Peinliche Wahrheiten

Peinliche Wahrheiten Kindermund...wenn man sich dringend unter seine Bettdecke wünscht...

Hallo liebe Wolke,
sagst du eigentlich immer was du denkst?
So ganz direkt, frei von der Leber weg?
Ich gebe zu: Ich nicht. Tut man ja auch nicht. Denn wenn ich jedem immer sagen würde, was ich gerade so denke, dann würde man mich wahrscheinlich einliefern. Als Erwachsener hat man es schließlich gelernt, seine Gedanken manchmal besser für sich zu behalten.
Meine Tochter aber, die haut mit ihren vier Jahren gehörig auf den Putz, was die Wahrheiten – oder zumindest, was ihre Gedanken und Beobachtungen angeht.
„Mama!“, sagte sie neulich, „Meine Puppe Mali ist wunderschön. So wie du, früher. Jetzt bist du ja schon alt!“
Bäm.
Worüber ich manchmal sehr lachen muss, ist in freier Wildbahn häufig eins: ziemlich peinlich.

Peinlich…

»Mama? Hat die Frau da Zuckerwatte auf dem Kopf?«

Ich gebe zu, die Dame an der Kasse trug wirklich eine etwas unvorteilhafte Frisur und, ja, die weißblond gefärbten Haare ringelten sich recht ungesund herum. Da hätte vermutlich kein „Anti-Frizz“-Produkt dieser Welt mehr helfen können.
Trotzdem prangert man ja nicht mit ausgestrecktem Zeigefinger „herausragende Merkmale“ anderer Menschen an. Macht man einfach nicht, weil man doch weiß, dass es keine Zuckerwatte sein kann, was da unwirsch vom Kopf absteht. (Höchstwahrscheinlich.)

Wahrheit

Kleinkindern ist dieses »nanana, das gehört sich aber nicht!« noch herzlich egal.
Da steht man dann neben der Wahrheitskanone und kann nur hilflos mitansehen, wie sie ihre kleinen Salven abfeuert, um peinlich berührt puterrot anzulaufen und zu versuchen, die Situation irgendwie zu retten. (Oder sich ein prustendes Lachen zu verkneifen.)

»Mama? Trägt die Frau eine Windel oder warum ist ihr Popo so dick?«

Manchmal können alle Beteiligten drüber schmunzeln und meinem kleinen Leben wird mit einem Augenzwinkern der engelsgleiche Lockenkopf getätschelt. Im oben genannten Fall durfte ich mir allerdings eine Standpauke mit den Schlagworten „verzogenes Balg“, „sowas hab ich ja noch nie erlebt“ und „unmöglich“ anhören.

Wahrheit gehört sich nicht?

Ja, ich weiß:
„Das gehört sich nicht!“
Und ich versuche meinem kleinen Leben die Regeln des sozialen Miteinanders auch immer wieder ganz liebevoll zu vermitteln. Ohne »Na, na, na!«. Ehrlich.
Aber ich glaube, dass Kleinkinder einfach gern ihren Beobachtungen eine freie Fahrt auf dem Wahrheitskarussell spendieren.

Gedankenlos…

Kritisch wird das Ganze allerdings, wenn man völlig gedankenlos zustimmt. Beispiel.
Beim Frühstück:
»Mama? Die Erzieherin Tina sieht aus wie ein Frosch!«
»Hahaha, ja, das stimmt, ein bisschen sieht sie…« (fuuuuu@@k!!) »Ach…ähm… Quatsch! Tina ist doch gar nicht grün und klein und hüpft auch gar nicht! Tina ist doch sehr öhm… hübsch! Und außerdem echt nett.«

Beim Abliefern im Kindergarten:
»Tina? Mama hat gesagt, du siehst aus wie ein Frosch!«

Peinliche Wahrheiten Kindermund

Hilfe….!!!

Spätestens da wünschte ich mir dringend, ich wäre für zwei Minuten unsichtbar gewesen. Stattdessen bin ich in Gegacker verfallen und mein hysterisch lachendes Kopfschütteln sollte soviel bedeuten wie: »Ach ja, die lieben Kleinen, ICH habe das natürlich nie, noch nicht mal im Ansatz, auch nur gedacht!«

Keine Ahnung, ob Tina mir das abgekauft hat. Peinlich. Peinlich. Peinlich.

Herzerwärmend

Allerdings gibt es auch durch die »Ich sage dir, was ich sehe«-Momente sehr herzerwärmende Begegnungen, die sonst gar nie so stattgefunden hätten. Im Frühsommer, wir saßen auf einer Bank mit einem Eis. Zwei Mittzwanzigerinnen (aus Ghana, wie sich später herausstellte) spazierten an uns vorbei.

»Mama! Die sind ja ganz schwarz angemalt!«

Und noch ehe ich erklären konnte, was es mit den Hautfarben so auf sich hat, saßen die beiden jungen Frauen bei uns auf der Bank und zeigten meiner Tochter, dass da keine Farbe auf der Haut war. Beide Seiten durften unter Kichern gegenseitig auf den Armen rubbeln; weder die schwarze, noch die weiße Hautfarbe war angemalt.
Hach.

Manchmal denke ich, es wäre gut, wenn man sich ein kleines Bisschen der kindlichen Naivität und der Direktheit bewahren würde. Vielleicht, meine Wolke, wäre es dann in manchen Fällen viel einfacher ohne Vorurteile und mit ganz viel Neugier demjenigen zu begegnen, was einem noch fremd ist. Was man nicht kennt. Um es kennenlernen zu können – und zu sehen, dass wir alle Menschen sind. Selbst die mit den Zuckerwattehaaren und diejenigen ohne Humor. 😉

Guten Flug, liebe Wolke!

(Aus dem Archiv)


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

4 Kommentare

  1. Unschuld ist wenn man die Dinge sieht wie sie sind.
    Oder zumindest das zu sehen was wirklich zu sehen ist.
    Unbefangen zu sein von gut und schlecht sondern völlig frei in seiner Beobachtung.
    Ich mag es ja nicht Kinder als Übermenschen dazustellen.
    Ein Kind ist ein Kind und braucht die Führung des Alters.
    Aber in diesem Punkt besitzen sie wirklich noch etwas,
    was man leider nur allzu schnell verlieren kann.
    Ich glaube alle Vernunft lässt sich gar nicht aufwiegen gegen soviel Klarsicht.
    Nicht weil es nicht manchmal besser wäre erst nachzudenken bevor man den Mund aufmacht,
    sondern alleine für die Fähigkeit noch so frei in die Welt zu sehen.

    Liebe Grüße

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