Übung ist der Rettungsanker! (Über meinen Verehrer)

Schreiben Üben Übung Verehrer Erfahrung Lebenserfahrung Laune Talent

Hallo liebe Wolke,
was tust du gern außer fliegen?
Es gibt diese Tage. Da steht man auf und hat schlechte Laune. So mir heute passiert. Ich erkannte schon an der Art wie ich um 5 aufwachte, dass mir das Amselgezwitscher heute nicht gefällt, sondern dass es mir auf den Nerv geht. Dass heute einer dieser Tage wird, an denen ich mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen möchte und warte. Worauf weiß ich auch nicht genau. Vielleicht, dass mir die Worte wieder in den Kopf fliegen. Und nicht raus. Dabei ist mein Kopf ganz voll von Buchstaben und Silben und Worten, aber ich bekomme sie einfach nicht richtig sortiert. Seltsam ist das.
Also schreibe ich heute über das Schreiben. Vielleicht liegt meine schlechte Laune ja auch einfach bloß am PMS oder vielleicht stehen die Sterne schlecht. Oder vielleicht liegt’s an meinem Verehrer.

Über das Schreiben

Das Schreiben ist das einzige, von dem ich behaupte, das ich es kann. Und das ich von Herzen gern tue. Möglicherweise ist das so etwas wie mein Talent. Dachte ich jedenfalls. So wie andere total gut Kuchen backen können. Oder es ihre Leidenschaft ist, komplizierte mathematische Formeln auszurechnen. Jeder hat ja irgendein Talent. Und wenn man schon nicht das Talent besitzt, mit Ende Dreißig glücklich verheiratet zu sein, und in seinem Reihenhäuschen mit Garten sitzt, eine feste Arbeitsstelle hat, sportlich wie ein Flohzirkus ist, mit seinem Geld über die Runden kommt und sich zumindest einen größeren Urlaub im Jahr leisten kann; wenn man also nicht dieses Talent hat, dann muss es irgendetwas geben, das man kann.
Ich kann Buchstaben auf meinen Bildschirm tippen.

Kalendersprüche

Irgendwann habe ich mit dem Tippen angefangen. Und wenn ich es mir recht überlege, ist das Schreiben die reinste Fleißarbeit. In etwa so, als würde man auf ein Reiskorn chinesische Schriftzeichen, im momentan sehr angesagten Hand Lettering-Stil, kritzeln wollen.
Das Schreiben hat nicht nur mit künstlerischer Eingabe zu tun, sondern sehr viel mit Üben. Glaube ich zumindest. Vielleicht ist das mit jedem Talent so. Ich würde sagen „Übung macht den Meister“, wenn ich nicht eine schrecklich große Abneigung gegen Kalendersprüche hätte.
Und ich übe schon lange.
Offensichtlich hat das Üben in den oben genannten Lebensbereichen bei mir bisher nicht ausgereicht, um einigermaßen erfolgreich zu sein. Aber man lernt ja selten aus.

Mein Verehrer

Was hat das Schreiben also mit meiner schlechten Laune oder mit meinem Verehrer zu tun, liebe Wolke?
Ja, ganz genau. Üben ist auch hier das Zauberwort.
Ich bilde mir ein, dass ich eines in meinem Leben nie gemacht habe: Stehen bleiben.
Ich fühlte mich immer schon wie eine kleine Rennschnecke in ihrer Rennschneckenbox, die nur auf den Startschuss für das große Schneckenrennen wartet. Dann gab es irgendeinen Anlass und ich bin ich schneckenartiger Lichtgeschwindigkeit losgesaust, mit einem festen Ziel vor Augen, und bin doch nie angekommen. Aber: Stehen geblieben, das bin ich nie.
Und deswegen ziehe ich mir nicht die Decke über den Kopf, um zu warten, dass alles (heute meine Laune) besser wird, sondern ich übe. Mit mir selbst, an mir selbst – wie auch immer man es nennen will.

Rettungsanker

Wäre früher jemand wie mein aktueller Verehrer in mein Leben mit den gegenwärtigen Umständen geplatzt, hätte ich das für den Wink des Schicksals gehalten, ich hätte meine ganze Übung über Bord geworfen und sie vergessen – noch bevor sie den Grund des Meeres erreicht hätte.
„Juhu! Ein Rettungsanker!“, hätte ich gerufen.
Zumindest so in der Art.
Aber, kannst du dir vorstellen was ich jetzt gemacht habe, liebe Wolke?
Meine Übung hatte sich bereits die Rettungsweste angelegt und die Nase zugehalten, aber ich habe sie mir eingehend betrachtet und bin zu dem Schluss gekommen: Dieses Mal, Susanne, dieses Mal wirst du ein kleines bisschen schlauer und geübter sein.

Partyhütchen und Konfetti

Wer meinen Blog bisher ein wenig verfolgt hat, der weiß ungefähr was in den letzten Wochen so los war. Mal abgesehen davon, dass keine lebensgefährdenden Katastrophen passiert sind, wofür ich sehr dankbar bin, gibt es wenig, von dem ich sagen würde, ich hole die Partyhütchen aus dem Schrank und lasse Konfetti regnen.
Da würde einem so ein Verehrer gerade recht kommen, vielleicht könnte man seine Talente auf anderen Gebieten ja doch noch ein wenig ausbauen. (Und ich erzähle dir, liebe Wolke, nun nicht von einem eingebildeten Verehrer, weil mein Liebesleben fast schon schmonzettenmäßig schlecht gelaufen ist in der letzten Zeit.) Jedenfalls hatte mein Verehrer ein gutes Timing, denn er meldete sich genau an dem Tag, vor wenigen Wochen, als meine Beziehung scheiterte.
Huch! Doch Schicksal?

Ich weiß, dass meinen Verehrer und mich ein Talent verbindet: Das Schreiben. Er kann ganz wundervoll schreiben, ja, das kann er wirklich. Ansonsten frage ich mich täglich aufs Neue warum diese Welt so merkwürdig ist. Warum die Menschen so merkwürdig geworden sind. Oder vielleicht bin ich es ja auch und alle anderen sind normal?
Ich habe die Antwort darauf nicht gefunden. Und werde es wahrscheinlich auch nicht.

Schmetterlinge

Vielleicht stellten sich bei mir keine Schmetterlinge ein, weil sie noch ganz klein in ihren Eiern als Raupen schlafen und das eine Weile tun müssen bis ich wieder bereit bin und ihnen die Chance geben kann, sich verpuppen zu dürfen. Mich würde es nicht wundern und ich habe aus der Übung der vergangenen Jahre gelernt, dass man Dinge einfach mal ruhen und schlafen lassen muss.
Und wenn mich mein Bauch und meine Übung in Schwimmweste darauf aufmerksam machen, dass der Startschuss für das Schneckenrennen jetzt nicht fällt, weil es sich ganz falsch anfühlt, dann höre ich darauf. Weil ich hoffe, schlauer geworden zu sein. Oder einfach bloß erfahrener.

Erfahrung

So verhält es sich auch mit dem Schreiben. Schreiben braucht Übung. Und das Schreiben braucht Erfahrung. Ich hätte mit Zwanzig nie so schreiben können wie heute. Mit dreißig auch nicht. Mir hätte die Lebenserfahrung gefehlt und eigentlich hätte ich auch gar nicht gewusst, worüber ich schreiben soll.
Heute berichte ich selbst über meine PMS-Schlechte Laune. Ob das jemanden interessiert, das sei mal dahingestellt, aber meinen Verehrer werde ich nicht wiedersehen.
Das sagt mir meine Erfahrung, meine Übung und mein Herz.
Und auf das, liebe Wolke, möchte ich ab jetzt viel mehr hören als ich es bisher getan habe.

Bis bald!

Kategorie Briefe an die Wolke, Liebe

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

Kommentar verfassen