Vogelstimmen – Wenn Kinder zu schnell groß werden

Kinder groß werden schnell die zeit fliegt

Hallo liebe Wolke,
kannst du Vogelstimmen unterscheiden?
Ende Mai um Viertel vor Vier, schiebt sich langsam die Morgendämmerung neben den abnehmenden Halbmond. Um genau fünf Minuten vor Vier wacht ein Vogel auf, vielleicht ein Rotkehlchen, mit Vogelstimmen kenne ich mich nicht aus, aber er singt schön, mir gefällt es, es hört sich fröhlich an.

Mein Wunsch…

Durch die Balkontür fließt kühle Luft in die Wohnung, mein Kaffee dampft, ich überlege zu frühstücken, eigentlich bin ich zu müde zum Essen und zum Kaffeetrinken, meine Füße werden kalt. Aber das sind sie fast immer.
Ich wünsche mir nichts sehnlicher als zu schlafen, mich in mein Bett unter die leichte Decke zu legen, darauf zu warten, dass der schnelle Schlaf mich an einen anderen Ort bringt, aber mein kleines Leben findet keine Ruhe, also sitze ich neben ihr und halte ihre Hand, die rastlos ist. Genau wie ihr kleines Köpfchen.

Vogelstimmen

Um Viertel nach Vier singen bestimmt drei oder vier Vogelarten, wir nehmen das Handy und schauen nach, welche es sind. Den Zaunkönig mag das kleine Mädchen am liebsten. Und die dunkelblauen Wolken am immer heller werdenden Himmel sehen aus wie schwarze Schafe, sagt sie.

Was ich denn da aufschreibe, fragt sie.
Meine Gedanken, sage ich.
Warum? Die gehören doch in deinen Kopf?, fragt sie.

Gedanken

Und plötzlich weiß ich selbst nicht mehr, warum ich sie aufschreibe, warum ich so viel beobachte, warum mir jedes Detail ins Auge fliegt und warum ich jedes Staubkorn zu verstehen versuche.

„Manchmal ist es ganz gut, seine Gedanken aufzuschreiben. Dann sind sie nicht mehr im Kopf und dann ist dort Platz für etwas anderes“, antworte ich.
„Mama? Wann kann ich endlich schreiben?“, fragt sie.
„Bald, mein Schatz.“, antworte ich. 

Mein kleines Leben nickt zufrieden.

Langsamer…

Ich wünsche mir, es wäre nicht bald. Ich wünsche mir, alles ginge langsamer. Ich wünsche mir, uns würde nicht so viel durch das Hirn jagen. Vielleicht könnten wir dann einfach schlafen.

Es ist halb Fünf.

„Komm, wir kuscheln uns noch mal ins Bett und hören den Vögeln zu, vielleicht können wir noch etwas Schönes träumen.“, sage ich.
„Schlafen ist langweilig, Mama“, antwortet sie. „
Und ich kann noch nicht schreiben!“, fügt sie hinzu.

Schnell genug…

Ich schalte den Wasserkocher an, mein Kaffee ist kalt, meine Augen sind schwer, mein kleines Leben schaut mich erwartungsfroh an, nimmt mich in den Arm, küsst mich, und ich halte sie fest, in der Hoffnung, ich kann sie und ihre Rastlosigkeit noch lange lange lange tragen, ihre Gedanken ein bisschen leichter machen, sie noch eine Weile fern halten von der richtigen Welt. Es geht schon alles schnell genug.

„Ich hab dich so lieb!“, sagt sie.
„Ich dich auch, mein Schatz, ich dich auch!“, antworte ich. 

Und der abnehmende Mond ist Ende Mai hinter dem Häuserblock untergegangen.

Schlaf schön, meine Wolke!
(Aus dem Archiv von 2016)


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Kategorie Briefe an die Wolke, Mamasein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!