Easy Peasy (Oder: Geburt und andere Kinkerlitzchen!)

easy peasy Geburt und andere KinkerlitzchenEasy!

Hallo liebe Wolke,
weißt du was?
Ich stelle jeden Tag ziemlich viele Fragen. Dir, mir selbst, und meinem kleinen Leben. Dabei geht das doch so einfach. Das mit der Liebe, meine ich. Da muss man gar nicht so viele Fragen stellen, weil die meisten davon eh nicht mit dem Kopf beantwortet werden. Und das Herz weiß ja sowieso meist besser Bescheid. Andere Dinge im Leben aber, die sind nicht unbedingt einfach und Kinkerlitzchen, die sind kein Ponyhof und auch kein Einhornregenbogenland: die Steuererklärung, zum Beispiel. Höhere Mathematik (für mich jedenfalls). Oder eine Geburt.

Küssen

„Warum küsst du das?“, frage ich meine Tochter. (siehe Foto)
„Weil ich es liebe!“, antwortet mein kleines Leben und verschwindet mit dem Fensterbimmelding aus der Küche auf Nimmerwiedersehen in ihrem Zimmer.

Ach ja.
Es ist doch eigentlich so einfach, so kinderleicht, so easy peasy:
„Dich liebe ich, dich küsse ich und dich nehme ich für immer mit in die kleine Kramschublade, die sich ‚mein Leben‘ nennt.“

Easy Peasy?

Was das Zwischenmenschliche in meiner Kramschublade angeht:
‚Tschuldigung, war ein Scherz mit dem easy peasy.
Was? Nein, liebe Wolke, keine Sorge, ich fange jetzt nicht schon wieder damit an. Das Thema haben wir ja in der letzten Zeit ausführlich besprochen und ich habe die Nase voll. Vorerst zumindest.

Was allerdings mein kleines Leben angeht:
Ja, das ist sehr easy peasy.
Das easiest peasiest auf der ganzen Welt.
Ich hätte auch eine Kreuzung aus Peppa Wutz und Kikaninchen zur Welt bringen können (manchmal bin ich mir allerdings nicht so ganz sicher, ob es nicht tatsächlich so ist), und ich hätte trotzdem gewusst, dass es nirgendwo anders als in meine Kramschublade, und damit in mein Leben, gehört.
Zugegeben; ich, der ich so überhaupt keinen blassen Schimmer von Säuglingen (und Kindern im Allgemeinen) hatte, war anfangs leicht überfordert, leicht panisch und leicht verunsichert, was dieses zarte Wesen anging, das ich da unter Höllenqualen, die direkt aus der ewigen Wehenfinsternis zu kommen scheinen, ans Licht der Welt befördert hatte. Eine Geburt macht einfach keinen Spaß. Wirklich nicht.

Hauchdünn

Mein kleines Leben war so klitzeklein.
So fragil. So hauchdünn.
Oh Gott, ich habe mich in den ersten Stunden doch noch nicht mal getraut, den Strampler ohne Aufsicht zu wechseln, weil ich dachte, ich mache bestimmt irgendwo einen Kratzer in die kleine Zerbrechlichkeit. Weil: So etwas Wertvolles, das darf man nicht kaputt machen. Ich hatte wirkliche Bedenken, aber ich habe es ja trotzdem geschafft, das wir beide bis zum heutigen Tag gut und sicher und meistens auch glücklich überlebt haben. Und ich klopfe mir manchmal dafür selbst auf die Schulter.

Geburt = Highway to hell

Weil, das war bisher nämlich nicht immer alles so easy peasy.
Wenn man plötzlich der Erkenntnis gegenübersteht, dass das Leben nach Verlassen des Kreißsaals ein völlig anderes ist – da können nur wenige cool mit der Schulter zucken. Ich konnte es jedenfalls nicht.
Abgesehen davon, dass ich auf die vorangegangenen fünfzehn „F.&@ck tut das weh, ich werde sterben, ich werde sterben, ich werde sterben“-Stunden gut und gerne hätte verzichten können.
Dabei dachte ich noch bis ungefähr zur 40. Schwangerschaftswoche, dass das vielleicht kein Spaziergang wird, aber: ist doch das Natürlichste der Welt! Kann doch nicht so schwer sein! Und ich, ja, ICH, ich werde nicht so ein Weichei sein und auf alle (ich wiederhole: ALLE) Schmerzmittel aller nur erdenklichen Coleur verzichten. Na gut, Globuli würden vielleicht gerade noch so eben gehen. Aber ICH würde GARANTIERT KEINE Schmerzmittel brauchen.

Leberhaken & AC/DC

Meiner Hebamme hätte ich am liebsten eine reingehauen, als sie mit der tausendsten Wiederholung von „veratmen, nicht verkrampfen, veratmen!“ hinter mir stand und ich mich in die Gummihüpfbälle, Wannenränder und Sprossenleitern krallte. Da hatte ich noch nicht mal die Chance auf einen Leberhaken, den ich hätte verteilen wollen. Aber irgendwann ist einem ja sowieso alles egal, da stammelt man nur noch unverständliche Wortfetzen, die sich aus den schlimmsten Kraftausdrücken und qualvollem Stöhnen zusammensetzen.
Mit „Scheiße noch mal!“ begrüßte ich übrigens den Anästhesisten, der extra meinetwegen nachts um 3 aufstehen und mir im AC/DC T-Shirt die fünf Meter lange Nadel in die Wirbelsäule jagen musste. Nach dem vierten Versuch. Wohlgemerkt.
Ja, Gott, war ja auch schon spät.
Highway to hell.

Highscore

Es ist schon erstaunlich, was so ein kleines Leben mit einem macht. Die Fragen werden im Laufe der Zeit immer schwieriger, die man sich selbst zu beantworten hat. Ich bin gerade bei Level 4 von (wahrscheinlich) 75.812 angekommen und ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher ob ich den Highscore immer (oder jemals?) erreichen werde.

Aber weißt du was, liebe Wolke?
Eine Frage kann ich ganz easy peasy beantworten, und die ist sicher kein Kinkerlitzchen:
Warum küsse ich mein kleines Leben?
Weil ich es liebe.
Mit jedem Kuss ein bisschen mehr.
(Ist das nicht kinderleicht?)
Und so eine Geburt, die ist ziemlich schnell vergessen. Versprochen!

Einen lustigen Abend für dich, meine Wolke!
(aus dem Archiv vom 30.10.2016)


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

2 Kommentare

  1. Liebe Susanne!
    Ja so ist das. Ein kleines Bündel Leben und dein ganzes Tun, Denken, Fühlen verändert sich schlagartig.
    Die Geburt meiner Tochter habe ich mir, ehrlich gesagt, auch anders vorgestellt und ich musste lange daran nagen, aber irgendwann ist auch diese Hürde genommen und man stolpert hinein in das Projekt „Mama sein“. Noch heute, fast 11 Monate später, kann ich es oft nicht glauben, dass dieses wunderbare Wesen zu mir gehört. Aus mir entstanden ist. Ich bin dann ganz demütig vor diesem Wunder. Denn sie ist in der Tat ein Wunder. Wer kann schon von sich sagen, dass er schon einmal eingefroren war
    Jeder Moment ist so kostbar und einzigartig, dass ich manchmal Angst habe, einen zu verpassen. Dumm, ich weiß, aber es ist so.
    Genießen wir sie. Diese Glücksmomente, voller tiefer Liebe und Zuneigung.
    Ganz lieben Gruß schickt dir Sonja

    • Liebe Sonja,
      so wunderschöne Worte von Dir. Danke! Ich kann alles nur unterstreichen, was Du gesagt hast.
      Sei lieb gegrüßt!
      Susanne

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