Ich will nicht verkuppelt werden! (Bin ich eine MILF?)

Kirsche. Verkehrt verkuppeltKirsche kaputt.

Hallo liebe Wolke,
ist es Juni, Samstag und 6 Uhr?
Ich glaube ja, und ich verstehe dieses Wetter nicht. Mal ist es heiß und schwül, dann wieder direkt sibirische Kälte. Zumindest für einen Fast-Sommer.
O. wünschte mir in seinem Abschiedsbrief vor drei Monaten einen „schönen Frühling“, der ist in vier Tagen rum, ob er mir auch einen schönen Sommer wünscht, davon hatte er nicht gesprochen.
Wovon allerdings in letzter Zeit immer häufiger Menschen sprechen, die mir näher (oder auch nicht so nah) stehen: „Ich kenne da jemand, der ist sehr nett. Ihr würdet euch gut verstehen, trefft euch doch mal auf einen Kaffee!“
Ich will nicht verkuppelt werden – und ob ich eine MILF sein will?

Soon I’ll be 60 years old

Die Zeit rast, wie oben angesprochen; sehr bald ist Sommer. Das bedeutet, dass überübermorgen schon wieder Weihnachten ist und ich habe noch keine Geschenke. Ich fühle mich, als ob die Landschaft immer schneller an mir vorbeizieht, während ich in meinem Alltagszug sitze und über die drei Faktoren nachdenke, die bei mir zusammenkommen:
Ich bin alleinerziehend. Ich bin Ende Dreißig. Ich bin Single.
Meine Attraktivitätsskala auf dem freien Markt der zwischenmenschlichen Beziehungen bewegt sich demnach fast im Minusbereich. Ist zumindest der allgemeine Tenor.

Sehnsucht?

Ja, zugegeben, ich habe manchmal Sehnsucht. Ich habe auch manchmal Lust auf Sex und auf jemanden, der mir mal sagt, er findet mich gut. So als Frau. Allerdings ist das mit dem Kennenlernen so eine anstrengende Sache, da fängt man wieder bei Null an, da muss man sich wieder durch die ganzen Stadien durchkämpfen bis man irgendwo angekommen ist. Und ich habe keine Lust mehr, dass mir am Ende mein Herz gebrochen wird.
Gott, das klingt jetzt sehr danach als hätte ich aufgegeben und wäre total frustriert. Bin ich aber gar nicht. Vielleicht bin ich im Moment einfach nur müde – was diese Dinge angeht.
Dabei finde ich es für jetzt, für diesen Frühling und Sommer, einfach gut, mich diagonal ins Bett zu legen, und mich um mich zu kümmern.

MILF?

Ein Aufschrei hallt durch den Bekanntenkreis: OH NEIN! Jeder Topf braucht doch sein Deckelchen! Du kannst doch nicht alleine sein!
Doch. Warum denn nicht, verdammt noch mal?
Und dann schleppen mir die Menschen, die es echt gut mit mir meinen, den Bodensatz der Singlemänner an. Schließlich gibt es da bei mir diese drei Faktoren, da muss man echt genügsam werden/sein. Und eine MILF Ende Dreißig hat dann die Wahl zwischen den Bedürftigen, denjenigen, die denken, ich wäre bedürftig und den komplett Irren. Mannometer!
Ich hatte jetzt nicht seit dreißig Jahren keinen Sex, sondern seit drei Monaten. Ich will nicht zutiefst dankbar dafür sein, wenn überhaupt noch mal jemand Hand anlegen möchte. An mich, meine ich. Aus Mitleid, oder weil man(n) denkt, ich wäre leichte Beute, weil ich ja sonst niemanden mehr abkriege.
Halleluja, singt da der Chor des Amor, mach doch mal!
Nein, mache ich nicht. Tschuldigung.

Deckel?

Ich bin gar nicht so arm dran, wie man sich das vorstellen könnte. Gut, ich gebe auch zu, dass ich mir schon hin und wieder Gedanken darüber mache, ob es diesen berühmten Deckel für mich überhaupt noch gibt. Aber eben jener Deckel ist niemand, der sich durch die Betten der (alleinerziehenden) Frauen ab Jahrgang 1980 bumst, weil er sich selbst für unwiderstehlich hält – und weiß, dass es mit der Partnersuche heutzutage etwas, nun ja, schwierig ist. Der Deckel ist auch niemand, der mit Hängeschultern vor mir steht und am liebsten auf meinen Arm hüpfen möchte und sich eine Weile tragen lässt. Und der Deckel ist auch niemand, der (zum Beispiel) seine kleine Eisenbahn im Keller durch die selbstgebastelte Landschaft fahren lässt, TUUUT TUUT dabei ruft, und sich so herrlich in seinem Modellbau-Hobby verlieren kann. Denn: Ein kleines Kind, das habe ich selbst.

Verkuppelt?

Verkuppelt werden finde ich doof.
Wenn (falls) mir noch mal jemand begegnen sollte, der mit mir auf Augenhöhe spricht, der seine Altlasten und seine Modelleisenbahn im Keller verstaut hat – und der nicht denkt, ich nehme doch jeden, weil ich darauf angewiesen bin: Dann liebend gern. Vielen Dank.
Bis dahin werde ich einen schönen Sommer haben, auch wenn er mir nicht gewünscht wurde. Und ich bin auch keine MILF, vielleicht nur ab und zu, denn selbst eine Mutter ist eine Frau, die ganz gut ohne Stigmata durchs Leben kommt. (Scheiß auf die drei Faktoren.)
Heute ist Juni, Samstag, mittlerweile 7 Uhr, ich ziehe mir jetzt dicke Socken an und warte auf den Sommer.

Eine gute Reise, meine Wolke!


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Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Gesellschaft, Mamasein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

5 Kommentare

  1. igelmama

    Was um Himmels Willen ist ein MILF? Klingt irgendwie grünlich-schimmelig.
    Igitt und aus dem Kontext ahne ichauch noch , ich bin gemeint.
    Ist das MilF?: 51, drei Kinder zwischen drei und 22 und viel länger kein Sex als das mit den Kids errechebar wäre und komischerweise glücklich?
    Aktuell besonders darüber endlich einen I-Kindergartenplatz erreicht zu haben. In der damit gewonnen Freizeit könnte ich nun auf Männerjagd gehen …
    Nee, nee… Wir genießemn den Sommer!
    Das MILF(?)

    • Quelle Wikipedia:
      „Mom I’d Like to Fuck“, in Kurzform MILF (/mɪlf/), auch Mother I’d Like to Fuck, ist ein umgangssprachlicher, vulgärer Ausdruck für attraktive Frauen mittleren Alters, im 4. und 5. Lebensjahrzehnt, die aus der Sicht junger, aber auch älterer Männer und Frauen eine attraktive Sexualpartnerin darstellen. Das männliche Äquivalent ist der DILF (Dad I’d like to fuck).

      Ich finde diesen Ausdruck furchtbar, eben weil er mit dem „Stigma“ Mutter besetzt ist. Furchtbar. Schrecklich.

      Aber: Herzlichen Glückwunsch zum Kindergartenplatz – und ja, lass uns mal den Sommer genießen! 🙂

  2. Toller Text und ich empfinde es ähnlich, auch wenn ich schon so viel älter bin als Du und es im Bekanntenkreis keine Männer gibt, die mit mir verkuppelt werden könnten. Und ich bin froh über jeden Tag, der nicht heiß ist. Ich stehe leider auf dem Schlauch und kann mir MILF nicht erklären. Liebe Grüße! Regine

    • Danke Regine! 🙂
      Ach, weißt Du, den Sommer genießen (ob warm oder etwas kühler) ist doch eigentlich auch so sehr nett. 😉
      Und MILF bedeutet „Mom I’d like to fuck“. Ganz schrecklicher Ausdruck. Ehrlich unterste Schublade, weil wenig schmeichelhaft.
      Gute Nacht & liebe Grüße
      Susanne

      • Huch, den Ausdruck habe ich ja nun überhaupt noch gar nicht gehört. Ja, den Sommer wollen wir genießen. Und Du hast ja noch Dein kleines Leben bei Dir. Gemeinsam in Springbrunnen hüpfen, Himbeereis essen und nicht so viele Anziehsachen anziehen müssen: wunderbar!

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