Von dem Tag, an dem ich fast in den Urlaub gefahren wäre

urlaub mit kind

Hallo liebe Wolke,
machst du gern Urlaub?
Ich traue mich es ja fast nicht zu sagen, aber ich bin nicht so der Urlaubstyp. Packen und Stau und Kleinkind und lange Autofahrten finde ich in der Kombination nicht so richtig erholsam. Muss ich gestehen. Außerdem ist die Haut an meinen Ellenbogen ganz runzelig geworden, stellte ich heute früh fest, als ich ein T-Shirt anzog und ein bisschen mehr Zeit hatte als üblich, weil mein kleines Leben noch schlief. Und wer fährt schon gern mit runzeligen Ellenbogen in den Urlaub?

Urlaub in den Bergen

In den nächsten Tagen wäre ich fast in den Urlaub gefahren. In die Berge. In ein tolles Hotel mit Kinderbetreuung und Vollpension und mit Bauernhoftieren und guter Luft. Ich muss daran natürlich denken, vor allem weil das Wetter so herrlich ist und mir eine kleine Auszeit vom Alltag und meinem bescheuerten tauben Ohr, das gar nicht mehr besser werden will, gut getan hätte.
„Wenn ich die hundert Punkte erreiche, dann fährst du mit mir in den Urlaub, ja? Bitte!“, sagte O. vor ein paar Wochen. Schließlich war der Urlaub angezahlt. Das konnte man ja nicht einfach verfallen lassen. Egal unter welchen Umständen oder Konditionen. Geschafft hat er es ja nun am Ende nicht, sein Punktekonto bei mir wieder aufzufüllen. Ich erzählte bereits ausgiebig davon. Also gibt es jetzt, dieser Tage, keine Berge. Zumindest nicht für mich und mein kleines Leben.

So läuft das nicht!

Irgendwann gewöhnt man sich daran, dass das Leben eben nicht nach Plan – und schon gar nicht nach Punktekonto läuft. Das ist ok, ich habe schließlich einen schönen Balkon. Und ich bin ja nicht so der Urlaubstyp und habe zudem seit Neuestem runzelige Ellenbogen.
Mit meinem kleinen Leben in den Urlaub zu fahren, ist ein heikles Unterfangen, weil sie ein ziemlich großes Gewohnheitstier ist. Da kommt es leicht zur kindlichen Überforderung, wenn alles ganz anders ist als Zuhause. Und wenn man dann noch jemanden dabei hat, der vom kleinsten Pieps des kleinen Lebens in die nächste Depression (oder was auch immer) befördert wird, dann bedeutet das Stress. Vor allem für die Mama.
Ja, ganz recht. Vor allem für mich. Ich hatte das ja nie so zugegeben, weil ich doch immer die Starke mimen muss, darin bin ich ganz gut, ich habe da jahrzehntelange Übung. Zuallerst kümmert man sich selbstverständlich um sein Kind und versichert, dass das mit dem Urlaub alles ganz schön und super wird, dass wir viel Spaß haben werden und wir auch wieder nach Hause zum Opa fahren. Irgendwann. Und das hatte eigentlich auch immer recht passabel funktioniert. Bis auf das Schlafen. Aber das war ja schon immer unser Problem. Nicht nur im Urlaub.

Stress!

Für mich bedeuteten diese Urlaube den puren Stress, wenn ich mich einerseits um mein kleines Leben bemühte, dass das mit dem Wegfahren wirklich in Ordnung war, und ich mich andererseits darum bemühte, den anderen mit ausgedehnten Radtouren milde und fröhlich und antidepressiv zu stimmen. Obwohl man (also ich) doch Sport hasst wie die Pest. Einerseits, andererseits. Das kommt häufiger vor, als man denkt.
Stress war das für mich, für die, die doch im Urlaub einfach mal genau eins tun möchte: Nichts. Nicht kochen, nicht bügeln, nicht anstrengen, nicht den ganzen Tag auf den Beinen sein, nicht ums Einkaufen kümmern, usw.. Nicht, nicht, nicht. Ganz einfach eigentlich, wenn man es denn auch tut. Das Nichts.
Ging aber in dem Fall nicht. Und deswegen wäre das mit dem Erreichen der hundert Punkte wahrscheinlich nie etwas geworden.

Luxus und Himbeereis

Die Berge, die hätte ich allerdings schon gerne mal wiedergesehen. Und die Aussicht auf ein paar Tage ohne Herd und ein paar händchenhaltende Sonnenuntergänge, die war schon verlockend. Auch das gebe ich zu. Aber eben ohne den Stress, den ich mir sehr gern selbst auferlegt habe.

Solange mein kleines Leben noch klein ist, brauche ich keine Luxusurlaube am Südseestrand. Und die Berge kann ich ihr auch dann noch zeigen, wenn sie ein bisschen größer geworden ist und ich allein mit ihr in die Ferien fahren kann. Glaube ich zumindest. Viel mehr ist es doch wichtig, dass man gemeinsam etwas unternimmt, das Spaß macht. Kind und Mama. Und wenn es nur der Spaziergang durch den Wald ist, man die Pappelsamen bestaunt, die wie Schneeflocken auf dem bemoosten Waldweg tanzen, und am Ende in der Eisdiele einkehrt, in der das Himbeereis so wahnsinnig toll schmeckt. Purer Luxus.

Nichts tun!

Das haben wir gestern gemacht und abends im Bett sagte meine Tochter, dass es ein wunderschöner Tag gewesen sei. Weil wir viel gelacht haben, weil ich gestern wegen gar nichts zu schimpfen brauchte, weil das Himbeereis so köstlich war und wir händchenhaltend den Feiertag verbracht haben. Ohne, dass ich mir Gedanken um die Befindlichkeiten anderer Menschen machen musste, ohne Stress und bloß mit ganz viel Zeit für mich und meine Tochter.
Nein, ich bin nicht so ein richtiger Urlaubstyp. Nur meine Ellenbogen sind ein bisschen runzelig geworden mit der Zeit. Aber auch das gehört wohl dazu. Und nun freue ich mich auf das Wochenende, an dem ich nicht packen muss, an dem ich nicht im Stau stehe und einfach ein bisschen von dem tun werde, was mir im Moment am besten tut: Nichts.

Gute Reise, meine liebe Wolke!


 

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Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Mamasein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

2 Kommentare

  1. Runzelige Ellenbogen sind der Hammer! Ich hatte ja schon viele Ideen, warum ich was nicht machen kann oder möchte. Auf Ellenbogen bin ich noch nicht gekommen! Also: ich kann auf keinen Fall heute raus und mich in die Menschenmenge werfen und mit ihnen die Kulturelle Landpartie im Wendland feiern. Wer will schon runzelige Ellenbogen dabei haben! Also bleibe ich schön Zuhause und genieße mein Zitroneneneis mit Keksgeschmack und höre einem Konzert in der Ferne vom Garten aus zu. Außerdem ist es viel zu heiß!
    Dir und dem kleinen Leben wünsche ich einen schönen entspannten Sonntag und ich denke, Du hast alles richtig gemacht! Stoßen wir auf unsere runzeligen Wasauchimmer mit Himbeersirup an! Regine

    • Hahaha :). Doch, doch Ellenbogen sind eine fantastische Ausrede! (Scherz.)

      Ich stoße sehr gern mit Dir an und hab einen tollen Sonntag, liebe Regine! <3

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