Ich war das nicht! (Oder: Lügen haben kurze Beine)

Ich war das nicht Lügen haben kurze BeinePlatsch.

Hallo liebe Wolke,
lügst du manchmal?
In letzter Zeit bin ich von meinem kleinen Leben mehr als überrascht. Erst die Kraftausdrücke, dann die Gesellschaftsspiele und jetzt mache ich seit ein paar Tagen die Erfahrung: Meine Tochter lügt wie gedruckt! Manchmal denke ich, ich habe einen kleinen Pinocchio vor mir sitzen, der sich ins Fäustchen lacht – und noch nicht mal rot wird ob der sehr offensichtlichen Märchen, die mir mit dem Brustton der Überzeugung präsentiert werden. Aber: Lügen haben kurze Beine. Und das ist bei einer Vierjährigen auch fast wörtlich zu nehmen.

Der Übeltäter

Sein Name sei Tom und er ist der frisch gekürte Erzfeind meiner Tochter im Kindergarten. Tom ist bereits fast sechs Jahre alt, wird daher dieses Jahr eingeschult (hoffe ich zumindest ganz dringend) und ist damit für mein kleines Leben so etwas wie beinahe erwachsen; unerreichbar in Größe, physischer Stärke und in seinen psychologischen Taschenspielertricks. Mein kleines Leben hasst es, nicht gegen ihn anzukommen, sie hasst es, ihm ständig unterlegen zu sein und sie hasst es, dass Tom sie jeden Tag aufs Neue ärgert. Tom prophezeit ihr täglich, dass ich sie nie wieder aus der Kita abholen werde und stattdessen „gegrillt“ werde. Oma, Opa und Papa übrigens auch. Ich frage mich, woher Fünfjährige den Ausdruck „deine Mutter wird gegrillt!“ haben. Kann mir das bitte mal jemand erklären?
Es regt mich tagtäglich auf, genau so wie meine Tochter, die, da Tom ja quasi fast erwachsen ist, an diesen Unsinn glaubt und ständig Blut und Wasser schwitzt, dass ich sie auch ja wohlbehalten und ungegrillt wieder abholen komme.

Großer Quatsch

„Tom erzählt großen Quatsch, das stimmt nicht und ist nicht die Wahrheit.“, sage ich jeden Tag mindestens zwanzig Mal, aber meine Tochter ist offensichtlich sehr beeindruckt vom kleinen Lügenbaron und seinen Schauermärchen.
Tom bekommt häufig vom Erzieher der Seesterngruppe einen Rüffel, denn er erzählt nicht nur meinem kleinen Leben Quatsch. Manchmal aber kommt er damit durch – und entgeht somit erzieherischen Konsequenzen. Und das hat meine Tochter bereits längst herausgefunden.

ICH war das nicht!

Gestern waren wir ein Eis essen. Jeden Donnerstag gibt es ein Eis, das hat sich bei uns so eingebürgert, weil die Eisdiele neben der heilpädagogischen Praxis das beste Erdbeereis mit bunten Streuseln zaubert. Dann setzen wir uns draußen auf eine Bank, schlecken am Hörnchen und beschauen uns die Leute, die in der Fußgängerzone an uns vorbeilaufen. Ich genieße das jeden Donnerstag sehr, denn stillsitzen und fünf Minuten mal nichts tun, das kann mein kleines Leben ansonsten nicht so gut.
Gestern, nachdem wir also auf der Bank Platz genommen hatten, kramte ich kurz in meiner Handtasche und suchte ein Taschentuch – und neben mir machte es „Platsch“ und eine Kugel Erdbeereis mit Streuseln landete auf dem Gehweg. Ich schaute auf das leere Eishörnchen neben mir. Und auf mein kleines Leben. In froher Erwartung eines mittelschweren Trotzanfalls geschah etwas völlig unerwartetes:
„ICH war das nicht!“, sagte meine Tochter mit Nachdruck „Das war Tom!“

Lügen 4 Newbies

Ah so. Ja. Ist klar.
„Tom war das? Ach.“, antwortete ich und war gespannt.
„Ja, Tom. Der ist hier gerade vorbeigekommen, ganz schnell mit seinem Fahrrad, und hat mein Eis runtergeworfen und jetzt habe ich keins mehr, schau, das liegt da und schmilzt, und Tom ist ganz doof! Kaufst du mir ein Neues?“

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich das mit der Erziehung von Monat zu Monat schwieriger finde? In jedem Entwicklungslevel hat man mit einem neuen Endgegner zu tun.

„Mensch, der Tom kann aber wahnsinnig schnell Fahrrad fahren, oder? Ich habe ihn gar nicht gesehen. (…) Und Tom erzählt oft Quatsch, oder?“
„Mh, mh.“, stimmte mein kleines Leben mir zu.
„Und wie findest du das so?“
„Nicht so gut.“, sie schaute betreten auf die rosa Pfütze auf dem Bürgersteig.

Nur nicht überreagieren!

Ich sagte ihr, dass ich nicht böse bin, wenn das Eis runter fällt, das kann jedem mal passieren. Aber: Die Wahrheit zu sagen ist immer besser als Quatsch zu erzählen, der nicht stimmt. Lügen nennt man das, erklärte ich, und Lügen sind was Doofes.

Mein kleines Leben überlegte.

„Kaufst du mir bitte trotzdem ein neues Eis, Mama?“
Und das tat ich. Nicht als Belohnung fürs Mogeln, sondern weil ich glaubte, dass meine Tochter verstanden hatte, was ich ihr sagen wollte. Und dass sie mich nicht anschummeln bräuchte, um einer Konsequenz zu entgehen.

Kaka-Quatsch-Nase

Als wir uns mit dem neuen Erdbeereis mit Streuseln wieder auf die Bank setzten, sagte sie:
„Jetzt passe ich besser auf, Mama, und ich will nicht so sein wie der blöde Tom. Der ist eine Kaka-Quatsch-Nase.“

Einhorn Pipi Erdbeereis

Einhornpipi.

Und dann sagte sie, dass die rosa Eispfütze auf dem Gehweg so aussieht wie Einhornpipi. Hach ja, in diesen ganzen Entwicklungsphasen kommt aber echt eine Menge Psychologie zusammen.

Guten Flug ins Wochenende, liebe Wolke!


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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6 Kommentare

  1. Pingback: Umarme mich! (Vom Dazugehören und von einem Danke.)

  2. Hallöchen, ich bin echt an dem Geschmack dieses Erdbeereises mit Streuseln interessiert. Ich bin Frühförderin und so eine ähnliche Sache habe ich selbst erlebt. Ich denke, Sie werden sich wundern, aber durch diese kleine Pinocciogeschichte hat ihre Tochter eher auf etwas hingewiesen, was Tom betrifft. Er muss mehr als nur oft einen Rüffel bekommen. Ihre Tochter hat Tom als „Bösewicht“ so stark verinnerlicht, dass er selbst für jegliche negative Ereignisse verantwortlich gemacht wird. Ich denke, es müsste ein Gespräch mit seinen Eltern, Tom und den Erzieherinnen her. Die Lüge Ihrer Tochter hat eher die Stellung von Tom deutlich gemacht.

    Liebe Grüße und weiterhin viele schöne Donnerstage, wünsche ich:)

    • Ja, da bin ich ganz bei Ihnen, Derya.
      Danke fürs Lesen und Ihre Gedanken.
      Das Gespräch haben wir mit den Erziehern und Tom bereits gesucht, aber viel gebracht hat es leider nichts.

      Das Erdbeereis indes ist wirklich zu empfehlen! 😉
      Alles Liebe
      Susanne

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  4. Hallo liebe Zaubermami,

    meine kleine Raupe ist jetzt 4 1/2 Monate alt.
    Es ist Wahnsinn wie sie sich entwickeln.

    Seit ich sie habe lese ich viel über das Verhalten von Kindern. Was man macht und/oder machen sollte. Auch wenn mein Kind so gefühlte 90 % davon Lügen straft. Besonders sein macht ja auch viel mehr Spaß.

    Seit ich deinen Blog gefunden habe lese ich ihn jedes Mal mit viel Freude. Du schreibst sehr liebevoll das finde ich sehr schön.
    Bitte mach weiter so.

    Liebe Grüße von einer kleinen Raupenmama und ihrer Familie 🙂

    • Hallo liebe Raupenmama!
      Ich freu mich sehr, dass Du die Wolke gefunden hast und dass Dir gefällt was ich schreibe! 🙂
      Ich glaube, man macht schon intuitiv sooo viel richtig, dass man sich nicht mit Ratschlägen verrückt machen (lassen) sollte. 😉 Aber es tut immer wieder gut zu sehen, dass man nicht allein ist!

      Alles Liebe Dir und Deiner Familie!
      Susanne

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