Mamas guter Freund: Das schlechte Gewissen

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Hallo liebe Wolke,
wie geht’s dir heute?
Ich wollte Dir noch sagen, dass du morgens und abends wirklich toll aussiehst, so rosa. Das kann ich mit gutem Gewissen sagen!
(Im Gegensatz übrigens zu mir; ich sehe morgens uns abends meist wie aus einem Herr der Ringe-Film entsprungen aus. Und damit meine ich keine Elben, falls du verstehst. Nebenbei bemerkt.)

Ein bisschen genervt

Mein kleines Leben ist nun seit anderthalb Wochen Zuhause und krank und nicht im Kindergarten. Heute Morgen dachte ich erst noch, es würde schon gehen (ging aber doch nicht), weil wir mal ganz dringend ein kleines Päuschen brauchen.
Voneinander.
Wer ständig aufeinander hockt, der geht sich irgendwann auf die Nerven. Gegenseitig.
Das ist gewissermaßen ein Naturgesetz.
Da kann man sich so lieb haben wie man will, und das haben wir sehr.
Wenn man aber tagelang als fast siamesische Zwillinge im Quarantänen-Guantanamo für Grippekranke gefangen ist, dann passiert das mit dem Genervt-sein irgendwann automatisch.
Ich finde das normal. Und dann bräuchte man eben eine Pause.
Ganz abgesehen davon, dass mein kleines Leben ihre Kita-Freundin Elli schrecklich vermisst.

Die Oma kurbelt das schlechte Gewissen an

Meine Mutter, die Oma meines kleinen Lebens, die versteht das nicht so. Mit der Pause.
Auch nicht, wie man überhaupt sein Kind in die Kita bringen kann.
In ihrer Vorstellung ist das ähnlich herzlos als ob ich mein kleines Leben wie Moses am Ufer des Nil aussetzen oder es mit dreieinhalb in eine indische Textilfabrik schicken würde.
„Früher war das ja nicht so. Da ging der Kindergarten von Neun bis halb Zwölf.“
Ja, Mama. Früher.
„Das arme Schätzelchen. Lass es doch Zuhause, wenn es nicht gehen will.“
Mama, wenn wir erst mal da sind, ist alles wieder gut.
„Und außerdem, warum lässt du sie denn nicht immer in deinem Bett schlafen? Und mal eine Schoki zur Belohnung für den Trotzanfall, das geht doch.“
„Und lass das arme Kind doch Zuhause! Ich könnte das nicht. Na. Du wirst schon wissen, was du richtig machst.“

🙁

Ich hasse es.
Wirklich.
Denn in diesen Momenten erscheinen – Piffpuff – der Engel und der Teufel auf meinen Schultern.
Der eine sagt: „Recht hat sie!“
Der andere sagt: „Es ist okay, was du fühlst und wie du dich entscheidest. Du bist eine gute Mutter. Lass dir nichts einreden!“

Und so streiten Engel und Teufel eine Weile.
Hin und her geht das, bis ich ganz verwirrt bin und mein Gewissen auch.

Immer das BESTE

Hat man keine Kinder, fragt man sich, was für einen persönlich gut ist.
Und selbst wenn es mal nicht gut sein sollte, was man sich ausgesucht hat, dann wirkt sich das vielleicht auf die Leber aus, weil man dachte, noch eine Caipirinha wäre schon noch gut. Aber es ist eben die eigene Leber.
Oder, ach Mist, den Arbeitgeber hätte ich mir unter Umständen doch vorher besser mal ansehen sollen, aber was soll’s? Man ist frei, sich etwas Neues zu suchen.
Und, ja gut, dann habe ich eben diesen Monat zweihundert Miese, ich verzichte auf das neue Outfit. Wen juckt’s?
Schließlich wächst man nicht zwangsläufig aus den Klamotten raus.
(Außer die Waage sagt etwas anderes.)

Das Gewissen.

Hat man ein Kind, fragt man sich aber zuallererst, was das beste für das kleine Leben sein könnte. Weil: Wissen tut man es schließlich auch nicht.
Da spielt die Liebe eine große Rolle. Und die Vernunft. Und die Verantwortung.

Eigentlich sind der Engel und der Teufel meistens meiner Meinung.
Außer meine Mutter ruft genau dann an, wenn sich gerade mein kleines Leben unter Protest für die Kita anzieht, sie einen schlechten Tag hat und verschnupft ist, im Rollkragenpullover feststeckt und wie am Spieß schreit, dass die Nachbarn denken, ich habe mir einen Brüllaffen zugelegt.
Zu diesem Zeitpunkt ans Telefon zu gehen, ist eine äußerst schlechte Idee.
Vor allem für mein Gewissen.

Kleine Pausen

Hach ja. Das Leben ist doch kurios.
Ob meine Mutter ähnlich über meine Großmutter gedacht hat?
Vielleicht frage ich sie demnächst mal, was denkst du, liebe Wolke?

Jedenfalls sind kleine Pausen gut, in denen man durchschnaufen kann. In denen jeder das machen kann, wonach ihm gerade der Sinn steht.
Mit der Matschhose den Kindergarten versauen und nicht den Wohnzimmerteppich. Zum Beispiel.
Oder die Beine rasieren, ohne das jemand daneben steht und alle zwei Sekunden fragt, ob wir JETZT SOFORT einen Kuchen kneten oder die Legoprinzessin aus ihrem Turm retten können.

Ich hoffe, ich kann mein kleines Leben immer in ihren Entscheidungen bestärken. Und falls sie in meinen Augen mal gründlich daneben liegen sollte, wenn sie erwachsen und lebenserfahren genug ist, mir relaxed eine Caipirinha trinken, mich in meinem Ohrensessel zurücklehnen und vor allem die Finger vom Telefon lassen.
Weil ich auf mein kleines Leben vertrauen kann.

Sei doch morgen früh wieder so schön rosa, liebe Wolke, ja?


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Kategorie Briefe an die Wolke, Gesellschaft, Großeltern, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

4 Kommentare

  1. Liebe Susanne,

    Danke für deine lieben Worte. Und ja, ich hab eine Wolke, da hast du ganz recht!
    Es ist schon witzig, aber vor einigen Jahren ist eine ganz liebe Tante von mir verstorben, die mir und meinen Kindern sehr am Herzen lag und mit der wir eine wirklich enge Bindung hatten. Nachdem sie dann gestorben war, suchte ich einen Weg, um meine Kinder (und mich) zu trösten und da kam uns an einem Nachmittag der Gedanke mit den Wolken. Wir stellten uns diesen lieben Menschen auf einer der schönsten Wolken vor, die dort über uns am Himmel vorbeizogen. Stellten uns vor, wie sie dort sitzen und auf uns herabschauen und doch noch an unserem Leben teilhaben würde… und seit diesem Tag schauen wir immer wieder im Gedenken an sie zum Himmel und freuen uns, wenn eine besonders schöne Wolke dort vorüber zieht und uns ein Stückchen begleitet…
    Hab eine schöne Woche,
    Gruß,
    Lilly

    • Ach Lilly… da bleibt mir nur für jetzt <3 zu sagen. Ein ganz großes für Dich!
      Hab einen schönen Abend und sei lieb gegrüßt!
      Susanne

  2. Hallo liebe Wolke,

    sage deiner Susanne, dass sie einen wunderbaren Blog führt und einfach schrecklich schön schreibt. Ich habe vor kurzem erst ihren Blog entdeckt und bin ganz hin und weg. Er ist einfach rührend, witzig, aus dem Leben gegriffen, total echt und steckt einfach so voller Liebe für das kleine Leben. Schön! Und dabei habe ich noch kaum etwas davon gelesen. Aber ich denke wir sind da auf einer gleichen Ebene… auch wenn ich die Zweifel an ihrer Person nicht verstehen kann. Wie, bitte schön, sollte jemand der so „berührend“ schreiben kann, nicht geliebt werden können? Aber Zweifel, und vor allem Selbstzweifel, sind wohl menschlich und ich wünsche deiner Susanne, dass sie durch viele liebe Zuschriften weiterhin in dem bestärkt wird, was sie jetzt macht. Ich finde sogar, sie sollte vielleicht darüber nachdenken ein Buch zu schreiben und so noch viel mehr Menschen Gutes tun, durch ihre Geschichten, ihr Gelebtes. Und wie sie über ihr kleines Leben schreibt, ist einfach super schön. Auch ich habe kleine Leben – drei davon. Und ich liebe sie schrecklich, alle drei. Doch wenn ich deine Texte so lese, zweifle ich manchmal, ob ich so liebe Worte für sie finden würde. Besonders jetzt fühle ich mich mal wieder einfach nur als motzende, keifende und nicht besonders wertvolle Mutter. Tja, irgendwie ist mir heute Abend alles zu viel und damit meine ich nicht nur die Berge an Wäsche, die Unordnung im Haus und all die unerledigten Dinge…Siehst du, da sind sie auch bei mir: die Selbstzweifel. Und da tut es einfach gut zu lesen, dass es anderen auch öfters mal so geht. Daher: Kopf hoch und schreib einfach weiter. Ich freue mich in Zukunft mehr Zeit auf deinem Blog zu verbringen und über dich und deine kleine Welt zu lesen. Grüße an Susanne und bis bald…
    Lilly

    • Liebe Lilly,
      Deine Nachricht hat mir Gänsehaut gemacht. Ganz wunderbare Gänsehaut! Hab von Herzen Dank dafür und ich freue mich sehr, dass Du die Wolke gefunden hast! 🙂
      Ich soll Dir von meiner Wolke ausrichten, dass auch Du eine hast, die Dir ein bisschen Mut schenkt, in diesen Momenten, wenn man nicht mehr kann. <3
      Und eins kann ich mit Bestimmtheit sagen: Du hast so liebevoll geschrieben - und das zeugt von einem großen Herz. Auch wenn man mal zweifelt (an sich und der Welt), aber eigentlich ist das Herz doch das Wichtigste.
      Liebe Lilly, sei virtuell umarmt für Deine Worte, sie bedeuten mir echt viel. Das darfst Du mir glauben!
      Habt es gut und gönn Dir zwischendurch eine klitzekleine Pause - und meine Wolke zwinkert Dir zu und bedankt sich auch bei Dir!
      Alles Liebe
      Susanne

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