Du doof.

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Hallo liebe Wolke,
hast du die Kraniche heute gesehen?
Ich habe ihnen lange hinterher geschaut. Und ihnen eine gute Reise gewünscht.
Ich bekomme immer ein bisschen Fernweh, wenn ich ihnen winke und denke, dass es schon ziemlich super ist, im Warmen zu überwintern. Nicht so super fände ich es allerdings, so weit fliegen zu müssen. Ohne Flugzeug. Nein, ich denke, das wäre nichts für mich.
Mein kleines Leben wollte mich übrigens davon überzeugen, dass die Kraniche „Kack~niche“ heißen. Aber irgendwann, gegen Abend, fand sie ihren neuen Witz dann doch nicht mehr ganz so lustig.

Phantasialand

Apropos „nicht lustig“:
In der Nachbarschaft leuchten schon jetzt ungefähr eine Millionen Lichterketten, Sterne, Rentiere, Schlitten und Pyramiden. Mein kleines Leben drängt bereits vor Sonnenuntergang auf einen Spaziergang, denn irgendwie hat unsere ganze „Hood“ plötzlich einen nicht unbeachtlichen Touch von weihnachtlichem Phantasialand.
Für den Weg, den wir üblicherweise in einer Viertelstunde hinter uns bringen (inklusive Blättersammeln oder Blümchenpflücken), brauchen wir jetzt mindestens fast, ganz genau, eine Stunde. Aber das ist schon in Ordnung, denn man glaubt ja gar nicht, welchen Tinnef manche Menschen im Garten oder an den Fenstern stehen haben. Mein kleines Leben findet das super, und ich..äh… „interessant“.

Der kletternde Weihnachtsmann

An einem Mehrfamilienhaus, vor dem Eingang, hat man einen kletternden Weihnachtsmann platziert, davor stehen ein beleuchteter Schlitten und ein Eiskristall aus Leuchtschläuchen.
„Schau mal, Mama! Was macht denn der Weihnachtsmann da?“, fragte mich meine Tochter ganz aufgeregt.

Und während wir zwei Minuten vor dem Weihnachtsmann stehen, Hand in Hand, ganz lieb und ruhig, und uns darüber unterhalten, wieso sich der Nikolaus nicht bewegen kann und an der Hauswand hinaufklettern will, öffnet sich die Haustür und eine Frau älteren Alters mit Hund betritt die Bühne.

Du doof.

Ich sehe schon an ihrem, zu einem Schlitz zusammengepressten, Mund, dass mich gleich irgendwas erwartet, wahrscheinlich nichts Gutes.
Ich lächle sie trotzdem an. Kann ja nicht schaden.

Sie geht drei Meter an uns vorbei und schnauzt mich an, dass ich vermute, der Weihnachtsmann fällt gleich von der Wand, dass wir verschwinden sollen, das wäre Privatbesitz, was uns denn einfallen würde und wie wir das finden würden, wenn wildfremde Menschen vor der Eingangstür herumlungern würden.
Ja, ich verstehe das.
Wir haben auch wirklich ein ziemlich gemeingefährliches Bild abgegeben. Mein kleines Leben und ich. Da stehen einfach eine Mutter mit ihrer kleinen, blondgelockten Tochter vor dem Nikolaus und unterhalten sich darüber. Dass nicht direkt die GSG9 mit Sturmgewehren angerückt ist, ist mir selbst ein Rätsel. Beachtlich, dass wir es überhaupt so weit geschafft hatten.
WAHNSINN.

Kinderfreundlichkeit wird GROSS geschrieben!

Ich versicherte der betagten Dame, dass wir uns nur die Weihnachtsdekoration angeschaut haben. Ein kleines Kind, das würde das schön und interessant finden. Das würde sie bestimmt verstehen.
Nein, würde sie nicht. Wir sollten von dem Privatbesitz verschwinden.
Mir ist dazu nichts mehr eingefallen.
Schlagfertigkeit gehört nicht zu meinen Eigenschaften. Und darüber habe ich mich nicht nur heute Nachmittag im Schein des beleuchteten Schlittens geärgert.
Ich habe mich so unfassbar geärgert, dass ich der guten Dame im Vorbeigehen ein Bein stellen oder dem Hund kurz auf die linke Vorderpfote treten wollte. Aber der kann ja auch nichts dafür, dass sein Frauchen so eine blöde, alte Kuh ist. (Jawohl: blöd UND alt.)

Die böse Frau

„Was? Wir dürfen uns nicht den Weihnachtsmann anschauen?“, fragte mein kleines Leben.
„Nein!!“, grunzte ich, „die böse Frau will das nicht.“

Das hatte sie hoffentlich gehört.

Selbst, wenn man keine kleinen Kinder mag. Selbst, wenn man so verbittert ist, dass man sich selbst nicht sonderlich doll leiden mag. Selbst dann kann man doch zumindest so tun, als wäre man freundlich und ein Auge zudrücken, wenn sich jemand die Weihnachtsdekoration anschaut.
Warum, zum Teufel, stellt man denn dann überhaupt welche auf?
Damit sich alle die Augen zuhalten, wenn sie daran vorbeigehen?

Furchtbar. Furchtbar. Furchtbar.

Du siehst, liebe Wolke, ich bin immer noch furchtbar sauer.
Mein kleines Leben hat gesagt, dass sie morgen mit dem Opa hingeht. Der würde mit der bösen Frau schimpfen.
Na, hoffentlich!

Vielleicht sollten wir das mit dem Fliegen doch endlich lernen und mit den Kack~nichen in den Süden ziehen. Vielleicht sind dort alle etwas entspannter. Auch ich.

Bis bald, liebe Wolke!


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(aus dem Archiv)

Kategorie Gesellschaft, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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4 Kommentare

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  2. Irgendwie finde ich die Geschichte aber auch witzig. Jedenfalls so, wie Du sie erzählst. Man könnte ein nettes Weihnachtsfilmchen daraus machen. Mit einem guten Ende natürlich.
    Mal davon abgesehen, dass ich diese vielen Weihnachtsmänner an den Hauswänden auch irgendwie lustig finde. Oder gruselig. Je nach Laune.

  3. Ich würde da einfach jetzt jeden Tag vorbeigehen und aus Prinzip den Weihnachtsmann mind. 5 Minuten anstarren. So eine blöde Kuh! (Sorry für die Entgleisung, ich bin sonst nicht so)

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