Wie man Monster zähmt. (Angst 2.0)

Schlange Knete Glitzer Angst

Hallo liebe Wolke,
wovor hast du Angst?
Ich kann dir sagen, ich hatte schon vor einer Menge Dinge Angst in meinem Leben: Flugzeuge betreten, große Hunde, kleine Zecken, Krankheiten, Tod und Teufel. Furcht~bar war das. Es gab sogar mal eine Zeit, in der die Angst mein ständiger Begleiter gewesen ist, sie hat mich krank gemacht und sie hat mich täglich das Fürchten gelehrt. Aber das ist, zum Glück, schon lange her. Heute zeige ich meiner Angst höchstens den ausgestreckten Mittelfinger, falls sie mir mal wieder begegnen will. Mein kleines Leben jedoch, das ist sehr ängstlich. Und am größten ist im Moment ihre Furcht vor dem Monster. Unterm Bett.

Monster, Schlangen, Löwen, Krokodile, Haie

Wir stehen im Badezimmer, die Zähne werden geputzt, ein bisschen gewaschen – kurzum: Die Schlafenszeit nähert sich unaufhaltsam, die Sommersonne steht schon tief am Himmel und wirft lange Schatten in das Kinderzimmer. Die Augen meiner Tochter werden immer größer, obwohl sie doch schon so große blaue Augen hat, ins Bett zu gehen, das kommt überhaupt nicht in Frage. Da wohnen die Monster. Und die Schlangen. Und die Löwen. Und die Krokodile. Und die Haie nicht zu vergessen.
Einen richtig kleinen Zoo haben wir da unter dem Bett, es ist ganz schön erstaunlich wie die alle da drunter passen.

Endlich ein Grund zur Panik

Seit einiger Zeit herrscht bei meinem kleinen Leben Panik. Panik vor allem, das Menschen fressen könnte. Da hilft kein: „Löwen, Krokodile und gefährliche Schlangen leben in Afrika. Das ist sehr weit weg, die kommen nicht hier hin. Haie leben im Meer. Kein Wasser unterm Bett. Und Monster gibt es doch gar nicht!“
Ich nehme meine Tochter ernst und ihre Ängste ebenfalls. Als ich klein war hatte ich auch Angst, nämlich vor Piraten. Ich weiß nicht mehr warum, aber sie erschienen in meinen Träumen und ihre Totenkopffahne fand ich grauenvoll. Ich weiß noch sehr genau wie sich das anfühlt mit der Angst und dem Aufgefressen werden.

Ja wo ist denn das Monsterchen?

Irgendetwas musste ich also unternehmen, denn mein kleines Leben wurde von Tag zu Tag weinerlicher, wenn sie das Bett nur von Weitem sah. Mannometer, nicht dass wir nicht sowieso schon tausend Kämpfe mit dem Schlafen ausgefochten hatten, jetzt waren da auch noch die wilden Tiere, die ich bändigen sollte. Puh. Was man nicht alles wird, wenn man Mama ist!

Erst fingen wir an, gemeinsam auf allen Vieren durch das Zimmer zu krabbeln und nach den Monstern aka Tieren zu suchen. Nachdem wir uns davon überzeugt hatten, dass unterm Bett allerhöchstens Wollmäuse ein gemütliches Zuhause gefunden hatten, ließ sich meine Tochter mit einem Seufzer ins Bett plumpsen – um fünf Minuten später „Jetzt sind sie wieder da!“ zu flüstern.
Ganz ehrlich: Fünfundzwanzig Mal das Zimmer abzusuchen und mich in die kleinsten Ritzen zu quetschen, um mit der Taschenlampe den letzten Winkel auszuleuchten bis die Uhr 23 zeigt, darauf hatte ich nicht wirklich Lust und das war außerdem offensichtlich wenig hilfreich.

Was tun?

Und was macht die Mama, wenn ihr so gar nichts einfällt? Richtig. Google befragen. Ich fand ein „Anti-Monster-Spray“ und dachte mir, das wäre doch mal was. Muss ich ja nicht unbedingt bestellen, ein abgelegtes Parfum von Mama (stark mit Wasser verdünnt, damit wir nicht auch noch Atemnot bekommen…) tut’s auch.
Also: Etikett gemacht, in ein Paket verpackt (damit es so aussieht, als hätte man es bestellt. Einer Vierjährigen kann ja niemand mehr etwas vormachen…) und als ultimatives Mittel gegen Monster angepriesen.
Und was soll ich sagen?

Anti-Monster-Spray

Monster-Weg-Spray

Es ist nicht nur echt ulkig, wenn mein kleines Leben mit der Parfumflasche durch ihr Zimmer rennt und ruft: „HA! IHR kommt hier nicht mehr hin, ihr blöden Monster!“, sondern es wirkt tatsächlich. Monsterangst gebannt.
Aber blieben immer noch die wilden Tiere.

Knete & Glitzer

Irgendwann beim Kneten dachte ich mir: Knete ich doch mal eine Schlange. Mal schauen, was passiert. (Abgesehen davon, dass Schlangen, genauso wie Regenwürmer und Schnecken echt easypeasy zu kneten sind.)
„Maaamaaa! Du weißt doch, dass ich Schlangen nicht maaaag!“.
Ja, wusste ich. Aber das würde eine besondere Schlange werden.

Schlange Knete Glitzer

Die schöne Aufpasserschlange Puffy

„Das ist die Glitzerschlange ‚Puffy‘. Und die ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr lieb. Und außerdem total stark, die kann es mit jedem Löwen aufnehmen!“
„Tut die auch Menschen was, Mama?“
„Nein, Puffy nicht. Puffy beschützt Menschen, vor allem kleine Mädchen. Und sie lebt hier in deinem Zimmer.“
„Echt wahr?“
„Echt wahr.“

Puffy, Monster und der Rest

Abends suchte sich Puffy einen gemütlichen Platz neben dem Nachtlicht. Da konnte sie aufpassen. Zumindest würde sie die Löwen verjagen. Da war sich mein kleines Leben sicher. Und ist es bis heute.
Jetzt muss mir nur noch was für die Haie und die Krokodile einfallen.

So ist das wohl im Leben, liebe Wolke. Manche Ängste verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Manche Ängste bleiben ein bisschen. Aber solange man ein wenig Phantasie und (wenn man groß ist) seinen Mittelfinger hat, dann fällt einem bestimmt eine Menge ein, wie man seine Monster zähmen kann.

Einen mutigen Flug für dich, meine Wolke!

 


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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil „Patchwork“ so ein toller Modebegriff ist. ;)
Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder – und mal schauen für wen noch. :)

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2 Kommentare

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