Mein Gefängnis

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Hallo liebe Wolke,

gibt es für dich ein Datum, an das du dich für immer erinnern wirst?

Als die Liebe mit meinem kleinen Leben geboren wurde, einfach so, aus mir heraus, vor fast vier Jahren, diesen Tag werde ich nie vergessen. Dieser Tag wird für immer in meinem Herzen sein und groß und hell leuchten.

Es gibt aber noch einen anderen Tag, an den ich mich immer erinnern werde. Und dieser jährt sich nun zum sechsten Mal. Jedes Jahr veröffentliche ich diesen Text wieder. Weil er mich mahnt. Und weil er mich meine Vorsätze nie wieder vergessen lassen wird. Er heißt:

Mein Gefängnis

(Februar 2011)

Tag für Tag sitze ich hier und warte auf die Nacht. Wobei die Nacht auch nicht besser ist als der Tag; wach bin ich immer, nicht einmal der Schlaf ist noch hier.
Weg.

Ich sitze einmal da, einmal dort, oben, unten, draußen, drinnen. Meistens jedoch sitze ich auf dem dunkelbraunen Holzfußboden, der zu unserem Schlafzimmer gehörte, aber das ist mit dir ausgezogen.
Der Raum ist wohl geblieben, weil er zum Haus gehört und man ihn nicht mitnehmen kann; die Lampe, der Vorhang, dem genau einundzwanzig Schlaufen gehören, ein Schrank. Das ist geblieben. Und irgendwie auch nicht.
Fort.

Jemand, der nicht schläft, der braucht kein Schlafzimmer; es ist in Ordnung, dass du es in den einen kleinen Umzugskarton stecktest.
Und so sitze ich da, stundenlang, an die Heizung gelehnt. Der einzige warme Ort, der mir geblieben ist. Neben mir der graue Türrahmen, der kaputt war, als wir einzogen, als wir noch heil waren.
Weit weg.

Manchmal denke ich, ich höre dich zur Haustür herein kommen.
Räumst den Karton wieder aus, dich auch. Setzt dich wortlos neben mich und hast deine Liebe zurück geschleppt, weil sie schwer war. Und groß.
Träumereien sind das. Halluzinationen. In ein Haus, das kein Schlafzimmer mehr hat, kommt niemand zurück. Schon gar nicht die Liebe.
Furchtbar fort.

Irgendwann werde ich wieder aufstehen. Nicht mehr draußen, drinnen, oben, unten sitzen, nicht an der Decke kleben, nicht auf den Stufen der Wendeltreppe nach unten rutschen und auch nicht mehr auf dem dunklen Holzfußboden herum rollen, als wäre ich eine Murmel, die blindfleckig geworden ist.
Irgendwann wird es ein anderes Zimmer geben, vielleicht sogar eines, in dem ich schlafen kann.
Doch die Liebe ist mit dir ausgezogen, weggegangen, ausgewandert, fortgeflogen, und sie wird nie mehr so zurückkehren, wie sie hier und mit uns wohnte:

Weg. Fort. Weit weg. Furchtbar fort.

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Kategorie Briefe an die Wolke, Liebe

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

18 Kommentare

  1. Pingback: Stille Momente – Hallo liebe Wolke

  2. mylifemyturnde

    Wunderschön, deine Zeilen.
    Eine Trennung ist wahrlich nicht einfach, doch es kommen auch wieder schönere Zeiten.
    Allerdings glaubt man ja in solchen Momenten nicht daran.
    Die Seele bracht ihre Zeit um zu heilen…

    Liebe Grüße
    Lola

  3. Eine Trennung so voll von Emotionen. Es tut mir Leid, dass Du das erleben musstest. Auch ich habe eine Trennung hinter mir, vor vielen Jahren. Doch bei mir war es wie ein Befreiungsschlag, eine Last, die ich los wurde, die von mir abfiel, wie ein schwerer Stein, den ich jahrelang mit mir herumtragen musste. Die Emotionen waren längst der Gleichgültigkeit gewichen, weil jeder Kampf zwecklos war. So oder so ist eine Trennung nie etwas Schönes, ob sie sich nun über Jahre erstreckt, oder ob sie einen plötzlich überrollt, wie eine Welle. Wichtig ist, dass man es schafft, all das irgendwann hinter sich zu lassen.

    Liebe Grüße, Nadine

    • Danke, Nadine! Sehr.
      Ja, ich finde auch, dass es sehr wichtig ist, mit Dingen ab- und seinen Frieden zu schließen.
      Trotzdem erinnere ich mich jedes Jahr daran, weil ich mir einfach meine eigenen Fehler damit vor Augen führe – und damit eben auch meine Zukunft betrachte.
      So haben wir wohl alle unsere Päckchen in der Vergangenheit zu tragen gehabt. Aber weißte was? Am Ende machen sie einen zu dem, der man ist. Und das ist ganz gut so!
      ❤️

      • Ja, genau so ist es. Und in allem, sei es auch noch so schlecht steckt immer irgendetwas Gutes. Man lernt daraus.

        Und wäre bei mir damals nicht alles so gekommen, wie es gekommen ist, dann hätte ich vermutlich nie meinen Mann gefunden und es würde unsere beiden wundervollen Kinder nicht geben. Letztendlich wurde also alles gut, weil vorher so vieles falsch gelaufen ist.

        Ich wünsche Dir, dass auch Du irgendwann wieder die Liebe findest. Sie kommt ganz gewiss. Ob Du es willst oder nicht. Und meistens dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. ❤

  4. Hallo Susanne, das müssen tiefe Gefühle gewesen sein. Ich hab jedes Wort aufgesogen. Dass dieses Datum bleibt -traurig und schön.
    Katharina

    • Danke, Katharina, fürs Lesen – und ja, das waren sie. Ich glaube sogar, dass es diese Gefühle immer noch irgendwo in mir gibt. Auf ’ne gute, versöhnliche Weise.

  5. So traurige Texte sind oftmals die besten, weil sie allen Gefühlen ihren Platz geben. Sehr berührend. Hoffentlich geht es dir damit viel besser als vor 6 Jahren! LG Svenja

  6. Schöner Text, bekannte Gefühle.

    Traurig aber hoffnungsvoll.

    Man muss verarbeiten, erst verinnerlichen, das was vorbei und sich dann für das Außen öffnen, für das Neue.

    Wie gesagt, ich bin ein großer Fan deiner Texte.

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