ihre Mäusezeit.

Manchmal gab es für sie Minuten, die dehnten sich aus wie ein Luftballon, die waren erst klein und wurden mit jedem Atemzug immer größer. Dann hatte die kleine Maus Angst, sie könnten platzen, die Minuten. Einfach so würden sie mit einem lauten Knall nicht mehr da sein, dabei hatte sie sie doch gerade noch gesehen.
Das waren die Minuten, die sogar im Leben einer Maus langsam vorbei gingen, die sich irgendwo in ihr Herz gepustet hatten – und die vielleicht nicht mehr sichtbar waren.
Aber irgendwie waren sie trotzdem noch da.

Dann gab es für die Maus Tage und Wochen, die so schnell vergingen, dass sie wie eine Sternschnuppe vom Himmel fielen und die kleine Maus schon gar nicht mehr wusste, welcher Monat auf dem Kalenderblatt stand. Oder welches Jahr.
Sie vergaß die Zeit ein bisschen, die sie währenddessen erlebt hatte, sie rauschte an ihr vorbei und prallte an ihr ab. Zumindest dachte das die Maus. Denn im Augenwinkel blieb das Leuchten der Sternschnuppentage zurück. 

Im Leuchten der Sternschnuppe sah die Maus, dass sie sich an manchen Tagen einsam fühlte, obwohl doch die kleine Maus immer an ihrer Seite war.
Sie sah, dass sie an einigen Sternschnuppentagen stark geworden war, dass sie all ihre Ängstlichkeit vergaß und mit erhobenem Köpfchen über die Straße spazierte.
Ganz kurz, sogar am helllichten Tage – und das war schon sehr außergewöhnlich für eine Maus!
Sie sah im Blitzen und Blinken ihres Augenwinkels eine unermeßliche Fröhlichkeit, die es für kein Geld der Welt zu kaufen gab.

Und trotz allem erinnerte sich die Maus an diese Sternschnuppentage nur sehr vage, sie zogen vorbei, und ihr Mäuseleben ging weiter.

Immer wieder aber streckte die kleine Maus die äußerste Spitze ihrer Nase aus dem Mauseloch und schnupperte. Selbst der Winter, der ihre Barthaare kalt kitzelte, roch nach Frühling. Und eines Tages bemerkte die Maus nicht nur den Frühling, nein, sie merkte noch etwas anderes:

Ihr Herz. 
Ihr Herz schlug außergewöhnlich ruhig für ein Mäuseherz.
Denn es war stark und liebte.
Es war mutig geworden.

Denn wenn zwei Mäuse, eine größere und eine kleinere, zusammen sind, dann hat so ein Herz gar keine andere Wahl als zu wachsen. Diese Wahl ist wohl die beste des kurzen Mäuselebens, dachte die Maus.

Und so fasste sie die kleinere Maus fest an der Pfote und marschierte mit ihr schnurstracks hinaus. Ins Leben.

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Einen mutigen Flug, wünsche ich dir, meine Wolke!



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Kategorie Achtsamkeit, Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama meines vierjährigen kleinen Lebens von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch Mut machen, das Leben ein bisschen mehr mit Humor zu sehen. Auch dann, wenn es vielleicht mal schwer fällt. Außerdem findet ihr bei mir Lern- und Kindergeschichten. Ich freu mich, dass ihr da seid! :)

6 Kommentare

  1. Sehr schöne Mausegeschichte!!! Da geht mir direkt das Herz auf und ich besinne mich auf meine kleine Maus. Denn gerade kleine Mäuse zeigen manchmal ganz besondere Kleinigkeiten die man „so“ vielleicht hat nicht oder ganz anders wahr genommen hätte!!! Danke

  2. Sehr schöne Metapher. Man braucht Mut, um im Leben vorwärtszukommen. Angst lähmt, bringt das Leben zum Stillstand. Man steht da, hilflos, und kann nur beobachten, wie das Angstmonster alles erobert.
    Sei mutig und übernimm die Kontrolle über dein Leben 🙂

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