Die Welt durch deine Augen sehen

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Hallo liebe Wolke,
wünscht du dir auch etwas?
Manchmal, an Abenden wie diesen, habe ich einen Wunsch.
Ich möchte nicht reich sein, oder ein paar Jahre jünger, ich möchte auch nicht gleich ins Bett gehen und mir von jemandem die Füße wärmen lassen. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte die Welt durch die Augen meiner Tochter sehen.

Und deswegen, liebe Wolke, schreibe ich heute nicht an dich. Sondern an meine kleine Tochter.

Meine geliebte M.,
fast vier Jahre ist es nun her, dass ich dich das erste Mal im Arm hielt. Ich habe nie etwas Schöneres gesehen als dich. Obwohl du ganz verknautscht warst, und rot und ein bisschen blau, obwohl du gezittert hast und ganz schwach warst. Du warst das Schönste, das ich bis dahin je gesehen hatte, obwohl ich gar nicht mehr richtig schauen konnte. Weil ich doch fast nicht mehr hätte bei dir sein können. Die ganze Welt um mich herum verschwamm und nur ein winzig kleiner Fleck meines Sichtfeldes war noch klar. Und in diesem lagst du.
Hättest du nicht genau dort in meinem Arm gelegen, dann wäre ich wohl nicht mehr hier. Mein Herz fokussierte sich auf dich, tauchte ganz in dich ein, und deswegen bin ich noch hier. Weil du plötzlich da warst.

Ich wünsche mir so sehr, dass du immer wissen wirst, was ich für dich empfinde, auch wenn ich manchmal wütend bin, weil du nicht auf mich hörst oder etwas anstellst, das ich blöd finde. Oder wenn du nicht schlafen kannst und mir die Müdigkeit von vier langen Jahren auf den Augenlidern klebt.
Bitte sei mir nicht böse, dass ich manchmal so müde bin. Oder erschöpft. Oder wenn ich ab und zu Dinge sage oder mache, die vielleicht nicht richtig sind. Verzeih mir, dass ich deine Welt, die ein bisschen anders ist als meine Welt, nicht immer nur durch deine Augen sehen kann. Ich versuche es oft so sehr, und ich finde es wunderschön, selbst wieder ein bisschen Kind sein zu dürfen. Weil du es mir zeigst. Das haben ich und mein inneres Kind im Laufe der Jahre manchmal vergessen – wie es geht. Kind zu sein.
Meine M., glaube mir, dass ich mich anstrenge, für dich, dass ich nichts anderes zum Ziel habe, als dass es dir gut geht. Vielleicht treffe ich oft die falschen Entscheidungen, vielleicht weiß ich ab und zu selbst nicht welchen Weg wir nehmen sollen. Aber egal ob ich mich für links oder rechts oder für die Mitte entscheide; ich entscheide für uns. Nicht für mich allein.
Denn ich halte dich fest an der Hand, dir kann nichts passieren, ich werde immer mein Leben als Einsatz bereit halten, damit du weitergehen kannst. Das verspreche ich dir. Denn nichts, rein gar nichts, ist wichtiger als du.
Früher hatte ich vergessen, wie sich ein Lachen anhört, das aus der tiefsten Seele der Unschuld kommt. Ich weiß, das klingt übertrieben, denn ein Kinderlachen ist immer unschuldig und wunderschön, aber dein Lachen, meine M., das höre ich selbst dann noch, wenn ich schlafe.
Du zeigst mir, wie toll Gänseblümchen sein können, dass Wolken wie Schnecken aussehen, dass die Friedlichkeit dieser Welt auf deinem Gesicht liegt, wenn du schläfst. Du glaubst gar nicht wie lange ich manchmal noch neben deinem Bett sitze, obwohl mir selbst die Augen fast zufallen, weil sich mein Blick nicht zum Schlafen von dir verabschieden kann.

Geliebte M., unser Weg ist manchmal ein wenig steil, manchmal müssen wir über große Steine klettern, aber ich habe das größte Glück in dir gefunden, wenn du in den Himmel zeigst und ich nur noch das azurne Blau sehe, statt den staubigen Boden.
Dafür danke ich dir, denn ich weiß endlich was wichtig ist. Ich kann deine Welt sehen, die jeden Tag etwas Neues für dich bereit hält, in der du jede Sekunde etwas Aufregendes lernst, du dir manchmal das Knie aufschlägst, und ich deinen Schmerz in meinem Herzen spüren kann, in der du oft so fröhlich über klitzekleine Dinge bist, und manchmal weinen musst, wenn deine Welt nicht so funktioniert wie du es dir wünschst.

Ich kann deine Welt auch durch meine Augen sehen.
Weil ich dich liebe.

Für immer deine Mama

 


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

21 Kommentare

  1. Ann-Christin

    Ich lese nun einige Zeit deinen wunderschönen Blog und jedes mal wenn ich einen deiner Beiträge lese , bekomme ich Gänsehaut pur.Ich erkenne so vieles wieder.Ich ziehe meinen Hut, das du so wunderschön und tief aus dem Herzen schreibst, wie das Leben mit Kind manchmal so ist..Es hat nicht immer nur schöne Seiten, aber wenn man sein kleines Wunder dann so anschaut, weiß man genau das man alles richtig gemacht hat.Ich bin seit kurzer Zeit Alleinerziehende Mama.Am Anfang dachte ich , ich würde das alles alleine nicht schaffen.Aber deine Beiträge geben mir so so so viel Kraft das alles irgendwann gut wird!Ich danke dir so sehr dafür..❤
    Ganz viele Grüße und unbekannter Weise eine feste Umarmung.

    • Liebe Ann-Christin,
      ich freu mich ganz wahnsinnig über Deine liebe Nachricht! Hab vielen Dank.
      Und fast noch ein bisschen mehr freue ich mich, dass ich Dir ein wenig Mut machen kann! Ich weiß, dass das alles nicht immer einfach ist und dass man manchmal fest durchschnaufen muss, um weitergehen zu können. Aber glaub mir, wenn ich das schaffe, dann schaffst Du das auch und ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Kraft und Mut und ein klitzekleines Bisschen Zeit für Dich!
      Sei umarmt & alles Liebe für euch!
      Susanne
      ❤️

  2. Pingback: Auf Wolken gehen – Hallo liebe Wolke

  3. Liebe Susanne! Ich bin selbst noch (lange) keine Mama, aber ich weiß schon jetzt, dass ich das unbedingt sein will. Dieser zauberhafte Brief hat selbst mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich (zum Glück) ähnliche Worte von meiner Mama kenne. So etwas Schönes lässt mich wieder mal an das Gute in der Welt und den Menschen glauben. Ich finde es toll, dass du deine Tochter nicht nur liebst, sondern es ihr auch sagst!
    Danke für deine wunderbaren Zeilen 🙂 LG Anne

    • Liebe Anne,
      ich freue mich so sehr über Deine lieben Zeilen, danke Dir! Und toll, dass Du hier liest, obwohl Du noch keine Mama bist und Dich trotzdem dafür interessierst. Das finde ich wirklich wunderbar!
      Alles Liebe für Dich!
      Susanne

  4. Pingback: Teilen lernen. (Oder: Deins und meins. Basta!)

  5. Pingback: Pippi hardcore - Die komplizierte Sache mit der Kindererziehung – Hallo liebe Wolke

  6. Ihr seid eine einmalige Verbindung! Pure Liebe ❤️. Danke, das tut gut. (Ich war lange nicht da, daher jetzt erst mein Kommentar.)

      • Uns geht es gut! Wenngleich wir vor einigen Herausforderungen gestellt werden. Sobald wir wieder mit Internet gesegnet sind, würde ich gern lalukoleli.com neu aufstellen. Aber irgendwie ist diese Zeit gerade wichtig und richtig.
        Geht es euch gut? Wenn ihr mal in deiner Heimat seid, sag gern Bescheid, wir haben hier jetzt viel Platz.
        Alles Gute!
        Lucas

        • Ich freu mich, dass es euch gut geht – und das wirkliche Leben hat immer Vorrang, ist immer wichtiger, als ein paar Zeilen im Internet! Ich drücke euch fest die Daumen, dass ihr die Herausforderungen bald geschafft habt – und ich werde liebend gern auf Dein Angebot zurückkommen! 🙂 Danke!
          Wir wursteln uns so durch. Mal besser. Mal schlechter. Aber ich glaube, die Talfahrt ist jetzt erstmal vorüber. Hoffe ich. 😉
          Alles Liebe!

  7. Pingback: Krümels Rundblick (7) - Krümel & Chaos

  8. Mir laufen die Tränen die Wangen herunter – was für ein wunderschöner Brief. In jedem Wort erkennt und fühlt man deine Liebe! Wunder-wunder-wunderschön!

    • Liebe Tanja,
      Danke Dir sehr. Sehr!
      Es bedeutet mir viel, wenn ich mit meinen Worten das transportieren kann, was ich empfinde. Zumindest ein bisschen. 🙂

      <3

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