Alle Artikel in: Mamasein

So will ich nicht werden!

Hallo liebe Wolke, ist dir schon mal ein schlimmer Fehler passiert? Mein kleines Leben und ich spielten am Wochenende zum 250. Mal Elsa und Anna – und es muss immer, gnadenlos immer, so ablaufen wie der Frozen-Film. Dramaturgisch. Wortwörtlich. Alles. Dabei übernimmt mein kleines Leben selbstverständlich nur und ausschließlich die Rolle der Elsa, während ich Anna, den Obertroll, König und Königin und das Schneemonster geben muss – und kann mich schon glücklich schätzen, dass Olaf und Sven in unserer gekürzten Fassung nicht vorkommen. Mittlerweile kenne ich die Dialoge, Lieder, das gesamte verdammte Drehbuch, auswendig, aber nach dem tausendsten Durchlauf erwägte ich, das Prozedere mal ein bisschen aufzulockern. Weil: Ich. Konnte. Es. Nicht. Mehr. Hören. Und als ich begann, ein bisschen albern zu sein, brachte das meine Tochter auf die vorschulpubertäre Palme und mich in eine Situation, in der ich mit Entsetzen feststellte: So will ich nicht werden! Scheißtag Dieser Samstag fing schon blöd an. Die Milch war sauer, das Wetter wieder mistig, ich stieß mir den Kopf am Tisch, als ich mein Messer aufheben wollte, …

Minni-me me und die Lösung aller Probleme

Die Lösung für alle Probleme!

Hallo liebe Wolke, hast du eigentlich Probleme? Ich, seitdem ich mein kleines Leben habe, nicht mehr. Bevor ich mit Anfang dreißig schwanger wurde, war ich eine der Frauen, die im Blazer und Bleistiftröckchen darüber nachdachten, wie das Leben weitergehen soll. Wie das mit der Karriere und der Kohle, den Klamotten – und im besten Fall mit einem Kerl – laufen würde. Könnte. Sollte. Müsste. So für die Zukunft gedacht. Ständig fragte ich mich, ob ich mich denn auch wirklich auf der richtigen Schiene befand oder ob ich nicht doch irgendwo eine Weiche übersehen hatte. Schön blöd von mir, denn die Lösung für alle Probleme war doch so simpel: ein Kind! Jetzt bin ich ja zu meiner Tochter quasi wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Also fast zumindest. Ich habe schon mal davon berichtet und geplant war dieser Lösungsansatz nicht. Umso besser, wenn man ihn kostenlos und ohne größere Anstrengungen frei Haus geliefert bekommt. Und mit einem Schwupps waren all die blöden Probleme verschwunden. Dass ich darauf nicht viel früher gekommen war! Manchmal sieht man ja …

Die graue Maus. Ich. (Oder: Die Maus mit dem mutigen Herz.)

Hallo liebe Wolke, habe ich dir schon von der grauen Maus erzählt? Und ihrer Angst? Nicht? Na. Dann hör mal gut zu! Es war einmal eine kleine, graue Maus. Und diese Maus lebte mit einer noch kleineren, sehr süßen, Maus am Ende der Straße in ihrer gemütlichen Behausung. Sie hatten es warm, weich und geordnet; sie fanden genug Käse, um sich ein warmhaltendes Bäuchlein anzufuttern und nachts schliefen sie eng aneinander gekuschelt. Dann vergaßen sie ihre Angst, denn die beiden fürchteten sich schnell. Mäuse sind bekannt dafür, ängstlich und sehr vorsichtig zu sein, und die größere der kleinen Mäuse war keine Ausnahme. Dabei war es nicht so, als würde sie für die noch kleinere Maus nicht sehr mutig sein können. Oh ja, das konnte sie! Wann immer sie die kleinere Maus beschützen musste, so tat sie es, auch wenn sie um ihr eigenes Leben bangte und der Mäusepuls so schnell ging, dass sie dachte, ihr Herz würde stehen bleiben. Aber das tat es nie. Ab und zu dachte die kleine Maus über viele Dinge nach: Was sie …

Im Stich gelassen

Im Stich gelassen.

Hallo liebe Wolke, war das gestern vielleicht ein Sturm? Ich hab dich gesehen, du bist wahnsinnig schnell geflogen. Wie gut, dass Wolken das gut aushalten. Im Moment weiß ich nicht so genau, ob ich es gut aushalte, dass die Zeit so schnell fliegt; wie Friederike gestern braust sie mir um die Ohren. Vielleicht werde ich wirklich alt. Oder die Tage mit meinem kleinen Leben sind einfach so vollgestopft, mit Emotionen, mit Begeisterung, mit kleinen Aussetzern, die ich der Wackelzahnpubertät zuschreibe (irgendwas ist ja immer) und mit so vielen Dingen, die mir manchmal komische Träume bescheren. Leicht ist das Leben nicht immer, meine liebe Wolke, aber man sollte versuchen, es sich so lustig wie möglich zu machen. Meine Freundin Ich hatte eine Freundin, nein, ich habe sie immer noch, aber damals, vor dreißig Jahren, sind wir zur Grundschule gegangen. Wir saßen nebeneinander, wir spielten miteinander, wir spielten zusammen Blockflöte, wir aßen gemeinsam Schokolade, wir versteckten uns unter Büschen, wir taten uns gut. So wie man sich eben gut tut, wenn man einen Freund hat. Und einen …

Eine gute Mutter denkt sowas nicht

Eine gute Mutter denkt sowas nicht.

Hallo liebe Wolke, denkst du manchmal Gedanken, die man besser nicht denkt? Am Wochenende war Badetag – und „Knete an die Tischbeine klebe-Tag“. Und „Fingerfarbe auf dem Teppich ausschütt-Tag“. Und „bereits zusammengefaltete Wäsche aus dem Wäschekorb im Wohnzimmer verteil-Tag“. Das alles passierte, während ich duschte. Glaub mir, liebe Wolke, ich bin ein Schnellduscher. Vermutlich sind die meisten Mütter Schnellduscher; einen ausgiebigen Spa-Besuch im eigenen Badezimmer hatte ich jedenfalls schon lange nicht mehr. Und als ich mit meinem Handtuch auf dem Kopf mein Wohnzimmer ansah, das nun wirklich schön bunt und herrlich chaotisch mit kindlicher Kreativität „geschmückt“ worden war, hatte ich merkwürdige Gedanken. Ich würde… Während ich den Fleckenentferner auf die Fingerfarbe sprühte, die Knete von den Tischbeinen abknibbelte, die Wäsche wieder faltete und die Schmutzwäsche auf den großen, geradezu monumentalen, Haufen warf, dachte ich: Ich würde das nicht vermissen. Ich würde das wirklich nicht vermissen –  keinen verschmierten Teppich, kein heilloses Durcheinander, mit dem ich mich die nächsten Stunden beschäftigen müsste. Und das am nächsten Tag so, oder so ähnlich, wieder auf mich warten würde. …

Ich lass los ein bisschen

Ich lass‘ los. Ein bisschen.

Hallo liebe Wolke, wie alt bist du eigentlich? Hab ich dich das schon mal gefragt oder ist das unhöflich? Bis ich ungefähr 20 war, habe ich auf diese Frage selten mit der richtigen Zahl geantwortet. Meistens sagte ich: „Bald 16!“ Einfach, weil 16 tausendmal cooler war als 15. Und 18 erstmal! Erwachsen! End geil!, wie man damals so gesagt hat, in den 90ern. Kchrkchrkchr, das ist urkomisch. Denn erwachsen, das bin ich heute, zwanzig Jahre später, immer noch nicht. Auch, wenn „Take That“ mittlerweile Herren nahe der 50 sind und Kurt Cobain seit fast 25 Jahren tot ist. Krass. Manche Dinge, die muss man im Leben wohl los lassen. Selbst Robbie Williams oder den guten, alten Kurt: „Let it go, ich lass‘ los“, singt ja nicht nur Elsa. Auf Wiedersehen! Meine Tochter ruft morgens um 4 nach mir. Die bösen Träume haben sie wieder eingeholt: „Mama? Kannst du mich beschützen?“ Ich falte mich schlaftrunken unter ihre Decke und wickle meine Arme um sie. Sie trägt ihren Schlafanzug mit dem Elsa-Aufdruck. Elsa, die starke Eiskönigin. So möchte …

Vorsicht! Hass!

Hallo liebe Wolke, der Vollmond ist toll, oder? Ich würde gerne wissen, ob du eine von den Wolken bist, die gerade durch das silberne Mondlicht fliegen und dann wieder im Nachthimmel verschwinden. Schön sieht das aus. Es ist gut, wenn man das Schöne erkennen kann. Immer und in jeder Situation. Das ist eine Gabe, die sollte man sich gut aufbewahren. In einem Schatzkästchen mit Muscheln drauf und rotem Samteinschlag. Zum Beispiel. Muschelschatzkästchen Ich bin froh, dass die Feiertage vorbei sind. Obwohl sie wirklich viel schöner waren, als ich vorher angenommen hatte, und ich wieder einige der schönen Erinnerungsdinge in mein Muschelschatzkästchen legen konnte. Mein kleines Leben steckte mich mit ihrer Weihnachtsaufregung an – und das war herrlich. Irgendwann glaubte ich selbst fast, das Christkind am Himmel gesehen zu haben. Ist das nicht seltsam? Vielleicht gibt es das Christkind ja doch und wir haben seine Existenz im Laufe der Jahre einfach nur vergessen. Das kann nämlich passieren. Das mit dem Vergessen.  Friedlichkeit Mein kleines Leben aber; sie ist talentiert, was das Erinnern angeht. Am Silvesterabend konnte …

Ende

Ende

Hallo liebe Wolke, was hältst du von Jahresrückblicken? Wenn ich es mal unter die Lupe und genauer nehme, dann habe ich das ganze Jahr nichts anderes getan. Ich habe 2017 wie durch so ein Kinderkino-Dings (siehe Foto) betrachtet. Und beleuchtet. Mal von oben, mal von unten, mal von der Seite – und der Schatten, der war immer ein bisschen anders. Es hängt ja meistens von der Sichtweise ab, ob etwas schöner oder nicht ganz so schön ist. Und keine Sorge, liebe Wolke, ich rolle nun nicht wieder all das auf, was ich das ganze Jahr 2017 betrachtet habe. Ehrlich gesagt: Ich mag Jahresrückblicke nicht sonderlich. Stichtag Der 31.12. ist ja immer wieder dieser berühmt-berüchtigte Stichtag, um sich mit guten Vorsätzen zuzuprosten, um Wünsche in der Erdbeerbowle zu versenken und mit „OH!“ und „AH!“ dem Feuerwerk zuzusehen, weil das nächste Jahr sowieso viel toller wird. Hat schließlich auch der Klumpen beim Bleigießen orakelt, der bei mir immer (wirklich immer) wie ein Spermium aussieht. Irgendwas mache ich dabei vermutlich falsch. Im Übrigen schaffe ich es auch nicht …

Das "So gut hätte ich es auch gerne mal!"-Syndrom (Oder: Ich bin alleinerziehender.)

Das „So gut hätte ich es auch gerne mal!“-Syndrom (Oder: Ich bin alleinerziehender.)

Hallo liebe Wolke, kannst du dir was vorstellen? Stell dir mal vor, also wirklich nur vorgestellt, es gäbe eine Frau mit einem ungefähr vierjährigen Kind. Eine Tochter. Eine ziemlich anstrengende Tochter, die selten schläft, die dafür einen so großen Dickkopf und Willen hat, dass die Frau manchmal denkt, ihre Tochter hat nicht ganz so viel von ihren Genen abbekommen. Außerdem denkt die Frau hin und wieder auch, dass für sie in so ziemlich allen Lebensbereichen der Zug abgefahren ist und sie ihm leise winkt. Mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Stell dir also diese Frau mit ihrer Tochter vor, die sich beide allein durchs Leben schlagen. Mal mehr und mal weniger erfolgreich. Und diese Frau hasst es, wenn sie ab und zu unter dem „So gut hätte ich es auch gerne mal!“-Syndrom leidet. Ein ekelhaftes Syndrom! Auch wenn es sich so anhört; aber es geht bei diesem blöden Syndrom nicht um Neid. Es geht auch nicht darum, sich eine Extrawurst auf dem Grill derjenigen zu braten, die es einfach schlecht leiden können, wenn …

Von dem Tag als ich beim Schönheitschirurg saß.

Hallo liebe Wolke, was hältst du vom Älterwerden? Schönheit kennt ja bekanntlich kein Alter. (Moment, meine Gurkenscheibenmaske ist bei dem Gedanken verrutscht.) Irgendwann kam letztes Jahr der Punkt – und 2017 war ja so ein Jahr, in dem es viele Punkte in meinem Leben gab (aber ich drücke jetzt nicht auf die Tränendrüse, denn immer nur langatmig zu schreiben, wie schrecklich und hart alles war, das ist auf Dauer langweilig, das macht’s weder besser noch interessanter): Irgendwann also kam der Punkt, an dem ich morgens in den Spiegel sah und überlegte, nur noch mit Papiertüte über dem Kopf das Haus zu verlassen. Alter! Wo kamen denn plötzlich diese Falten her und die grauen Haare und überhaupt alles, was da, bittesehr, wieder verschwinden möge?! Da ich von ausreichend Schlaf nur träumen kann und Wundercremes bloß so heißen und keine vollbringen, setzte ich mich vor Google und recherchierte. Und fand: einen Schönheitschirurg in der Nähe. Hoch entschlossen. Ich hatte allerlei über Botox und Hyaluronsäure usw. gelesen, und dass das heutzutage ja ganz normal sei, der alterslosen Schönheit …