Ist schon schwer. Manchmal.

ist schon schwer manchmal alleinerziehend

Hallo liebe Wolke,
hast du Erinnerungen, die du nie wieder los wirst?
Ich erinnere mich an Vieles. Manchmal ist es nicht gut, sich an viel erinnern zu können. Das spukt nämlich im Kopf herum wie kleine Halloweengeister, bloß dass sie auch an den restlichen Tagen des Jahres da sind. Mal mehr. Und mal weniger.

Gar kein Problem?

Als ich mit Madita schwanger war, da genoss ich jede Sekunde – auch wenn ich es an manchen Tagen grauenvoll fand, schwanger zu sein. Aber das ist eine andere Geschichte; ich genoss auch die grauenvollen Sekunden, weil ich mein kleines Leben in mir spürte und so unfassbar davon überzeugt war, dass ich das alles schon meistern würde. Ich würde mein Kind schon schaukeln. Gar kein Problem. Und es ist ja auch wahr, ich bekomme das hin, ich bin für mein kleines Leben da. Immer. Und für immer.

Alles ist gut.

„Es ist alles gut!“, war das Erste, das ich zu meinem kleinen Leben sagte, als es auf der Welt war. Und ich bin davon überzeugt, dass es das ist: Alles gut. Ich wuppe das mit der Erziehung, das mit den tausend Gedanken, die man sich um ein Kind macht. Bis jetzt habe ich es geschafft, viereinhalb Jahre nicht mehr richtig zu schlafen und keine Auszeit zu haben. Außer wenn meine Tochter in ihrem Bett liegt und ich mich an ihrem Anblick manchmal nicht satt sehen kann. Weil er wie Weihnachten als Kind ist und diese Magie, die über einem schlafenden, kleinen Lebewesen glitzernd schwebt, das Mildeste ist, das ich je gesehen habe.

Weihnachtsbaum

Bezwungen habe ich außerdem meinen Liebeskummer, den ich mir selbst eingebrockt hatte, aber, hey, ich kann auch allein Schränke zusammenbauen, Würstchen grillen und einen Weihnachtsbaum werde ich dieses Jahr auch allein nach Hause schleppen können. Wäre doch gelacht, wenn nicht! Ich deichsle Fördertermine, die wir in die Abendstunden verlegen mussten, weil ich doch nun zweiunddreißig Stunden in der Woche arbeiten gehe. Für die Existenz. Unsere.
Ich bewältige das. Aber es ist schon schwer. Manchmal.

Kosename

Heute früh habe ich eine Nachricht erhalten, von einem alten Schulfreund, der mich so genannt hat wie mich meine Freunde früher nannten. Meinen Spitznamen, den habe ich länger nicht gehört. Meine Eltern sagten ihn zu mir als ich klein war, und diejenigen benutzten ihn für mich, mit denen ich mein Leben geteilt habe. Diesen Namen, den hat in letzter Zeit niemand mehr zu mir gesagt und ich saß heute morgen um 6 an meinem Küchentisch, nachdem ich die halbe Nacht neben meinem fiebernden Kind mit eingeschalteter Nachttischlampe wach gelegen habe, und ich fing an zu weinen.

Jeder, der mich ein bisschen besser kennt, der weiß, dass ich selten weine. Aber heute früh, da las ich diesen Namen, meinen Namen, mit dem ich so viel verbinde und der die Erinnerungen aufweckt, dass ich mich plötzlich ganz seltsam fühlte. Ich fühlte mich kindlich klein. So, als würde gleich meine Mutter durch die Tür kommen, mich mit meinem Kosenamen in den Arm nehmen und mir sagen: „Es ist alles gut!“
So wie ich es meinem Kind sage.

Tanzender Panda

Vielleicht würde mir auch irgendjemand ins Ohr flüstern und mich dabei küssen: „Es ist alles gut und du wirst mit so vielem fertig, sag es dir ruhig selbst öfter mal, denn das darfst du. Du musst nicht immer stark sein, du darfst weinen. Ich weiß, wie schwer das alles ist. Aber es ist alles gut.“

Gute Fee

Meine Ohren rauschen heute Abend von all den Erinnerungen und all den Anstrengungen, durch die ich in den letzten Jahren gegangen bin. Ich wünschte mir ab und zu, dass eine gute Fee in meine Träume schlüpfen würde und mir sagte, was zu tun ist. Damit ich mich das nicht immer selbst fragen und mir die Antwort geben müsste. Manchmal wäre ich gern wieder ein Kind, über dem die Magie im Schlaf glitzert, das alles noch vor sich hat und an das „alles ist gut“ glaubt. Bedingungslos.

Mein Spiegel

Dabei ist es gar nicht so, als würde ich nicht daran glauben. Meine kleine Madita, die zeigt es mir jeden Tag, dass es so ist. Ja, wirklich, ein Kind ist ein Spiegel, in dem man all das Schöne erkennen kann, was man hin und wieder aus den Augen verliert.
Deswegen, liebe Wolke, sind die Halloweengeister, die Erinnerungen, die man nicht los wird, gar nicht so schlecht wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Und noch eins ist gut: Sich zu sagen, was man alles wuppen kann. Was man alles schafft.
Auch wenn es schwer ist. Manchmal.

Alles Liebe, meine Wolke!


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Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

2 Kommentare

  1. Entschuldige bitte die Frage aber sagt man dir das wirklich so selten?
    Dich scheint es fast zu erleichtern das zu hören.
    Weißt du, ich habe kein Interesse daran dir in den Hintern zu kriechen.
    Auch bin ich ein Fremder und werde es wohl auch bleiben.
    Es ist also auch kein Annäherungsversuch sondern einfach sehr menschlich gemeint.
    Und vielleicht kann ich dir ja gerade als Fremder ohne eine Absicht etwas geben.

    Ich kenne dich ja nicht und werde auch nicht so tun als ob.
    Aber alleine aus den was du so schreibst,
    kann ich mühelos entnehmen eine sehr intelligente Frau vor mir zu haben.
    Ohne dass du eingebildet oder affektiert wärst und mit einer unverkennbaren Note an Charme.
    Ja, so etwas kann man dir auch einfach anlesen.
    Schön zu sein ist da noch wahrlich die geringste Leistung.

    Ganz abgesehen davon dass man spüren kann wie sehr du deine Tochter liebst.
    Ich glaube nichts könnte dich schöner machen als diese Empfindung.

    Nimm das mit und behalte es bei dir.
    Es ist auch für mich schön das so sehen zu dürfen.

    Und jetzt erkläre ich mir erst mal selbst,
    dass man jemandem auch mal etwas nettes sagen darf,
    ohne gleich Angst zu haben wie ein Schleimer zu klingen.

    Manche Schönheit ist eine Frucht des Zufalls.
    Aber manchmal hat man sie sich verdient gemacht.
    Du bist glaube ich ein Beispiel des zweiten Falls.

    Danke dass ich dich lesen darf.
    Und du sei dankbar für dich.

    • Mir fehlen nicht so oft die richtigen Worte. Jetzt aber schon.
      Es berührt mich sehr, was Du schreibst, und ich nehme das sehr gern an, in mein Herz auf, und danke Dir!

      Danke.

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