Warum ich Angst vor Weihnachten habe.

angst vor Weihnachten Sternenstaub

Hallo liebe Wolke,
hast du manchmal ein mulmiges Gefühl im Bauch?
Die Tage sind verdammt kurz geworden und die Welt hat es immer eiliger. Vielleicht liegt es an meinem fortschreitenden Alter oder die Erde dreht sich in letzter Zeit einfach ein bisschen schneller, aber die Tage rasen so dahin. Und ich komme nicht mit. Weihnachten klopft seit Wochen sehr laut an die Tür – und ehrlich gesagt finde ich es großen Mist, schon im August Spekulatius kaufen zu können. Wenn man wollte. Eigentlich müsste man die Stollen und Adventskalender gar nicht mehr aus den Regalen räumen, lohnt doch eh nicht.
Und je dunkler und kälter es draußen wird, desto mehr formiert sich da dieses Gefühl in meinem Bauch, das ich nicht so gern habe.

Weihnachtszauber

Wie auch immer mein persönliches, kleines Herz tief im Inneren aussehen mag; für mein kleines Leben mache ich es wie jedes Jahr: Ich möchte ihr den Zauber dieser Zeit bewahren.

Eine Zeit, die eigentlich stiller werden sollte statt lauter.
Langsamer statt immer schneller.
Und funkelnder statt blinkend bunter.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, liebe Wolke, aber der Weihnachtszauber ist einfach nicht mehr das, was er mal war. Habe ich so im Gefühl. Und wenn man ein Kind hat, dann sucht man den Zauber Weihnachtsgeschenkwieder, holt ihn vom Dachboden wie die Kiste mit dem Baumschmuck, die die letzten Monate ein bisschen staubig geworden ist.
Allerdings ist das mit dem Weihnachtszauber 2017 so wie mit den Lebkuchen im Regal: Wir alle machen viel zu viel. Viel zu viel von aller Dekoration, von allen Vorbereitungen, von allen Geschenken; jeden kleinsten Winkel könnte man mit künstlichem Weihnachtszauber bestreuen. Wenn man wollte.
Will ich aber nicht, denn er ist nicht echt.

Höhle aus Liebe und Geborgenheit

Wenn ich mich an früher erinnere, dann war mein Zuhause genau eins: Mein Zuhause. Mein Schutz und meine Höhle aus Liebe und Geborgenheit. Ich schrieb mit meiner Mutter einen Wunschzettel und legte ihn auf den Balkon. Am nächsten Morgen war er fort und dort, wo er gelegen hatte, hatte das Christkind ein bisschen Sternenstaub da gelassen. Das Gefühl in meinem Bauch, das kann ich heute noch sehr deutlich spüren. Und es war ein wahnsinnig schönes Gefühl. Das, genau das, möchte ich meinem kleinen Leben schenken. Und das kann ich mit keinem überteuerten Spielzeug dieser Welt erreichen, mit keinen DIY-Bastel-Marathons, die mir (noch mehr) graue Haare wachsen lassen.
Weihnachten VogelIch möchte, dass meine Tochter für immer das Gefühl von Zuhause und ein bisschen Sternenstaub in sich tragen darf. Denn, wenn man sich daran erinnern kann, auch 30 Jahre später noch, dann ist das mulmige Bauchgrummeln, das ich dieses Jahr habe, gar nicht so schlimm.

Punsch und Quatsch

In diesem Jahr werden wir, meine Madita und ich, allein unter dem Baum sitzen. Wir haben keine große Familie, die sich in den Armen liegen könnte und Weihnachtslieder singen und einer macht Punsch und ein anderer serviert die Kekse und ein paar Kinder machen Quatsch mit der Weihnachtsbeleuchtung. Nein, wir beide werden allein sein. Ein bisschen steigen mir bei der Vorstellung die Tränen in die Augenwinkel. Nur ein bisschen, denn ich werde es uns schön machen. Ganz schön sogar.
Nur mein persönliches, kleines Herz, das hätte sich gewünscht, insbesondere nach diesem Jahr, dass es anders wäre. Dass da jemand wäre, der das Stille und das Langsame und das Funkelnde mit uns geteilt hätte.

Lieblingsspielzeug

Und fast hätte es vielleicht sogar jemanden gegeben, aber mein Herz, das ist, was das angeht, nicht repariert. Mein Vertrauen auch nicht. Ich kann jemand Neues nicht vertrauen, weil mir jemand Altes die Fähigkeit weggenommen hat, als wäre es mein Lieblingsspielzeug gewesen. Obwohl ich doch nur ganz allein dafür verantwortlich war und bin, darauf aufzupassen. Aber diese Großbaustelle in meinem persönlichen, kleinen Herzen, die fühlt sich blöd an und verursacht dieses noch blödere Bauchgrummeln.
Also entscheide ich mich abermals in meinem Leben fürs Alleinsein, das mir ein bisschen Angst vor Weihnachten macht. Und doch bin ich es ja nicht – allein.

Sternenstaub

Denn ich habe das größte Geschenk an meiner Seite und da wische ich alles beiseite, was keinen Platz im Weihnachtszauber haben darf. Ich werde die Welt, die es in letzter Zeit so verdammt eilig hat, ein wenig bremsen. Mit dem Fuß. Wie beim Schlittenfahren. Und dann wird der Sternenstaub aufwirbeln und das, was dunkel ist, wieder hell machen. Weil es das ist, was der Sternenstaub am besten kann.

Angst vor Weihnachten

Mag sein, liebe Wolke, dass ich in dieser Weihnachtsnacht ein bisschen weinen werde, wenn mein kleines Leben im Bett sein wird und schläft und vom Christkind träumt und eingehüllt ist, in dem Gefühl von Zuhausesein und Geborgenheit. Aber dann, dann werde ich an die denken, die dieses Weihnachtsfest wirklich allein sein werden. Mutterseelenallein. Weihnachten HerzUnd dann werde ich wissen, dass ich es verdammt gut habe, dass meine Angst großer Quatsch war – und dass sich die Welt gern ohne mich beeilen darf.

Alles Liebe, meine Wolke!


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Kategorie Briefe an die Wolke, Liebe, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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17 Kommentare

  1. Melanie Rauch

    Hallo Ihr Zwei, wir sind zwar zu dritt an Weihnachten, aber wie früher mit meiner Großfamilie, als Mutter, Oma und Opa gelebt haben wird es nie wieder sein.

    Auch ich Versuche jetzt, wo ich ein Kind habe den Zauber von Weihnachten wieder zu erlangen. Unser Sohn liebt Lichter, aber davon möchte ich nicht zuviel haben, also alles etwas gedimmter und gemächlicher als früher als ich klein war, als die Tanne zur Decke reicht und die Weihnachtswichtel, noch bis kurz vorm Heiligenabend gearbeitet haben, damit 8 Kinder was schönes bekamen. Und erst das Essen, aber ich kann mich erinnern das meine Großeltern und Eltern nach dem Weihnachtsmarathon auch 1 Woche Urlaub benötige hätten.

    Daher gilt weniger ist mehr. Falls ihr zwei euch aber ganz doll einsam fühlt, wir laden gerne ein.

    LG Melanie Mama von Rubbelklopf

    • Liebe Melanie,
      ach, Du bist lieb, ich danke Dir! <3
      Und es ist schön, dass wir ähnliche Gedanken haben, was Weihnachten und das ganze Drumherum haben.
      Ich wünsche euch eine schöne und glitzernde Vorweihnachtszeit und von Herzen alles Liebe!
      Susanne

  2. Pingback: Quatsch. {Photo Booth Props 4 Christmas} – Hallo liebe Wolke

  3. Liebe Susanne, ich möchte dich loben!
    Du bist eine ganz fabelhafte Mama und davon bin ich überzeugt ,ohne dich (persönlich) zu kennen.
    Bei deinen Texten, die so viel Liebe enthalten treibt es mir die Tränen in die Augen! Sie treffen mich so sehr ins Herz und ich empfinde deine Worte als pure Liebe.

    Deine Tochter wird ebenso ein großartiger Mensch werden , den sie hat eine starke, mutige und großartige Mutter zum Vorbild!
    Ich danke dir für deine Wolke ,du sprichst so vielen Mamas aus der Seele!

    ♡♡Fühlt euch dolle gedrückt und ganz liebe Grüße Ihr Lieben und danke.

    Liebe Grüße Lydia und Alisa.
    🙂

    • Liebe Lydia,
      ach, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll… Danke für so viele großartige Komplimente. Ich schließe sie ganz fest in mein Herz ein, weil sie mir wahnsinnig gut tun.
      Es ist toll, dass es Menschen wie Dich gibt, die so viele liebevolle Worte finden.
      Von Herzen alles Liebe für euch und sei fest umarmt!
      Susanne

  4. Ann Kristin Nissen

    Dieser Text treibt mir die Tränen in die Augen. Einerseits, weil ich durch deine Worte sofort wieder an die immer schöne Adventszeit in meinem Elternhaus denken musste. Ich schmücke die Fenster genau so, wie meine Mutter es immer tut. Andererseits, weil du so offen damit umgehst, dass du Angst vor Weihnachten hast. In diesem Jahr habe ich das erste Mal Angst davor, dass es das letzte Weihnachten sein könnte, an dem mein Vater noch lebt. Und obwohl ich einen tollen Partner und eine süße kleine Tochter habe (3,5 Jahre), wird es der erste Heiligabend sein, den ich ohne meine Eltern verbringe. Ich verstehe deine Gefühle und uch bin sicher, dass ihr beiden trotzdem ein zauberhaftes Weihnachtsfest mit funkelnden Augen deiner kleinen Wolke haben werdet. Du schreibst in deinen Texten immer so liebevoll und ich denke, dass du auch im wahren Leben so liebevoll mit deiner kleinen Wolke bist. Du bist eine starke Frau und du machst auch aus deiner Tochter sicher ein starkes Mädchen, aus dem einmal eine starke Frau werden wird. Zusammen werdet ihr das Weihnachstfest zu einem schönen Fest machen und eine einzigartige Erinnerung schaffen, die ihr für immer in eurem Herzen tragen werdet. Fühl dich herzlich gedrückt!

    • Liebe Ann,
      ich danke Dir sehr für Deine sehr persönliche Nachricht, über die ich mich freue! <3
      Auch für Dich und euch wünsche ich mir, dass ihr eine wunderbare Adventszeit - und ein noch schöneres Weihnachtsfest haben werdet. Deine Gefühle kann ich so gut nachempfinden, aber wir halten einfach an dem fest, was wir haben und wissen, wie kostbar es ist. Ich glaube, das geht manchmal in dieser schnelllebigen Zeit ein bisschen verloren. Und ich bin froh und dankbar, dass es Menschen wie Dich gibt, die so viele positive Worte finden.
      Ich danke Dir und sei fest umarmt!
      Alles Liebe für euch!
      Susanne

  5. Ich würde euch nur zu gern einladen… wir haben so eine herzliche Schwiegerfamilie… lass dich lieb umarmen. Du machst das toll mit deinem kleinen Leben :-*

  6. Liebe Susanne,
    Ich bin ganz sicher in Maditas Herzen wird genau DIESE Form Weihnachten zu feiern Wurzeln schlagen und später den Zauber IHRER Kindheit ausmachen.
    Es gibt zwar die dollsten Geschenke aber keinen Weihnachtszauber aus dem Katalog, die tun nur so, Zaubern muss jeder für sich allein.
    Ich habe als die großen Kinder klein waren angefangen mit einer anderen alleinerziehenden Mutter und ihrer Tochter Weihnachten zu feiern,im Lauf der Jahre kamen immelos mehr „Einsame“ dazu,es bildeten sich Traditionen was Essen und Geschenkübergabe angeht. Ich schreibe jedes Jahr eine kleine Geschichte …Unsere Krippe wuchs und wächst weiter.
    Die erste Weihnachtsgastkind feiert inzwischen lieber bei ihrem Freund, mein jünstes wird diese Jahr zum ersten Mal Weihnachten erleben.
    Ich sage ja ganz ehrlich, von mir aus könnte Weihnachten auch wegbleiben,aber der Versuch immer trotzdem Sternenstaub zu schaffen, macht auch Freude.
    Einen guten Advent
    Natalie

    • Liebe Natalie,
      ich danke Dir von Herzen für Deine lieben Worte und die Idee, Weihnachten mit anderen „Einsamen“ zu feiern, hört sich für mich ganz wundervoll an! Sei gedrückt, Deine Nachricht macht mir Mut. Und dafür möchte ich Dir auch danken!
      Alles Liebe für euch!
      Susanne

  7. Dieser Text ist wie ein kleiner Sternenstaub im Netz. So ist Weihnachten und ich wünsche Dir und der kleinen großen Madita eine schöne Adventszeit.
    Mich ärgert jedes Jahr, dass die leckeren Lebkuchen ausverkauft sind, wenn es Zeit wäre, sie zu kaufen. Nein, ich kann keine Vorräte anlegen! Dazu fehlt mir die Beherrschung. Liebe Grüße! Regine

    • Ich danke Dir, liebe Regine, und ich werde an Dich denken, in der Adventszeit, und ganz fest dran glauben, dass Du ein paar der leckeren Lebkuchen doch noch ergattern wirst!
      Sei gedrückt
      Susanne

      • Sonst muss ich sie mir backen…..Ich freue mich schon darauf, meine Engel und Weihnachtsmänner aus der Kiste zu befreien, Weihnachtsfilme zu gucken und mir eine schöne Adventszeit mit Zimtsternen und Marzipanbroten zu erschaffen. Liebe Grüße! Regine

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