Umarme mich!

Umarme mich, liebe WolkeUmarme mich!

Hallo liebe Wolke,
was brauchst du?
Mein kleines Leben hat heute einen Blumenstrauß auf unserem Balkon gepflückt, um ihn dem Erzieher der Seesterngruppe mitzubringen. Es ist der Erzieher, der immer in Sandalen unterwegs ist (auch bei – 10 Grad Celsius), der, der sie vor der poltrigen Mitarbeiterin und vor dem blöden Tom beschützt, und es ist der, der meine Tochter erkannt hat. So mit dem Herz.
Bei ihm darf sie dazugehören.
Und dafür, weil Kinder dieses Gespür haben was Herzensangelegenheiten angeht, wollte sie sich heute bedanken, und sie überreichte ihm die Blumen und sagte:
„Jetzt umarme mich mal!“.

Ich gehöre nicht dazu

Das Gefühl, nicht dazu zu gehören, das kenne ich.
Mit mir können nur wenige Menschen etwas anfangen. Ich glaube, umgekehrt gilt das genauso. Das sage ich nicht, weil ich mich für etwas Besseres, Besonderes oder sonst was halte, nein, ganz und gar nicht. Dieses Ding mit dem Nichtanfangenkönnen und Nichtdazugehören hat mich, ehrlich gesagt, meistens ziemlich fertig gemacht. In der letzten Zeit allerdings stellte sich so etwas ein, das man wohl Gelassenheit nennen könnte. Möglicherweise ist das so, wenn man vermutlich ungefähr die Hälfte seiner Lebenszeit bereits hinter sich gelassen hat. Eventuell hat das aber auch etwas mit Selbstliebe zu tun; keine Ahnung, aber aller Voraussicht nach wird sich das nicht mehr ändern. Umso glücklicher macht es mich, dass es eine Handvoll Menschen gibt, mit denen ich etwas anfangen kann. Und sie mit mir.

Umarme mich!

Und dann gibt es noch etwas. Etwas, wofür ich mich bedanken möchte. Etwas, das mich sehr glücklich macht und das sich für mich wie eine innige Umarmung anfühlt.
Menschen, die ich gar nicht kenne, die mich gar nicht kennen, die sagen mir so liebevolle Dinge, weil sie meine Briefe an dich lesen, liebe Wolke. Sie sagen mir, ich würde ihnen Mut machen. ICH! Kann man sich das vorstellen? Dabei bin ich doch meist diejenige, die ihren Mut suchen muss und ihn an manchen Tagen krampfhaft festhält, um nicht unterzugehen.
Sie sagen, ich bewege sie. Sie wünschen mir so viel Gutes. Und sie bedanken sich bei mir.
Für meine Worte.
Dabei sitze ich doch bloß hier in meiner kleinen Küche und schreibe über mein Leben, weil ich jemanden, dich, liebe Wolke, zum reden brauche, weil sonst meistens keiner da ist. Schon gar nicht morgens um 5 oder abends um 11.
Eben weil die meisten Menschen nichts mit mir anfangen können. Dachte ich.

Ich umarme dich!

Diejenigen, die mir so liebe Nachrichten schreiben, obwohl wir uns nicht kennen, die umarmen mich. Und das tut mir so verdammt gut, ich werde dann ganz weinerlich. Vor Glück. Kannst du das verstehen?
Jeder braucht ja mal hin und wieder eine Umarmung und ich halte meine Tochter wirklich ganz fürchterlich oft im Arm, aber es gibt da noch diese andere Art. Sie baut eine Brücke zwischen dem Nichtanfangenkönnen und dem Erreichen. Sie ist ein Kompliment, sie schmeichelt mir und sie gibt meinem kleinen Ich das Gefühl, dass es erkannt wurde. So mit dem Herzen. Ungefähr so ist das auch mit dem Sandalenerzieher und meinem kleinen Leben. Stelle ich mir zumindest vor.

Danke

Meine Tochter suchte heute Morgen gemeinsam mit ihrem Erzieher, der ganz überrascht war und sich so sehr gefreut hat, eine Vase für die Balkonblumen aus. Lavendel, Kornblumen und eine kleine rosafarbene Rose waren es. Und sie haben sehr gut geduftet. Heute hat mich meine Tochter zufrieden gehen lassen – und ich war es auch: zufrieden.
Jede dieser Nachrichten, die ich erhalte, die stelle ich ebenfalls in eine große Blumenvase und dieser Strauß ist der schönste, den man mir schenken kann. Ich bedanke mich dafür. Von Herzen.

Das wollte ich nur mal kurz sagen, liebe Wolke, denn Umarmungen, die kann ich manchmal sehr gut gebrauchen.

Danke, meine Wolke!


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Kategorie Briefe an die Wolke, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

26 Kommentare

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  3. Hallo Susanne, deine kleinen Texte sind das Schönste was ich seit Langem gelesen habe. Das wärmt mir das Herz. Danke *umarmungschick*

    • Hallo Jana,
      vielen Dank für Deine Nachricht und fürs Lesen – und Du ahnst nicht, wie viel mir so ein Kompliment bedeutet!
      Sei gedrückt & alles Liebe!
      Susanne

  4. Ich kann auch viel mit Dir anfangen!! Und ich glaube, es braucht nicht viele, sondern wenige, aber tiefgehende Menschen zum Glück… Fühl Dich umarmt!

  5. Ich umarme dich, liebe Susanne!
    Ich bin froh, deinen Blog gefunden zu haben. Oft lese ich deine Texte nickend, lächelnd oder tief berührt. Sie kommen aus dem Herzen und das spürt man.
    Falls wir uns mal irgendwann begegnen sollten, so ganz in echt, bin ich sicher, wir würden sehr wohl sehr viel miteinander anfangen können 🙂 <3
    Danke und mach bitte weiter so!
    Von Herzen alles Gute für dich und dein kleines Leben
    Simona

    • Liebe Simona,
      jeden Tag nehme ich mir vor, Dir zu schreiben und zu fragen wie Dein Brückentext angekommen ist. Ob er angekommen ist. Und dann kommt immer was dazwischen. Aber wisse, dass ich dran denke.
      Und weißt Du was? Ich würde mich tierisch freuen, wenn wir uns begegnen würden. Irgendwann. So ganz in echt. 🙂
      Und ich kann es nur zurückgeben: Mach Du genau so weiter wie bisher. Wenn ich nämlich irgendwo ganz viel Wärme und Liebe lesen kann, dann bei Dir.
      Alles Liebe für euch, Simona!
      Susanne

  6. Katharina

    Hallo Susanne, so geht es mir auch. In diesem Punkt scheinen wir uns sehr ähnlich zu sein. In vielen anderen nicht, aber das macht nichts. Mir fällt es ganz schwer Freundschaften zu schließen. Etwas miteinander anfangen – das kann ich nur mit sehr wenigen Menschen. Das macht manchmal einsam, aber mit der Zeit bin ich damit im Reinen. Alles Gute und einen weiterhin schön wachsenden imaginären Blumenstrauß!
    Beste Grüße Katharina

    • Hallo Katharina,
      was wäre die Welt langweilig, wenn sich alle ähnlich wären, oder? 😉
      Und das „mit sich im Reinen sein“, das kenne ich, das finde ich wichtig!
      Danke für Deinen Wunsch und alles Liebe!
      Susanne

  7. Verzeih mir mir, dass ich dies hier hinzufügen mag. Aus Versehen eine kleine Anekdote 🙂

    Nichtanfangenkönnen ist ein guter Schutz und ein Filter um den Horizont abzusuchen. Der muss in einem harten Studium erlernt sein, wobei das Lernen nie aufhört. Nicht jeder hat Anspruch auf ein gutes Maß Anstand, an sich und andere, der nur schwer auszumachen ist in heutiger Zeit.

    Zeitdruck und sich aufgeben in Normalitäten blinkt in den Gesichtern, die sich in der weiten Welt im Netz in ihrer Hand verlieren. Äußeres muss den Anschein geben es würde etwas bedeuten, und wenn, nicht für lange, was ihnen nicht bewusst werden mag. Was unter der Oberfläche schwimmt ist zu anstrengend, da die Oberfläche doch hochgehalten werden muss. Desinteresse zum Abwägen. Entfernungen werden größer und weniger wird das, was den Studierten wichtig ist, wie Geborgenheit, Verständnis, einfach Lachen und Menschlichkeit.

    Wenn man sich mit innerer Stärke über diese Welt erheben kann, kann man sie hinter sich lassen und man darf sich lieben dafür, dass man fliegen kann. Und es können nur wenige sein, aber von dort oben kann man sie erkennen, die, die fliegen, das fliegen aufgegeben haben, fliegen lernen oder lernen wollen.

    Denn schimmern die Kieselsteine im Glanz des Sonnenlichts am Grund des Flusses, darf man auch genüsslich diesem Lichtspiel seine Aufmerksamkeit schenken. Und auch die Türen wie Flügel öffnen und schließen, denn nur zumachen schmerzt. Unerreichbarkeit schmerzt. Wer Brücken bauen kann zwischen Gegensätzen ist immer gut beraten. Und auch Stege haben ihre Berechtigung.

    • Wie wunderschön Du das gesagt hast, Kim! Da gibt es garantiert nichts zu verzeihen!
      Ich weiß nicht, was ich am besten von Deiner „Anekdote“ finde, aber den Satz „Nicht jeder hat den Anspruch auf ein gutes Maß Anstand, an sich und an andere, der nur schwer auszumachen ist in heutiger Zeit.“, den möchte ich mir am liebsten einrahmen.
      Danke dafür!

  8. Das ist doch ein wunderbarer Kreislauf vom Geben und Nehmen: Du gibst jeden Tag alles für Dein kleines Leben und wir dürfen daran teilnehmen. Wir geben Dir das Feedback, das Du verdient hast, und Du darfst es ohne Zögern annehmen.
    Wenn Dich das stärkt, um am nächsten Tag (oder ggf. nachts ) wieder alles für Dein Leben geben zu können, schließt sich der Kreis.
    Mach einfach weiter so.
    Es fühlt sich sehr gut an.
    Danke ⛅️

    • Dankeschön (das hab ich jetzt so oft gesagt, aber was anderes fällt mir nicht ein!)! 😉
      Ich hoffe, es geht euch allen gut & grüß mir das Kuhglockengebimmel!
      Pfiati! 🙂

  9. Melanie

    Ich umarme dich auch. Und ja deine Texte machen Mut. Uns geht es mit unserer Zwergi nämlich ähnlich wie dir mit deiner Wolke. Ich bin sehr froh deinen Block gefunden zu haben. Du baust auf wo etwas einbricht. Schenkst Licht wo Dunkelheit ist. DANKE!!!

    • Liebe Melanie,
      ich wusste ehrlich nicht, dass das so bei Dir und euch ankommt. Was ich schreibe, meine ich. Mich wärmt das ganz doll und ich wünsche Dir und euch viel Kraft und Geduld mit eurer Zwergi. Aber wo so viel Liebe ist, da ist das mit der Kraft und der Geduld fast ein Kinderspiel. Im wahrsten Sinne des Wortes. 😉
      Sei umarmt! <3

  10. Ich hab schon so lange nichts mehr von dir kommentiert, wieso eigentlich? Hm, aber dieser Text geht mir wieder sehr ans Herz und ich finde mich auch darin wieder. Danke dafür ❤️

  11. Das hast Du wunderschön geschrieben. Es freut mich so, dass da ein Erzieher ist, der Dein Kind erkennt! Genau das habe ich auch gesucht als ich unsere alte Kita verlassen habe und ich bin so froh, dass mein Kind sich in der neuen Kita wieder „richtig“ fühlt. Solche Menschen wie Euren Erzieher braucht es, damit Kinder sich voll entfalten können. Liebe Grüße

    • Danke Dir! Ja, absolut, das stimmt. Ich glaube, wenn es diese Menschen nicht gäbe, wäre die Welt schrecklich arm dran…!
      Alles Liebe Dir!

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