Hosenscheißer (Entwicklungsrückschritt & andere Katastrophen)

Hosenscheißer-windelfrei-Entwicklungsrückschritt-RatHugo, das Knethäufchen.

Hallo liebe Wolke,
geht bei dir auch mal etwas in die Hose?
Wenn du mir diese Frage stellen würdest, dann würde ich mit einem mittelschweren Lachanfall auf dem Boden herumrollen *ROFL*, denn bis auf den letzten Dienstag ist bei mir ja so gut wie alles in die Hose gegangen, was nur gehen konnte. Man gewöhnt sich dran, das kann ich dir sagen, und da ist man an manchen Tagen schon froh, wenn man ohne größere Komplikationen dem Bett entsteigen kann. Und auch bei meinem kleinen Leben, da ging in der letzten Zeit wieder öfter etwas in die Hose. Mein kleiner Hosenscheißer.

Entwicklungsrückschritt?

Man sagt ja, Entwicklungsrückschritte kommen immer wieder mal vor. Da benimmt sich das Kleinkind plötzlich wieder wie ein (fast) Baby und würde am liebsten den ganzen Tag auf dem Arm in der Gegend herumgeschuckelt werden. Mir war das nicht unbekannt, denn ich wusste, jetzt nimmt sie wieder Anlauf, um mit einem großen Sprung die nächste Stufe in ihrem Leben als Weltentdecker zu nehmen. Mir hat das auch selten etwas ausgemacht, wenn meine Tochter wieder in meinem Bett schlafen wollte, weil sie nur dicht an mich gekuschelt sicher ins Land der Träume gehen konnte. Oder wenn sie ihre Nuckelflasche verlangte. Oder wenn sie plötzlich wieder dieses katzenhafte Schreien schreien konnte, das eigentlich nur Säuglinge können.
Was mir allerdings sehr wohl etwas ausmachte (und Entschuldigung, dass ich nicht zu den Müttern gehöre, die ALLES an ihren Kindern süß finden):
Die kleine Kleinkindunterhose von großen Kleinkindhäufchen zu befreien (bzw. direkt zu entsorgen). Das kam neulich nämlich vor, und ich wusste nicht warum.

Sauberkeitserziehung – Windelfrei – Hurra Hurra!

Mein kleines Leben war sehr spät sauber. Sehr, sehr, sehr spät. Ich dachte zwischenzeitlich wirklich, dass sie noch bei ihrem Schulabschlussball oder bei ihrer Hochzeit in Windeln auftreten würde. Aber, so wie man das ja auch immer wieder in den schlauen Ratgebern liest – und eben nicht auf die Großeltern hört, die das mit den Windeln im fortgeschrittenen Alter für eine echte, lebensbedrohliche Katastrophe halten (OhGottohGott!) – habe ich meinem kleinen Leben Zeit gelassen, sie würde das mit dem Windelfrei eines Tages von ganz allein schaffen. Und das tat sie. Quasi von einer Sekunde auf die nächste.
„Ich bin jetzt kein Baby mehr, ich trage keine Windeln!“,
sagte sie und dampfte ganz allein zur Toilette ab – und mir blieb die Kinnlade offen stehen.

Eine Wohltat.
Keine riesigen Pakete Windeln mehr nach Hause schleppen, kein 1,10m großes und 21 Kilo schweres Kleinkind mehr wickeln. Poach. Da war es Zeit für ein paar innerliche Glückstränen, großes Lob und unermessliche Freude. Und am meisten gefreut hat sich meine Tochter, die jedes Mal voller Stolz vom Klo kam und mir berichtete, was sie gerade geschafft hatte.

Hosenscheißer

Das ging eine lange Weile so.
Und urplötzlich beschwerte sich der Kindergarten. Dass mein kleines Leben mittags nichts essen wollte. Dass sie sie jeden Tag umziehen und duschen müssten. So ginge das nicht weiter, dafür hätten sie keine Kapazitäten, und schön wäre das auch nicht. Sie sollte, bitteschön, wieder eine Windel tragen. Und dann drückten sie mir jeden Tag die vollgeschissenen (Tschuldigung) Hosen in die Hand und entließen mich mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck.
Jetzt wieder mit Windeln anfangen? Wir hatten das doch gerade hinter uns gelassen!
Was war denn nur passiert?

Stress? Schlimme Krankheit?

Ja, ich hatte Stress mit dem Jobcenter und wegen anderer Dinge, und war manchmal am Ende meiner zarten Kräfte angelangt. Das stimmte. Aber ich bildete mir ein, dass das mein kleines Leben nicht derart traumatisiert hatte, dass sie vor lauter Kummer wieder in die Hose machte. Eigentlich war unser Alltag „business as usual“, meine Engelsgeduld war immer noch engelhaft, wir spielten ausgiebig und von Kuschel- oder Aufmerksamkeitsentzug konnte auch keine Rede sein. Erst dachte ich, es läge am Kindergarten, aber dann drückte sie auch Zuhause in die Hose.
Da macht man sich große Sorgen, liebe Wolke, da denkt man erst, es sei was Organisches, eine schlimme Krankheit vielleicht, oder ich hätte mal wieder irgendetwas Falsches gesagt, was man heutzutage AUF GAR KEINEN FALL sagen darf, oder zu viel gelobt. Oder zu wenig.

Klo verstopft. Mama ist immer schuld.

Aber dann fiel mir etwas ein.
Ein paar Tage bevor ich hier die Waschmaschine zum Qualmen bringen musste, verstopfte mein kleines Leben das Klo. Extra. Obwohl wir das immer wieder besprochen hatten, wie viel Papier so nötig ist – und wie viel Papier ein Klo verträgt bevor es überläuft. Ich begleitete sie in gut zwei Dritteln der Toilettengänge und ich saß auf dem Badewannenrand bis wir es gemeinsam Plätschern hörten und zusammen abzogen.
Aber den Praxistest, den konnte sich meine Tochter nicht entgehen lassen und eines schönen Abends, schrie sie panisch aus dem Badezimmer:
„Oh nein, oh nein, jetzt ist das Klo verstopft!“
In der Schüssel schwammen ca. 250 Meter Klopapier und zwei große Würstchen. Das sah in etwa so aus wie ein Wasserkunstwerk von Jospeh Beuys.
Nein, ich habe kein Foto gemacht.
Ja. Ich habe geschimpft.
Aber ich habe nicht so sehr geschimpft, als dass ich dachte, irgendetwas Schlimmes damit anzurichten. Sollte ich denn in die Hände klatschen und den Mama-SingSang auflegen und sagen: Ist doch alles nicht sooo schli-hiimm! Mama macht das gaaar nix aus, mein Goldschatz. Haha, schau mal wie die AA-Würstchen aber nett schwimmen!
Neee. Irgendwann muss selbst ich mal schimpfen.

Hätte ich das gewusst…

Hätte ich gewusst, was ich damit anrichte, bei einem kleinen Mädchen, das so sehr sensibel ist, dann hätte ich es nicht getan. Aber es war spät, ich hatte keine Lust das Klo von dem ganzen Kladderadatsch zu befreien. Auch ich habe nur Nerven.
Und nun machte sie wieder in die Hose, weil sie Angst hatte, das Klo zu verstopfen. Manno ey.

Was tun?

Ich googelte und las zuerst etwas von psychologischer Intensivbetreuung aufgrund furchtbarer Traumata. Na. Herzlichen Glückwunsch.
Aber dann fand ich in einem Buch(*) ein Spiel, ein Symbolspiel, das man mit brauner Knete, einem kleinen Spielzeug-WC und einer Puppe (Teddybär etc.) spielen könnte. Die Rolle der Puppe übernahm ich und die Puppe hatte eine riesige Angst vorm Klo und machte lieber z.B. in den Blumentopf. Mein kleines Leben fand das äußerst lustig und sagte nach einer Weile:
„Nein, Puppi, du bist schon groß, du gehst aufs Klo. Das geht ganz einfach. Aber schmeiss bloß nicht zu viel Papier rein!“
Die Puppe machte dann ihr braunes Knethäufchen ins Puppen-WC, mein kleines Leben half ihr dabei. Und von Mal zu Mal, und je häufiger meine Tochter bei diesem Spiel lachte, desto mehr lösten sich Angst und Anspannung.
Und seit einiger Zeit gibt es keine Unfälle mehr.

Ich weiß nicht, ob alle Kinder so sensibel auf eine Kloverstopfungs-Mamaschimpft-Aktion reagieren. (Und ich habe, ich schwöre, wirklich nicht übermäßig schlimm geschimpft!) Für meine Tocher war es jedenfalls Anlass genug, wieder ein Hosenscheißer zu werden.
Das wäre fast mal wieder in die Hose gegangen, liebe Wolke, aber heute lache ich beinahe darüber. Nur unseren Unterhosenvorrat, den muss ich dringend mal aufstocken!

Gutes Fliegen, meine Wolke!

*“Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“, A. Solter


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Kategorie Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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2 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für diese wundervolle Geschichte!!! Vermutlich denkst du ich bin ganz Banane aber ich habe so herzlich Lachen müssen das mir die Tränen kamen. Vielen Dank für deinen tollen Blog freue mich jedesmal aufs neue wenn du wieder neue Anekdoten, über dich und deine kleine Maus, geschrieben hast. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job hoffe du hast wenig Stress und viel Freude an dieser Arbeit. Genies die Zeit Sie ist viiiiieeel zu schnell rum. Fühl dich gedrückt und denk dran jeder Mama geht es manchmal so wie dir.

    Lg

    • Liebe Mandy,
      Dein Kommentar ist im Spam gelandet, keine Ahnung warum, deswegen also meine späte Antwort.
      Nein, Quatsch, ich denke gar nicht, dass Du Banane bist! Ich finde, wenn man nicht auch die „Kaka“-Sachen des Lebens mit ein bisschen Humor nimmt, dann kann man sich direkt ins Bett legen. 😉
      Und ich danke Dir ganz sehr für Deine lieben Worte und Deine Wünsche und finde es ganz toll, dass Du die Wolke gefunden hast!
      Sei zurück gedrückt – und ich werde an Deine Worte denken. Versprochen! 🙂
      Alles Liebe
      Susanne

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