Haste Magen-Darm, biste arm. (Oder: Einfach mal die Klappe halten!)

Magen-Darm-GrippeHalloweenverkleidung: Schlecht gelauntes Chamäleon. ;)

Hallo liebe Wolke,
kennst du das?
Eine Magen-Darm-Grippe ist ein faszinierendes Naturspektakel. Fast so wie Nordlichter. Oder Sonnenfinsternis. Oder Vulkanausbruch. Toll.
Mein kleines Leben, sie hat die Pest der Neuzeit nach Hause geschleppt und ich bin heilfroh, h e i l f r o h, dass sie keine Windeln mehr trägt. Man kennt das. Was ich momentan allerdings gerne hätte, das wäre eine Klofrau. Eine eigene, persönliche, nur für unsere Toilette zuständige, Klofrau. Ich hatte schon überlegt, vorübergehend einen Mini-Job auszuschreiben, aber ich denke, das lohnt sich dann doch nicht. Hoffe ich.

Und? Is‘ schlimm?

Ja.
Es ist nun nicht das Allerschlimmste, was einem im Leben passieren kann, aber schön ist was anderes. Nordlichter, zum Beispiel, die sollen ja sehr schön sein.
„Mama, mein Bauch tut so weh!“, und man selbst steht mit blutendem Herz daneben und weiß, man kann nicht so viel mehr tun als Wärmflasche, Fencheltee und Mamas heilende Hände (*siehe unten) zu reichen. Schlimm. Genau so schlimm übrigens wie die Apothekerin, die mir im Anflug von Informationswahn beim Abholen der Medikamente heute noch mit auf den Weg geben musste: „Und übrigens ist die Krätze auf dem Vormarsch! Schönen Feiertag!“
Danke. Ebenfalls.

Halb voll

Ich bin ja trotz allem, oder gerade wegen allem, immer noch jemand, dessen Kamillenteetasse halb voll ist. Statt halb leer. Und ich bin auch ganz schlecht im Schicksalsübertrumpfen. Kennst du das, liebe Wolke?
Diese Menschen, die sich immer dazu angespornt fühlen, es auch ja ärger als man selbst zu haben?

„Meine Tochter hat Magen-Darm.“
– „Meine hat Magen-Darm und Bronchitis und Ohrensausen – und mein Thermomix ist kaputt.“

Ach so.
Vielleicht brauchen diese Menschen das. Aber warum?

Zuckerschlecken

Persönlich denke ich, dass man sich nicht mit Schlechtigkeiten, mit seinem eigenen kleinen Los, übertreffen muss. („Ich bräuchte aber zwei Klofrauen und du ni-hi-cht! Ätschibätschi!“)
Mir passiert es häufiger, dass, wenn ich fallenlasse, alleinerziehend zu sein, mir eine Tirade an Gründen um die Ohren geworfen wird, warum mein Gegenüber es aber eigentlich noch viel härter im Leben hat als ich. ??? Dabei; nun gut, mein Alltag ist jetzt oft kein Zuckerschlecken und ich bin bei vielen (äh, allen) Dingen gezwungen, sie allein zu bewerkstelligen, aber das Wort „alleinerziehend“ ist kein Geheimcode für meinen Small-Talk-Gesprächspartner darüber zu philosophieren, was im eigenen Leben alles so doof ist. Denn: So blöd ist das Alleinerziehen gar nicht. Man braucht vielleicht ein bisschen mehr Nerven und ist abends so geschafft als hätte man eine Doppelschicht in einem Bergwerk hinter sich – und in den Arm nehmen tut einen auch keiner am Ende des Tages. Aber: So what? Ich bin groß. Und außerdem hab ich ein wundervolles Kind. Punkt.

Buntwäsche, 90°C

Kinder zu haben, das ist hin und wieder anstrengend. Ein Leben zu haben, das ist manchmal anstrengend. Magen-Darm zu haben, erst recht.
Und glaub mir, liebe Wolke, es gibt Momente, da frage auch ich mich, wie ich das alles schaffen soll. Es gibt Momente, da weine ich heimlich und für mich allein in meiner Küche, auf dem Sofa, im Bett oder unter der Dusche. Gibt es. Das Jahr 2017, das hab ich mir noch einmal ganz genau angeschaut, und dann wusch ich es dreimal bei 90°C im Buntwäscheprogramm und hab’s abgeheftet.
Das ist ungefähr so wie mit der Magen-Darm-Geschichte: Wenn irgendwann alles rausgekommen ist, dann geht es einem besser.

Armes Würstchen

Und deswegen hab ich es satt (auch da geht es mir ähnlich wie meinem kleinen Leben momentan). Ob unter Alleinerziehenden oder nicht: Man muss sich nicht noch in dem überbieten, was einem das Leben anstrengend machen kann, damit – ja, den Grund weiß ich bis jetzt nicht so genau – damit man sich besser fühlt? Damit man sich als noch ärmeres Würstchen in den Vordergrund drängeln kann und dem anderen seine Nichtigkeit vor Augen führt? Weswegen das so ist, das hab ich nicht verstanden.
Wäre es nicht viel besser, man würde mal einen Positiv-Battle ausfechten? Good vibes. Und so. Oder einfach mal die Klappe halten, wenn wieder all das rausfallen will, was so viel schrecklicher ist als beim anderen? Wäre das nicht gut?
Ich meine ja.
Und wenn man das schafft, dann kann man auch eine Magen-Darm-Grippe als faszinierendes Naturschauspiel betrachten. Also fast zumindest.
Aber meine Idee mit der Klofrau, die finde ich ziemlich gut. Da muss ich mir selbst ein bisschen auf die Schulter klopfen.

Und, und, und.

So, liebe Wolke, mein Trockner hat gepiept, ich muss dann mal weiter und den Wäscheberg bezwingen. Und den Müll rausbringen. Und dann noch ein bisschen putzen. Und meinem kleinen Leben das Bäuchlein reiben. Vielleicht auch noch einen Apfel. Und dann brühe ich den hundertsten Tee auf, vielleicht mag Madita den ja trinken. Und dann lese ich noch vier Geschichten vor und werde dann zum eine Milliardsten Mal heute das Klo putzen. Und später werde ich mit Licht und meiner Tochter in meinem Bett liegen und hoffen, dass ich die Bettwäsche heute nicht abziehen muss. Und dann werde ich vielleicht eine Stunde schlafen. Oder zwei. Und vielleicht hat sich der Virus bis dahin verzogen. Ach, ganz bestimmt sogar.

Sei umarmt, meine Wolke!

Hallo liebe Wolke Infobox
PS: Übrigens: Was bei Magen-Darm gut hilft.

  • Ruhe & Nerven bewahren. 😉
  • Viel Trinken, am besten ungesüßten Tee mit einer kleinen Prise Salz
  • Banane, Kartoffeln, Reis, Weißbrot, Karotten, geriebener Apfel
  • VIEL TRINKEN! (s.o.)
  • den Humor nicht verlieren!
  • gegen wunden Popo Mirfulan-Salbe, Töpferbad, schwarzer Tee (statt Feuchttücher)
  • viele, viele, viele tröstende Worte & eine gute Waschmaschine…

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Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

9 Kommentare

  1. Pingback: Bang, Bang - FEUER frei! – Hallo liebe Wolke

  2. Regina Hapka

    Liebe Susanne, ach wie gern lese ich deine Briefe an die kleine Wolke. Danke dafür das du sie mit uns teilst. Meine Kinder sind schon erwachsen. Dafür sind es jetzt die Enkel die Omas Fürsorge brauchen. In Vielem was du mit so viel Herzenswärme und Humor schreibst, kommt mir doch sehr bekannt vor. Und da ich denke zu wissen wie es dir manchmal geht hoffe ich, dass du deinen Humor, Optimismus und die Freude am Leben für dich und deinem kleinem Leben behälst. Ich hoffe noch viel von dir lesen zu dürfen. Mach weiter so.
    Und du weißt doch : „Wenn du hinfällst, wieder aufstehen, die Krone zurecht rücken und weiter machen“.
    Liebe Grüße
    Regina

    • Liebe Regina,
      ach, ich danke Dir so sehr für Deine lieben Worte! Das tut mir unglaublich gut und lässt mein Herz ein bisschen wachsen. Oder mich im Ganzen. Oder so. 😉
      Ich wünsche Dir ganz viel Freude und tolle Sonnenstunden mit Deinen Enkelkindern, sie haben ganz bestimmt eine ganz tolle Oma. Da bin ich mir sicher! <3
      Vielen Dank fürs Wolke-Lesen und alles Liebe!
      Susanne

  3. Liebe Susanne, ich würde dich gerne mal abends in den Arm nehmen! Und ich finde es toll, dass Du mit uns Deine Briefe an die Wolke teilst, vielen Dank. Das hat mir schon oft Mut gemacht. Weil Du es glaube ich wirklich nicht einfach hast und trozdem nicht jammerst! Und aus Deinen Briefen so viel Optimismus, Kraft und Liebe zu Deinem kleinen Leben, ja zum Leben an sich spricht. Dafür könnte ich Dich gleich nochmal drücken!
    Alles Gute für Dich und Madita!
    Anna

    • Liebe Anna,
      ich danke Dir sehr und Deine Worte sind schon sehr so etwas wie eine Umarmung! Und das tut mir gut und ist ganz wunderbar. Fast noch ein bisschen toller finde ich, dass Dir die Wolke-Briefe Mut machen. Das finde ich wirklich ganz großartig, denn das ist meine Absicht! 🙂
      Hab vielen Dank und lass auch Dich drücken!
      Susanne

  4. Littlejohnssewingmom

    Oh liebe Susanne, ganz herzlichen Dank. Deine Worte haben gut getan. Ich habe so herzhaft lachen müssen. Unter Schlafmangel und in Anbetracht gigantogalaktischer Wäscheberge noch so viel Humor aufzubringen – Chapeau!
    Man könnte übrigens noch versuchen die Überbietung als Sozoalverhalten erklären zu wollen – ich finde etwas was genauso schlimm ist um dich in meine Gruppe aufzunehmen. Wie weit man da aber in der Beweisführung kommt – ich weiß es nicht…
    Mich frustrieren besonders die gutgemeinten Rat-Schläge die man in Stuffe 2 dieses ungleichen Wettstreits bekommt – aber die Fallen wahrscheinlich unter komplexe Wahrheiten einfach erklärt – wer den Fehler findet darf ihn behalten 😉

    Ganz liebe Grüße
    Anja

    • Liebe Anja,
      gerne, gerne! 🙂
      Ich finde, Humor hilft in allen Lebenslagen, auch wenn das total abgenudelt klingen mag. Und was Deine Sozialstudien angeht: Ich kann dem nur beipflichten. Und ja, ich weiß es auch nicht, kann diesem Verhalten nur ein bisschen kopfschüttelnd entgegentreten. Ich bin jedenfalls froh, nicht allein solche Erfahrungen zu machen UND sie irgendwie blöde zu finden. 😉
      Ich danke Dir fürs Lesen und alles Liebe!
      Susanne

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