Teilen lernen. (Oder: Deins und meins. Basta!)

Deins und meins. Die Sache mit dem Teilen.DU!

Hallo liebe Wolke,
gehört dir etwas ganz allein?
Es gibt nicht viele Dinge, die mir gehören. Ich habe eine Wohnung, ein Auto (Gott sei Dank, sonst wäre ich nämlich in der Pampa meines Lebens total von der Außenwelt abgeschnitten), ich habe ein paar Klamotten, die man für das menschliche Dasein in der Zivilisation so benötigt. Insgesamt gesehen reise ich doch mit sehr leichtem Gepäck – und das Gepäck, das ist meins. Aber ich teile jedes Stück davon mit meiner Tochter. Also ist es unseres.
Kinder allerdings, die müssen das mit dem Teilen, mit dem „Unser“, wohl erst lernen. Da fliegen schon mal gern die Plastikschaufeln im Sandkasten, wenn der Kampf um die Besitztümer tobt. Beulen, Kratz- und Bisswunden inklusive.
„Das ist aber MEINS!“
Und dann stehen die Eltern daneben und mahnen: „Jetzt teil‘ das mal schön mit der Lena-Sophie-Maja!“
Bloß: Machen wir, die Großen und Vernünftigen, das auch immer?
Teilen?

Auf Anweisung

Wie fühlt sich das an, wenn man auf Anweisung großzügig sein muss?, frage ich mich, wenn ich mir die Seesterngruppe ansehe, die im Garten der Kita mal mehr und mal weniger friedlich ihre prosozialen Kompetenzen testet. (Hab ich mal gelesen, dass das so heißt.)
Klar, ich erkläre meinem kleinen Leben auch, dass nicht immer alles nur ihres ist, dass sie empathisch sein soll und großzügig und den anderen etwas von ihrem Spielzeug oder ihrer Wassermelone abgeben soll, und dass sie Bitte und Danke sagt und höflich ist, weil man das von Kindern und der Gesellschaft so erwartet. Das alles ist ziemlich wichtig. In der Hoffnung zu leben, dass es zukünftig mehr Menschen geben wird, die das mit der Nächstenliebe und dem Teilen nicht nur als Kleinkind gelernt haben, sondern auch ein Leben lang in ihren Köpfen und Herzen verankert haben, das ist nicht das Schlechteste. Zumindest für mich nicht.

Freiwillig

Ich spreche immer von „meinem“ kleinen Leben. Im Grunde ist das falsch, denn sie ist ja nicht „meins“. Sie gehört mir nicht. Sie gehört zu mir, das ist wahr. Wahr ist auch, dass sie in meinem Bauch gewachsen ist, dass wir eng verbunden waren und sind, und dass die Nabelschnur wohl für ewig zwischen uns bleiben wird. Als eine Art Band; Liebe.
Die Natur macht immer „Hälfte, Hälfte“, um es als Ganzes zusammenzufügen.
Als etwas, das nicht geteilt werden kann.
Als etwas, das niemandem gehört.
Nur sich selbst.

Bedürfnisse

„Sie ist doch auch mein Kind, und ich bin nicht frei von (…) Ideen und Bedürfnissen.“, habe ich heute in einer Nachricht gelesen, als es um einen sehr spontanen Vorschlag ging, am Wochenende eine größere Reise antreten zu sollen, der keine echten Optionen ließ.
Wenn es nach meinen Bedürfnissen gehen würde, würde ich mich so gerne ausruhen, denn ich bin müde. Dann hätte ich die Idee, neue Klamotten zu kaufen und zum Frisör zu gehen. Dann hätte ich das Verlangen, all die Sorgen, die sich angesammelt haben, zu teilen. Dann würde ich gern mal jemandem im Vertrauen mitteilen, dass das alles anstrengend ist, dass ich endlich gern mein eigenes Geld verdienen möchte, dass ich O. ab und zu vermisse, obwohl er es nicht verdient hat, und dass meine Zornesfalte auf der Stirn manchmal so tief wie eine Gletscherspalte ist, wenn ich morgens aufstehe.
Wenn es also nach meinen Bedürfnissen gehen würde, dann würde ich nicht auch noch mehrere hundert Kilometer am Wochenende unterwegs sein, um einem Vorschlag nachzukommen, der eigentlich keiner war.
Nur: Um meine Bedürfnisse geht es nicht.
Meine Bedürfnisse, die sind vielleicht nicht egal, aber sie haben keine Priorität.

Wunsch

Denn, wenn ich mir mein Leben als Mama ansehe, dann habe ich nur eine Idee und nur einen Wunsch:
Dass es dem kleinen Mädchen gut geht, das gerade selig in ihrem Bett schläft und den Bären in der Hand hält, den sie Schu-Schu nennt. Das kleine Mädchen, das weder deins noch meins ist, das ist in meinem Bauch gewachsen, weil zwei Menschen sich liebten.
Das kleine Mädchen, das nur sich selbst gehört, das hat die schönsten blauen Augen, die ich kenne, sie hat einen kleinen Leberfleck an der rechten Wade und momentan einen großen Mückenstich an der Wange. Das kleine Mädchen, das nicht geteilt werden kann, das kann ein bisschen lesen und schreiben und fällt nach drei Metern vom Tretroller.
Das kleine Mädchen, das ich so sehr liebe, das leidet unter Trennungsängsten, vielleicht weil wir seit vier Jahren allein mit uns sind. Und seit drei Monaten wurde ihre Angst noch aufgeblasen, weil jemand nicht mehr zurück kommt.
Für dieses kleine Mädchen ist die Welt noch viel zu groß.

Teilen lernen

Ja, liebe Wolke, ich sitze nicht mehr mit der Plastikschaufel im Sandkasten und müsste auf Anweisung agieren, um das zu teilen, was mir gerade total wichtig ist. Ich verleihe gern mal meine Lieblingsbluse, wenn ich sie fleckenfrei wiederbekomme.

Kinder aber sind kein Besitz.
Mein kleines Leben gehört mir nicht, sie ist nicht meins. Sie ist einfach bloß mein ganzes Herz.
Und deswegen werde ich am Wochenende unterwegs sein, denn sie soll es gut haben und ich will es für sie richtig machen. Und meine eigenen Bedürfnisse, die zählen nicht. Was das angeht.
Es gibt nicht viele Dinge, die mir gehören, liebe Wolke, aber mein Herz, das habe ich geteilt.
Das war gar nicht schwer, das musste ich nicht lernen. Und vielleicht geht es unseren Kindern ähnlich, wenn sie das Teilen lernen sollen; vielleicht braucht es nur ein bisschen Mitgefühl und so etwas wie angeborene Liebe. Dann geht das mit dem Abgeben bestimmt ganz wie von selbst.

Gute Nacht, meine Wolke!


Abonniere doch die Wolke, dann verpasst Du keine unserer Reisen mehr. 😉
Melde Dich einfach mit Deiner E-Mailadresse hier an und die Wolke sendet Dir Post, wenn es etwas Neues gibt.
☁  Wolke abonnieren.

Sind wir schon Freunde? 💛

Facebook Hallo liebe Wolke

Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

2 Kommentare

Kommentar verfassen