Zieh doch mal meine Schuhe an!

Zieh doch mal meine Schuhe anPink, pink, pink, sind alle meine Farben...

Hallo liebe Wolke,
es regnet?
Ganz schön trübetümplig ist es da draußen. Früher hab ich so einen verregneten Samstag ab und zu gern gemocht, denn dann konnte ich so wunderbar den ganzen Tag herumgammeln, bis am späten Vormittag im Bett bleiben, mich nachmittags in ein Café setzen, ein bisschen die Welt an mir vorüberziehen sehen und mir keine Gedanken darüber machen, was ich mit dem Tag anstelle. Einfach ausruhen.
Heute ist das anders. Heute trage ich andere Schuhe als damals.

Reduziert!

Gestern war ich mit meinem kleinen Leben Schuhe kaufen. „Bis zu 70% reduziert!“, stand in dem Prospekt, da musste ich also hin, denn um meine Finanzen ist es ähnlich bestellt wie um das heutige Wetter: einigermaßen trübe.
Ich weiß nicht warum man immer erst durch den gesamten Laden latschen muss, um bei der Kinderschuhabteilung anzukommen, jedenfalls liefen wir an den Sportschuhen vorbei:
„Kommt O. heute, Mama?“
Verdammte Hacke nochmal!
O. ist nicht der einzige Mensch auf diesem Planeten, der Sportschuhe trägt. Glücklicherweise kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie seine Schuhe genau aussahen, und ich hab echt nachgedacht, aber ich weiß es nicht mehr. Meine Tochter allerdings offensichtlich schon.

Elefantengedächtnis

Mir wurde gesagt, dass sie ihn schnell vergessen würde, dass das mit dem Vermissen weniger werden würde, ich solle mir keine Sorgen machen. Bloß: Meine Tochter hat ein Elefantengedächtnis. Das mag zum Auswendiglernen in der Schule super und hilfreich sein, in diesem Fall ist es das nicht.
„Erklärst du mir noch mal, warum O. nicht mehr kommt?“

Und dann dachte ich mir: Toll. Wirklich richtig klasse ist es, dass manche Menschen einfach ihre Schuhe anziehen und weggehen und sich einen Scheiß um andere kümmern. Und mit „andere“ meine ich nicht zwangsläufig mich, auch nicht ausschließlich mein kleines Leben – aber es gibt diese Menschen, die wissen gar nicht wie gut sie es mit ihren Nichtverpflichtungen haben, und die an einem Regensamstag einfach mal ihre Füße auf den Tisch legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen können. Einfach so.

In meinen Schuhen laufen

Wie würden diese Menschen wohl in meinen Schuhen laufen?
Die würden doch sofort tot umfallen.
Das soll nun nicht arrogant klingen, oder sogar weinerlich. Jeder hat seine eigenen Probleme, seine eigenen Päckchen zu tragen. Das will ich gar nicht kleinreden. Und ich sage auch nicht, dass ich es am allerschwersten von allen habe, denn das wäre sehr vermessen, aber von „Leichtigkeit“ kann da auch keine Rede sein.

Nur kein Neid!

„Ich bin gerade im Spa angekommen! Total super hier.“, schreibt mir eine Freundin und schickt mir ein Foto.
„Ich sitze grad im Museumsquartier in Wien.“, sagt mir der Vater meines kleinen Lebens als wir kurz telefonieren.
„Ich habe eine Gehaltserhöhung bekommen, darauf müssen wir anstoßen!“, schreibt mir eine Bekannte.
„Wir fliegen morgen nach Palma, übernächste Woche gern!“, textet mir eine andere Bekannte als ich frage, ob sie am Wochenende Zeit hat.

Und ich so? Ich könnte heulen. (Zumindest manchmal.)
Versteh mich nicht falsch, liebe Wolke. Ich gönne jedem seine Schuhe und mein kleines Leben und ich, wir führen vielleicht kein einfaches Leben, aber eins mit so viel Liebe, dass mir meine Schuhe jeden Tag aufs Neue gut passen. Und passen müssen.

Dann eben den Grüffelo kneten!

Heute Nacht war meine Tochter wach, es war 2.34 Uhr als ich aufstehen musste, da hatte ich gerade mal drei Stunden geschlafen. Und dann schießen mir diese Menschen in den Kopf, die nicht nachts durch die Wohnung schlurfen müssen, um einen frischen Schlafanzug zu suchen, weil der andere nass ist. Die nicht einen Haufen Wäsche neben sich liegen haben und den ganzen Samstag damit beschäftigt sein werden, die Matratze zu trocknen, einzukaufen, sich Indoor-Regenspiele auszudenken, den Grüffelo zu kneten, sich selbst im Spiegel anzuschauen und sich zu denken: Mannometer, du hast aber auch schon mal besser ausgesehen!
Es gibt diese Regensamstage, da schaue ich so sehnsüchtig auf mein Sofa, das mich zum Ausruhen einlädt, und ich weiß, wir sehen uns erst am späten Abend wieder. Meistens gehe ich ja doch ohne Umschweife direkt in mein Bett. Weil mir die Füße von meinen Schuhen weh tun.

Pinke Schuhe

Und was ist die Moral von der Geschicht‘?
Die Schuhe der anderen passen nicht!
Mögen alle mit ihren Schuhen und ihren Wegen glücklich werden. Das meine ich ernst. Nur: Sich vielleicht hin und wieder mal zu überlegen, so im Stillen, wie andere in ihren Schuhen laufen, das wäre was.
Ich trage allerdings Schuhgröße 36, da kann ich fast noch mit in der Kinderschuhabteilung nach den Schnäppchen stöbern, vielleicht ist es deswegen für manche Menschen so schwer, sich mal kurz meine Schlappen anzuziehen.
Trübetümplig ist es heute, ich bin müde, aber meine neuen, pinken Schuhe, die gefallen mir. Und noch mehr meinem kleinen Leben, die findet, dass ich die beste Mama der Welt bin. Ob das an den pinken Schuhen liegt?
Glaub ich nicht, aber heute sind sowieso die Gummistiefel dran.
Und dann werden wir durch die Pfützen hopsen und allen eine lange Nase drehen, die so blöd faul auf ihrem Sofa liegen.

Vergiss den Regenschirm nicht, meine Wolke!


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Kategorie Alleinerziehend, Briefe an die Wolke, Liebe, Mama sein

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama einer etwas „anderen“ Vierjährigen von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch zeigen, wie man vielleicht nicht alles, aber vieles, mit Humor sehen kann, damit das Leben ein bisschen leichter wird. Ab und zu schreibe ich auch über die Liebe, nicht nur weil "Patchwork" so ein toller Modebegriff ist. ;) Und seit Neuestem designe ich ein bisschen was für euch; für Blogger und Kinder - und mal schauen für wen noch. :) Ihr findet mich auch bei Facebook, Instagram oder Pinterest. Übrigens. Besucht mich doch mal dort. Würde mich freuen!

14 Kommentare

  1. Liebe Susanne, Danke für diese Worte, die mich sehr bewegt haben. Es ist wahr, dass wir uns viel zu selten einmal in die Haut oder Schuhe anderer Menschen hineinversetzen, weil wir es eben vielleicht viel zu bequem haben.
    Du hinterlässt Spuren, welche für viele Menschen Wegweisung und Hilfe bedeuten. Auch wenn das vielleicht kein großer Trost für manche trostlosen Tage darstellt, keine deiner Anstrengungen ist umsonst. Gerade dann nicht, wenn du uns daran teilhaben lässt und uns damit inspirierst, zum Nachdenken und Selbstreflektieren anregst. Danke!

    Ich wünsche Dir, dass Du bald nicht mehr alleine laufen musst, sondern auf starken, sonnengebräunten Armen getragen wirst. Du und Dein kleines Leben.
    Ich glaube, dass diese Arme nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dein Licht scheint einfach zu hell.

    Bis dahin, alles liebe!

    Lucas

    • Danke, lieber Lucas, so sehr und von Herzen! Ich bin so gerührt und Deine Worte machen mich echt glücklich.
      Danke! <3

  2. Ich stell hier einfach mal einen großen Blumenstrauß mit vielen bunten Sonnenblumen ab. Und eine Schachtel Schokolade und eine Tüte Gummibärchen für die Kleine, damit du nicht mit ihr um die Schoki kämpfen musst!

    Lieber Gruß,
    Sonja

    • Liebe Sonja,
      ich liebe Sonnenblumen und Schokolade sowieso!
      Hab vielen Dank für Deine „Geschenke“, ich weiß sie zu schätzen! 🙂
      Liebe Grüße
      Susanne

  3. Zuerst möchte ich sagen: Vielen Dank für die liebevollen und inspirierenden Berichte. Ich habe dein Werk ganz neu entdeckt und bin jedesmal gerührt und fühle mich ermutigt weiter mein Leben mit meinem kleinen Wunder zu genießen. Aufmerksam zu bleiben und dankbar. Es ist für mich im Moment auch das Wichtigste und dies brauchte mir auch keiner sagen. Doch durch deine Texte wird es zu etwas, das geteilt werden kann und Sinn ergibt als ein einzigartiges Abenteuer, das es für jeden ist. Daher möchte ich danken für deinen Mut den kleinen Freuden des Lebens mehr Größe zu verleihen.

    Manchmal trage ich also für ein paar Zeilen deine Schuhe, welche Farbe sie auch haben. Es läuft sich in ihnen ähnlich wie in meinen und tragen mich doch manchmal ein Stück weiter als meine es in dem Moment konnten. Und dann freue ich mich ähnliche Schuhe zu haben und gehe in ihnen einfach nur ein ganz kleines Stück mehr wie auf Wolken.

    Ich wünsche dir: dass du keinen ganzen Raum voller Schuhe brauchst, um deine eigenen und zwei kleine bald selbst am Strand in den Händen zu tragen. Und die Schuhe der anderen nicht zu sehr im Weg liegen bis dich jemand fragen wird, ob du etwa einen Schuh verloren hast ohne ihn dir um die Ohren zu werfen.
    Schönes Spurenlesen und weiterziehen.

    liebe Nachtgrüße, Kim

    • Liebe Kim,
      ich weiß gar nicht so recht, was ich zu Deinen unglaublich lieben Worten sagen soll, die mir Gänsehaut (und Tränen) machen und die mir ganz viel Mut schenken. Ich danke Dir von Herzen dafür und würde Dich gern kurz fest drücken!
      Deine Nachricht ist nämlich wie eine Umarmung für mich und ich freue mich sehr, dass ich Dich mit meinen Worten erreicht habe.
      Lass uns also gern unsere Schuhe ab und zu ein bisschen teilen; gemeinsam läuft es sich manchmal ein bisschen leichter.
      Hab großen Dank und von Herzen alles Liebe!
      Susanne

  4. Dein kleines Leben hat den vollen Durchblick: Wer so reflektiert und schreibt wie Du, muss eine tolle Mutter sein. Liebe Regengrüße!

  5. Ich trage seit den Kindern 40, früher waren es 38,5. Scheint, dass meine Füsse breiter geworden sind. Vielleicht, weil ich mit meinen Beinen fester am Boden stehen muss seitdem.
    Und was die Schuhe der anderen anbelangt, will ich sie eigentlich gar nicht. Ich mag die meinen, auch wenn sie gelegentlich ein wenig drücken. Aber sie haben mich jetzt schon so weit getragen, dass es mir wie Verrat vorkäme …

    • Ich glaube auch, dass die Füße breiter werden und fester stehen können, wenn sie müssen – auch wenn das nicht immer Auswirkungen auf die Schuhgröße hat. 😉 Und ansonsten finde ich das sehr in Ordnung, wenn man bei seinen eigenen Schuhen bleibt!

  6. Melanie

    Ach Liebe Wolke… wie gut ich dich verstehe! Ich trage eine 39, allerwelts Größe und doch will keine meine Schuhe tragen…

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