Von dem Traum, in dem man weglaufen will und es nicht kann. (Über Liebeskummer)

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Hallo liebe Wolke,
kennst du diesen Traum, wenn einen Monster jagen, man ganz schnell vor ihnen fortlaufen möchte und es nicht kann? Ich träume diesen Traum seitdem ich mich erinnern kann. Liebeskummer ist ein ähnlich schrecklicher Alptraum.

Kreatives Chaos

Mit meinen bescheidenen Mitteln versuche ich gerade unsere Wohnung zu verschönern, weil Frühling ist und weil ich ab und zu eine Veränderung brauche. So wie jetzt. Mein kleines Leben macht das auch, in ihrem Zimmer, da wird ständig herumgekramt, Lego überall hin verteilt, Elsa und Anna umdrapiert und überhaupt wird alles auf den Kopf gestellt, bis ein Chaos herrscht, das vermutlich nie wieder beseitigt werden kann. Möglicherweise ist das aber auch nur in der erwachsenen Vorstellung so; einem Kleinkind gefällt das vielleicht. Kreatives Chaos ist wahrscheinlich außerdem wichtig für die Entwicklung. Oder so.

Dekoration

Jedenfalls habe ich Holzfliesen für meinen Balkon gekauft. Ich unterschätze jedes Mal, wenn ich solche Dinge besorge, wie klein mein Auto und meine Muskeln sind, aber irgendwie schaffen ich und mein Kofferraum es am Ende doch. Und was ist schon eine Leistenzerrung im Vergleich zu einem schönen Balkon? Eben.
Weil zum Abschluss noch dringend Dekoration fehlt, immer fehlt doch Dekoration (das findet mein kleines Leben übrigens auch, weil über das kreative Chaos noch ungefähr ein Kilo Glitzersteine verstreut werden), fuhren wir ins Gartencenter. Lavendel stand auf meinem Zettel. Und Krimskrams. Krimskrams ist ja eigentlich das wichtigste, was Dekoration betrifft.

Harmonie

Eine gute Idee, samstags in ein Gartencenter zu fahren, wenn die Sonne scheint, im Frühling, bei 21°C, nein, eine gute Idee, das ist sie nicht unbedingt. Ich staune immer wieder, wie viele Pflanzen in einen Einkaufswagen passen, bei den anderen Menschen, die dort unterwegs sind. Das sind ganze Wälder, die da hinaus gekarrt werden. Sagenhaft.
Mit Lavendel und Krimskrams machten wir dann im Indoorspielplatzbereich Halt, da kann ich meine Jacke ruhig ausziehen und mich häuslich einrichten, das dauert immer länger. Also saß ich da und schaute mir die Miteinkäufer an.

Niemand war dort allein. So wie ich. Also, ich war ja auch nicht allein, mein kleines Leben kletterte gerade sehr wagemutig herum, dass ich besser nicht hin sah. Weil: Wenn man hinschaut, dann passiert garantiert was, und ich vertraue meinem kleinen Leben und ihren Fähigkeiten. Das mit dem Vertrauen ist eine enorm wichtige Angelegenheit.
Ich schaute also in die andere Richtung. Es liefen nur Paare in diesem Gartencenter herum, alte wie junge, die wahrscheinlich alle für ihre Gärten oder Balkone oder Ferienhäuser (oder was auch immer) Pflanzen aussuchten, sich an der Hand hielten und lachten. Das reinste Harmoniecenter war das. Vielleicht bildete ich es mir auch nur ein. Aber wenn man auf solche Dinge achtet, dann sieht man sie auch. Das ist ja mit allem so.

Kloß

Ich saß also da und mein Kloß im Hals wurde ziemlich dick.
Und dann dachte ich darüber nach, was ich auf anderen Blogs so lese, welche Schicksale dahinterstehen und dass ich doch überhaupt nicht jammern bräuchte.
„Susanne, jetzt reiß dich mal zusammen!“, dachte ich, liebe Wolke.
Der Kloß wurde trotzdem nicht kleiner. Im Gegenteil. All die Leute würden mit ihren Wäldern nach Hause fahren, vielleicht zu ihren Kindern, gemeinsam, alle sahen so glücklich aus, und mir wurde ganz schlecht davon.

Traum und Liebeskummer

Neulich wurde ich larmoyant belächelt.
„Na, wenn es dein Ausgleich ist, das mit dem Schreiben, dann ist das doch schön!“, sagte jemand. Es hat mich fast so sehr ins Herz getroffen, wie das Harmoniecenter am Samstag. Weil das Schreiben kein Ausgleich ist. Denn ich muss schreiben, das ist schwer zu beschreiben. Aber, wenn ich etwas von ganz allein tue, wie meine Tochter zu lieben, dann ist es das Schreiben. Seitdem ich mich erinnere. Das ist wie mit diesem Traum.
Mein kleines Leben trauert seit vier Wochen, ich nicht so, denn ich hatte es schon Wochen vorher getan, da ist von Trauer nicht mehr viel übrig. Die Verantwortung, die ich für meine Tochter trage, die ist groß. Genau so wenig, wie ich die Sache mit dem Schreiben erklären kann, so kann ich ihr erklären, warum Dinge plötzlich für immer verschwinden. Es bricht mir das Herz, sie weinen und fragen und trauern zu sehen, und ich bin dafür verantwortlich. Ich werde lernen, noch besser darauf aufzupassen.

Ich fuhr also nicht mit einem Wald nach Hause, sondern mit Lavendel und mit meinem kleinen Leben, habe die Holzfliesen verlegt, den Krimskrams hübsch dekoriert, und mich abends mit einem Tee auf meinen neuen, schönen Balkon gesetzt. Der Kloß ist den ganzen Tag geblieben. Vielleicht, weil das Alleinsein, und das Wissen, das ich zurückbehalten habe, merkwürdig ist.
Und doof. Ebenso wie der Liebeskummer. Aber: Eines Tages ist er weg. Das weiß ich. Und darauf warte ich jetzt eben ein bisschen.

Möglicherweise, liebe Wolke, gibt es diese Kloßtage einfach, davor kann man nicht weglaufen, auch wenn man es versucht.

Einen entspannten Sonntag für dich!

 


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Kategorie Briefe an die Wolke, Liebe, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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6 Kommentare

  1. Ach diese verdammt doofen Liebeskummer! Ich hoffe es wird jeden Tag besser für euch zwei. Und das mit dem Harmoniecenter – spätestens im Auto streiten sich alle 😉 Samstag, volles Geschäft, Stress, unterschiedliche Erwartungen und bum – schon hat man sich so heftig estritten, dass man abends allein vorm tv sitzt. Harmonie auf Wiedersehen!

    • <3 Der Text ist schon ein paar Tage alt und deswegen ist der Kloß bereits so klein geworden, dass er fast eigentlich gar nicht mehr da ist.

      Danke, Dir aber trotzdem sehr - und zu allem anderen gebe ich Dir nickend recht! :))

  2. Liebe Susanne! Fühl dich jetzt einmal fest in den Arm genommen.
    Ich kann dich so gut verstehen. Ich bin noch nicht alleine, bin es aber irgendwie doch. Auch mir sitzt der Kloß oft tief im Magen, wenn ich glückliche Menschen um mich herum sehe. Dann hoffe ich, dass auch wir, mein Sonnenschein und ich es bald geschafft haben und wieder unbeschwert sein können.
    Alles Liebe und Kopf hoch. Wir sind so reich beschenkt mit unseren Prinzessinnen lg Sonja

  3. Liebe Susanne, weißt du, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Vielleicht haben einige ihres noch nicht bekommen, aber sie werden. Das Leben ist so.
    Und am Ende ist alles gut. Versprochen!
    LG Simona

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