Mamasein

Die Lösung für alle Probleme!

Minni-me me und die Lösung aller Probleme

Hallo liebe Wolke,
hast du eigentlich Probleme?
Ich, seitdem ich mein kleines Leben habe, nicht mehr.
Bevor ich mit Anfang dreißig schwanger wurde, war ich eine der Frauen, die im Blazer und Bleistiftröckchen darüber nachdachten, wie das Leben weitergehen soll. Wie das mit der Karriere und der Kohle, den Klamotten – und im besten Fall mit einem Kerl – laufen würde. Könnte. Sollte. Müsste. So für die Zukunft gedacht. Ständig fragte ich mich, ob ich mich denn auch wirklich auf der richtigen Schiene befand oder ob ich nicht doch irgendwo eine Weiche übersehen hatte.
Schön blöd von mir, denn die Lösung für alle Probleme war doch so simpel: ein Kind!

Jetzt bin ich ja zu meiner Tochter quasi wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Also fast zumindest. Ich habe schon mal davon berichtet und geplant war dieser Lösungsansatz nicht. Umso besser, wenn man ihn kostenlos und ohne größere Anstrengungen frei Haus geliefert bekommt. Und mit einem Schwupps waren all die blöden Probleme verschwunden. Dass ich darauf nicht viel früher gekommen war! Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weit verbreitetes Phänomen.

Welche Probleme denn eigentlich?

Problem 1: Zu viel Schlaf

Ich war seinerzeit der Weltmeister im Schlafen. Ja, man könnte fast sagen, Schlaf war meine Droge: Schlafjunkie. Wann immer sich mir die Möglichkeit bot, hielt ich ein kleines Nickerchen und mich dadurch äußerst frisch. Vor fünf Jahren wäre ich locker für Mitte Zwanzig durchgegangen. Also bestimmt.
Ich war so ausgeruht, so überausgeruht, und ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals vor Müdigkeit im Stehen einschlafen zu wollen. Und von Augenringen, die sich in ihren dunklen Schattierungen überbieten wollten, davon hatte ich nur gelesen. Diese warme, ungestörte Ruhe ruinierte wirklich mein Leben. Denn, hey, man soll den Tag doch nutzen. Oder nicht? Aber ich, ich schlief und ruhte mich aus, und irgendwann dachte ich, das musst du ändern, das muss aufhören. Zu viel Schlaf kann wirklich zum Problem werden. 

Aber seitdem mein kleines Leben auf der Welt ist… tja, was soll ich sagen? Nachdem ich den Cold Turkey (ohne Ersatzdrogen) überstanden hatte,  und die ersten Monate waren wirklich hart, bin ich meine Schlafsucht für immer losgeworden. Ist das nicht genial? 

Problem 2: Kleiderwahl

Nein, was stand ich morgens vor meinem Kleiderschrank und machte mir die größten Gedanken um meine Klamottenwahl. Lieber die Bluse zu dem Rock, oder doch besser Jeans – ach, ist heute schon Casual Friday oder habe ich einen Termin? – und passt das Shirt zum Make-up und zur Frisur? Oder wie oder was? Ehrlich, dieses Problem machte mich manchmal rasend. Und wenn ich es dann mal geschafft hatte, mich zu entscheiden, dann passten die Schuhe nicht zum Outfit. Furchtbare Sache. Ganz schrecklich. Wie oft ich mir meine Laune mit dem vergeblichen Suchen nach einer Klamotte, die zu meiner Stimmung und dem Anlass – und überhaupt zu allem – passte, verdorben habe, darüber möchte ich gar nicht nachdenken.

Glücklicherweise hat sich dieses Problem seit fast fünf Jahren ebenfalls erledigt. Zwischenzeitlich war ich froh, wenn ich nicht im Schlafanzug das Haus verlassen habe. Und diese praktiksche Mama-Frisur, namens Dutt, ist zu meinem It-Piece Nummer 1 geworden. Ich nenne es auch gern „Knödel auf dem Kopf“ (-> „Ich hab ’nen Knödel auf dem Kopf, ich werd nicht schöner…“, bitte zur Melodie von „Ich hab ’ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner“ mitschunkeln). Und der Knödel passt ja bekanntlich zu allem.
Das heißt natürlich nicht, dass man mir heutzutage 50 Cent in der Fußgängerzone zusteckt, weil ich aussehe, als hätte ich unter der Brücke genächtigt, aber dieses schlimme Problem mit dem stundenlangen Suchen im Kleiderschrank, das hat sich erledigt. Halleluja.

Problem 3: Ratschläge von anderen

Wenn man als erwachsene Frau durchs Leben spaziert, dann trifft man eher selten Menschen beim Einkaufen, an der Wursttheke, auf der Straße, im Zoo, oder wo auch immer, die einem unaufgefordert irgendwelche weisen Ratschläge geben, die man sich unbedingt zu Herzen nehmen sollte. Ich meine, wie blöd ist das eigentlich? Feedback und Kritik bringen einen ja immer weiter, oder sollten es zumindest. Aber, wenn man Anfang dreißig ist, dann kommt keine besorgte ältere Dame auf einen zugestürmt und gibt einem auch keinen kleinen Workshop im Bereich „Wie du dein Leben zu leben hast“. Man könnte doch so viel lernen! 

Eine kleine Lektion, was man falsch macht, was seine Schuld ist, wie man alles besser macht – das wäre hilfreich gewesen, aber ohne Kind auf dem Arm oder an der Hand, kommt da so gut wie niemand einfach mal so vorbei.

Ganz anders aber, seit ich mein kleines Leben habe. Mensch, was habe ich schon nette Bekanntschaften geschlossen! Und ich konnte so viel Geld und Zeit für professionelle Kurse sparen, seitdem mir unbekannte Menschen ihr Coaching anbieten. Von: „Wie man ein Baby richtig hält/trägt“, über „das ist viel zu warm/kalt/süß/sauer/salzig/ungesund/gesund/gefährlich“ bis „die ultimativen Erziehungsratschläge in der Trotzphase, getestet“, war alles dabei.
Danke, dass mir keiner mehr seine Ratschläge fürs Leben vorenthält!

Problem 4: Zu viel Zeit

Was erinnere ich mich noch an diese verregneten Sonntage, wenn niemand Zeit hatte und man, notgedrungen, auf dem Sofa Platz nehmen, ein Buch lesen, die Füße hochlegen, einen Tee kochen, Musik hören, und sich langweilen musste. Das war ein richtig großes Problem, wenn einem an diesen Sonntagen die Decke auf den Kopf fiel, man durch die Wohnung tigerte und nichts mit sich anzustellen wusste. Ich überlegte, ob ich mir nicht ein Hobby zulegen sollte, aber mir fiel nicht so richtig was ein. Sport kam überhaupt nicht in Frage, basteln auch nicht, und joa, die Wäsche… die Waschmaschine war eh noch nicht voll. Lohnte also auch nicht.
Langeweile war das ödeste überhaupt und diese Kaugummisonntage, die sich dahinzogen und man abends im Bett nicht müde war…puh! Sehr, sehr anstrengend.

Doch mit einem Kind, ja, da wäre auch dieses Problem vom Tisch gefegt.
Das Gefühl von Langeweile? Kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Zu viel Zeit zu haben? Pahahaha, das ist wirklich ulkig. Ich wünschte, ich könnte an meine Tage abends noch was dranschnipseln und mit Tesafilm festkleben. Und im Bett nicht müde sein? Sobald ich mich zugedeckt habe, schlafe ich ein. Manchmal schaffe ich es noch nicht mal mehr, die Decke hochzuziehen, sondern falle einfach in einen tiefen, tiefen, komatösen Schlaf, sobald mein Kopf das Kissen berührt. Ist das nicht herrlich?

Problem 5: Liebe

Ja, ich konnte lieben. So richtig, von Herzen, mit allem drum und dran. Ich konnte mir Beine ausreißen und manchmal daran scheitern, oft sehr glücklich sein, mich in einen Arm kuscheln und mir eine Zukunft ausmalen. Das konnte ich. Und ich hab ja gedacht, das hält alles bis in alle Ewigkeiten. Gut, ich weiß, dass es so etwas gibt, bei mir gab es das nicht, deswegen war die Liebeszeit begrenzt. Und irgendwann dämmerte selbst mir, die ja manchmal etwas schwer von Kapee ist, dass die Liebe zwischen zwei erwachsenen Menschen zwar wunderschön ist, aber nicht in Stein gemeißelt. Problem? Ja, wenn man es genauer nimmt, dann wurde es zum Problem, denn ich hab schon gerne was in der Hand, von dem ich weiß, es könnte mir nicht mehr durch die Finger gleiten. Da fängt man (ich) schon an, ein bisschen ängstlich zu werden.

Nicht so, wenn man Mama wird.
Da weißt du millionenprozentig, dass diese Liebe niemals vergehen wird. Dass diese Liebe mit nichts zu vergleichen ist und dass sie so einmalig ist, dass man sie ruhigen Gewissens in den dicksten Marmorstein meisseln kann, ohne dass man sich irgendwann fragt, wie man die Inschrift wieder ab bekommt.

Die Liebe ist nie ein Problem.
Aber seitdem mein kleines Leben auf der Welt ist, weiß ich, was sie bedeutet.

Und deswegen, meine liebe Wolke, habe ich seit fast fünf Jahren keine Probleme mehr. Ist das nicht einleuchtend und ganz wunderbar?

Hab ein sorgenfreies Wochenende, meine Wolke!


 

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