Lieblingswort: Nein. (Erziehung mit Humor)

Lieblingswort: Nein. (Kooperieren statt parieren)...da fängt der Spaß an!

Hallo liebe Wolke,
hast du ein Lieblingswort?
Wenn man sich mal so umhört und umliest, dann begegnen einem eine Menge Wörter, die wohlklingend sind – ich bin übrigens so etwas wie ein „Schöne-Worte-Liebhaber“. Das mag den Anschein erwecken, als würde ich vielleicht am liebsten WDR 4 hören (Schlager, Oldies & Schallala) und Arztromanheftchen lesen. Aber sind nicht zum Beispiel „Fingerspitzengefühl“, „butterweich“ und „mucksmäuschenstill“ tolle Worte? Ich finde schon.
Schöne Worte interessieren mein kleines Leben übrigens nicht die Bohne, ihr Lieblingswort war immer schon NEIN. Seit langer, langer, geradezu prähistorischer, Zeit.

Jasager

Ich habe mein Lebtag noch nicht so oft jemanden NEIN sagen hören, wie meine Tochter, was unter Umständen auch daran liegt, dass ich selbst bis in jüngster Vergangenheit ein notorischer Ja-Sager war. Selbst, wenn ich Nein meinte, sagte ich oftmals Ja.
„Geht’s gut?“ – Ja.
„Möchten Sie das neue Sparabo abschließen?“ – Ja.
„Magst du WDR 4 auch so sehr wie ich?“ – Ja.
Schrecklich war das, dieses JA sagen. Mein kleines Leben allerdings, die hatte von Anfang an nicht das geringste Problem mit dem Abfeuern ihrer Nein-Salven.
Logisch, gehört ja zur Entwicklung. Hat was mit Autonomie und Abnabelung zu tun (habe ich gelesen) – und nicht erst Teenager lehnen sich gegen die Eltern auf, sondern schon die lieben Kleinen.

Lieblingswort: Nein!

Bevor ich ein bisschen geübter wurde, in meinem Mama-Job, da dachte ich, wenn ich nur immer ganz lieb Bitte und Danke sage und alles mit perfekter Höflichkeit erkläre, dann kann man ja quasi gar nicht Nein sagen:
„Schatz, hättest du Lust, dass wir jetzt Abendbrot machen, außerdem müsste ich schon seit drei Stunden aufs Klo, aber ich halt’s noch aus, steigst du jetzt so ganz langsam bitte von der Schaukel, kommst an meine Hand und wärst du so nett, mich nach Hause zu begleiten?“
(Emoji, das Tränen lacht)
Kein Kind, das gerade absolut keine Lust hat, mit dem Schaukeln aufzuhören, wird da vor Freude in die Hände klatschen und freudestrahlend „Ja, aber selbstverständlich, Mama!“ sagen. (Zumindest ist mir keins bekannt.)

Fräulein Rottenmeier

Andererseits muss man ja auch nicht wie ein Fräulein Rottenmeier-Abklatsch auf dem Spielplatz die Hände in die Hüfte stemmen und den militärischen Appell „Zeit zum Aufbruch“ herausdonnern, dass sämtlichen Anwesenden die Ohren abfallen. Erst gestern wieder erlebt.
Rottenmeiers Kleinkind hat zwar pariert, aber liebevoll geht anders. Ob das so gut für die Beziehung ist? Ich weiß es nicht, aber ich bin ja auch kein Fachmann. Bloß seit vier Jahren Mutter einer Neinsagerin. Und ich habe so eine vage Vorstellung davon bekommen, was es heißt, nicht mehr zu verhandeln.

Alternative?

Jetzt steht man da mit kurzem Hemd und vor einem Kleinkind, das nicht Ja sagen kann.
Möchte. Will.
Weil es einfach totlangweilig ist, den Spielplatz zu verlassen oder mehr als lästig, sich jeden Tag zweimal die Zähne zu putzen. Ich verhandle z.B. nicht mehr, OB sich die Zähne geputzt werden (weil sonst die Zahnmonster kommen, Löcher verursachen und die strahlend weißen Prinzessinnenzähne dann ganz schnell ganz schäbig aussehen), aber ich habe zwei Zahnbürsten angeschafft: Lillifee und Mickey Mouse. Ich lasse mein kleines Leben entscheiden, welche sie benutzen möchte. Aber nicht, ob überhaupt. Alternativen können wirklich sehr schonend für Mamas Nerven sein, denn die Antwort NEIN! passt in dem Fall und auf die Frage nach Lillifee oder Mickey einfach nicht. (Ha!)

Alberne Spielchen

Mein kleines Leben und ich, wir lachen gern, wir sind manchmal so unfassbar albern, dass ich denke, bei mir setzt langsam schon der senile Zerfall meines Gehirns ein. (Eigentlich aber fühle ich mich ab und zu selbst noch wie vier. Und das Gefühl ist echt unbezahlbar.)
Wir spielen oft: Wer kann sich schneller den Schlafanzug anziehen?, wenn mal wieder die allgemeine Unlust des Ausziehens um sich greift. Also; oft.
Außer, wenn meine Tochter im Halsauschnitt mit den Ohren stecken bleibt (Obacht! Wutanfallgefahr!), haben wird eine Menge Spaß dabei, und ich verliere einfach immer – obwohl ich jedes Mal betone, dass ich heute garantiert schneller sein werde. (Meistens scheitere ich am BH-Verschluss. Man kennt das.)

WHAAATTT??!?

Und so kommen wir mit den Alternativen und Spielchen ganz gut durch den Tag, ohne den übermäßigen Gebrauch des Wortes Nein.
Aber seit einer Weile, liebe Wolke, da passiert etwas ganz erstaunliches. Etwas, das mir noch vorkommt, als würde ich den allerschönsten Traum meines Lebens träumen, dabei bin ich wach und es passiert wirklich:
Meine Tochter sagt: OK!

„Zieh dich bitte aus, es ist Schlafenszeit!“ – OK.
Whaaaat??!?
Im ersten Moment habe ich gedacht, sie hätte mich falsch verstanden, ich muss ausgesehen haben, als wäre neben mir ein Zug entgleist. Aber nein (!), das OK häuft sich. Unglaublich.

Weißt du, liebe Wolke, was noch ein Lieblingswort von mir ist?
Herzallerliebst.
Und so finde ich das gerade, wenn das Nein vom OK abgelöst wird. Aber: Mein kleines Leben tut schon gut daran, das Neinsagen nicht zu verlernen! Denn es ist wichtig, das kleine Wort, das keinen besonders hübschen Klang hat, aber wichtig, fürs weitere Leben, das ist es allemal.

Adieu, meine Wolke!


Abonniere doch die Wolke, dann verpasst Du keine unserer Reisen mehr. 😉
Melde Dich einfach mit Deiner E-Mailadresse hier an und die Wolke sendet Dir Post, wenn es etwas Neues gibt.
☁  Wolke abonnieren.

…………………………………………….
Sind wir schon Freunde? 💛

Facebook Hallo liebe Wolke
…………………………………………….

Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

8 Kommentare

  1. Hallo Susanne,
    deinen Artikel zum „Nein“ fand ich ganz amüsant zum Lesen. Auch die Kommentare, die doch sehr ähnlich ausgefallen sind. Die erfahrenen Eltern scheinen sich ja ziemlich einig zu sein. Im Moment beschäftige ich mich sehr mit der Trotzphase meines 2,5- jährigen Sohnes. Aber mal ganz kurz zu meiner Situation. Ich, 33 habe drei Kinder. Zwei Buben (fast 7 und 2,5) und ein Mädl (heute 10 Monate)
    Glaube rausgelesen zu haben, dass die meisten ein Kind haben. Damals, bis vor drei Jahren, da hatte ich noch sehr viel Geduld und alle Zeit der Welt, zwei Feuerkäfer zu beobachten, wie sie aneinander festhingen. Abends, nachdem Haushalt getan war, reichte die Energie natürlich aus, um zu googeln, warum Feuerkäfer sich huckepack tragen. Heute, ist das anders. Der großzügig eingeplante zeitpuffer ist immer aufgebraucht. Seines durch ein Kacka-Windel die während des Schuhe Anziehens psssiert oder die im Treppenhaus fallende Brotdose. Da reicht die Zeit nicht mehr, an jedem Stein auf dem Weg stehenzubleiben und „Stein“ zu rufen. Was ich sagen will ist, ja, wir sind oft gefordert und manchmal kommen wir nur weiter, wenn wir tricksen oder verhandeln. Aber mit den wachsenden Kindern und deren Entwicklung habe ich festgestellt, dass es manchmal hilft die Dinge bei Namen zu nennen. Mein großer verhandelt schon richtig gut und argumentiert wie ein großer. Ich möchte sagen, er schlägt mich mit meinen eigenen Waffen Dann kommt immer: … das sagst du doch immer Mamma… Mamma, was sagst du immer: man soll/ man muss/
    Mein mittlerer trotzt gerade, mehr an es sein Bruder getan hat! Und das Nein höre ich ständig. Und auch wir helfen uns mit alternativen- so wie ihr das genannt habt. Das Essen bekommt ausgefallen Namen (der Eintopf aus der Steinzeit, Indianer-Spieße etc.) wir putzen keine Zähne, wir bekämpfen kleine Monster, wir schlafen nicht, wir gehen auf Traumreisen, auch Mittagsschlaf machen wir nicht, wir laden nur kurz unsere Körper mit neuer Energie etc. Aber ich bin der Meinung, dass man zwischendurch die Dinge so benennen soll, wie sie sind. Die Kinder sollen Verantwortung lernen und die Realität kennenlernen, nicht nur in einer Phantasie leben. Das Wort Nein kommt bei uns sooooo oft vor. Aber es ist doch kein schlimmes Wort. Immer wenn Max ein Nein zu mir sagt, ist es doch ein Ja zu ihm selbst. Ich wünschte ich könnte so oft nein sagen, wie ich möchte. Ich tröste mich damit, dass meine Kinder selbstbewusst sind und später so sich selbst verwirklichen können. Das ist doch ein starkes Selbstbewusstsein. Ärgert euch nicht über ein Nein. Im Gegenteil. Bringt es euren Kindern bei. Keiner will doch Ja-Sager. Sie sollen draußen in der Welt doch Nein sagen, wenn sie etwas nicht wollen. Das ist Selbstschutz – zerstört ihn nicht!
    Dein Artikel ist wirklich ganz süß geschrieben, und das ist keine böse Kritik von mir, nur meine Sichtweise.
    Ganz liebe Grüße
    Tatjana

    • Liebe Tatjana,
      ich dank Dir für Deine Nachricht und fürs Lesen. 🙂
      Und ja (!), genau deswegen hab ich’s im letzten Abschnitt geschrieben: Ich möchte unbedingt, dass meine Tochter die Fähigkeit beibehalten kann, Nein zu sagen. Ganz unbedingt sogar. Denn das ist wichtig und richtig. Bloß im Zusammenleben mit einem Kleinkind, wer wüsste es besser als Du, gibt es einfach Situationen, in denen das Kind nicht entscheiden darf, ob die Antwort „Nein!“ lautet. Siehe Zähneputzen. Und na klar werden hier nicht zweimal am Tag die Zahnmonster in epischer Breite gejagt, so viel Zeit und Geduld hat wohl niemand von uns. 😉
      So ein Text gibt ja immer nur einen kleinen Bruchteil von dem wieder, was ich unseren Alltag nenne. Und manchmal erleichtere ich ihn uns, indem wir einige Sachen spielerisch angehen. Soweit die Zeit und alles andere uns das erlaubt. Mit 3 Kindern ist die Herausforderung sicher eine völlig andere als mit einem und ich ziehe, ehrlich, den Hut vor Dir!
      🙂
      Habt einen sonnigen Sonntag und alles Liebe
      Susanne

  2. Liebe Susanne,
    wenn eine Mail aufploppt und mir die Nachricht angezeigt wird freue ich mich wie ein Schnitzel auf meine Mittagspause, um etwas Neues von dir und euch zu lesen! Ich mag deine Schreibe sehr sehr gerne und vor allem Deine offenen Worte, in denen ich mich sehr oft wiedererkenne!

    Mit meinem Sohnemann klappt es an manchen Tagen wirklich gut mit Alternativen, an anderen muss ich ihn aber fast vom Spielplatz schleifen… 😉
    Er fängt zur Zeit an richtig zu Verhandeln. Manchmal kann ich dem süßen Kerl einfach nicht wiederstehen, wenn er mit Augenaufschlag sein zuckersüßes „Büüüüütteeeee“ raushaut… er weiß genau, dass er mich damit kriegt! Aber dann lachen wir beide, er wird geknuddelt, darf noch 3x rutschen und dann gehen wir meist doch noch gut gelaunt nach Hause… Wenn ich allerdings einen Tag erwische, an dem ich ungeduldig bin, die kleine Schwester müde, hungrig, quengelig ist, pipapo, ich einfach keinen Nerv habe, weiß ich von vornherein, es wird kein Zuckerschlecken… das sind dann die Tage, die durch und durch furchtbar sind, an denen gar nichts gelingt, wir uns kein bisschen entgegen kommen, und nur aneinandergeraten… das sind die Tage an denen man sich selbst und alles Drumherum in Frage stellt, verzweifelt, am Liebsten verkrümeln und einfach nur heulen möchte… da hilft manchmal kein Durchatmen und bis 10 zählen mehr…
    Aber was fast immer hilft, andere Mamis und Papis, denen es genauso geht! Keiner von uns ist perfekt, jeder reagiert mal „falsch“ (was auch immer richtig oder falsch ist 😉 )…
    Und Gott sei dank ist jeder Tag wie ein Neustart! Gott sei dank können trotz den wildesten Tagen und schlaflosesten Nächten trotzdem die Batterien aufgeladen werden und ein neuer Tag lässt oft alles vergessen…
    Mir war noch nie so oft zum Heulen zumute, aber gleichzeitig gibt es so unendlich viele wundertolle, witzige Momente mit den Kleinen…
    Alles, alles liebe euch und einen wundertollen Tag!

    • Liebe Tinerine!
      Ich musste so schmunzeln bei Deinen Worten (und ich dank Dir für Deine Komplimente! ❤️), denn diese „Pipapo“-Tage, die kenne ich nur zu gut! Aber auch die anderen, die guten Tage, an denen man ganz genau weiß, warum das Herz so voll ist von den kleinen Quälgeistern, die so süß sein können, dass man das Pipapo vergisst.
      Ich finde auch, dass es Mut macht, zu sehen und zu hören, dass es anderen ähnlich geht und dass es einfach kein „richtig oder falsch“ gibt, solange man einfach auf sein Herz und auf seinen Bauch hört. Ich glaube, dann ist alles gut.

      Schlaft schön und bis ganz bald!
      Susanne

  3. Liebe Susanne,
    kannst dir ja vorstellen, dass ich das auch nur zu gut kenne. Das mit den zwei Zahnbürsten ist eine großartige Idee…obwohl es bei uns dann halt mindestens schon 4-6 werden müssen, egal!
    Ich muss dir aber sagen, dass zu dem „Nein“ gewiss noch andere, unschönere Worte hinzukommen werden. Mein 2 1/2 – jähriger Sohn pflegt zu jeder ungewollten Aufforderung bereits Scheisse-Arschloch zu sagen (sorry, aber ich musste das hier jetzt mal ausschreiben). Da hat ihm wohl seine Schwester inspiriert. Ja, manchmal summt er diese wundervollen Worte auch einfach so vor sich hin.

    Viel Spaß noch!

    Beste Grüße
    Lucas

    • Lieber Lucas,
      Scheiße-Arschloch ist natürlich schon beschissen. 😀
      Ach, wie ich Dich/euch kenne, bleibt ihr ziemlich tiefenentspannt und benötigt außerdem gar keine doppelten Zahnbürsten. Glaube ich zumindest. 🙂
      Ganz viele liebe Grüße in den Süden und eine gute Nacht!
      Susanne

  4. Ach liebe Susanne… Beim Nachdenken über meinen ganz normalen Wahnsinn mit meiner kleinen Prinzessin bin ich auf deinen Blog gestoßen. Und ich fühle mich durch deine Worte… irgendwie gestärkt. Ich stelle mich und den Umgang mit meinem täglichen wunderschönen Chaos nicht mehr so oft in Frage und es ist einfach schön zu sEhen dass es doch viele Mamas gibt die einfach normal sind. Liebevoll, offen, manchmal überfordert, teilweise planlos, aber immer noch am Meisten: tolle Mamas die ihre Kinder über alles lieben und nur das Beste wollen.

    Und ja, auch mein kleines Monsterchen sagt Nein, mit theatralischem Augenverdrehen (und das mit 1,5 Jahren). Und seit neuestem hat sie ihren Wortschatz erweitert: vielleicht…
    Ich glaube einfach sie ist mir überlegen

    • Liebe Steffi,
      Deinen Kommentar sehe ich jetzt erst…Entschuldige die späte Antwort.
      Ich glaube (!), dass der einigermaße entspannte Umgang mit sich selbst wirklich dazu führt, dass man nicht mehr so viel hinterfragt. Klar ist Selbstreflexion schon wichtig, aber man sollte sich diesen Stress um die Frage „richtig oder falsch“ nicht allzu oft antun. Ist zumindest meine Erfahrung.
      „Vielleicht“ ist übrigens ein super Wort. 😉 Hier dicht gefolgt von „gleich“.

      Lasst es euch gut gehen und lieben Dank Dir!
      Susanne

Kommentar verfassen