Frida ist wütend. (Eine Geschichte zum Umgang mit Wut bei Kindern)

Frida ist wütendCopyright: Susanne Bohne

Das ist Frida. Sie ist fünf Jahre alt und sie war heute sehr wütend. Erst hatte sie etwas echt Blödes mit Monstern geträumt und dann hat Mama sie, wie jeden Morgen, viel zu früh geweckt. Aus Versehen ist Fridas Zahnpasta dann nicht auf der Zahnbürste gelandet, sondern auf dem Fußboden und ihr Frühstückskakao hat auch nicht geschmeckt. Im Kindergarten hat der große Emil sie geärgert, weil der nämlich im Sommer in die Schule kommt – und Frida noch nicht.

Fridas Tag war einfach völlig blöd, fand sie.
„Das passiert schon mal!“, hatte Mama gesagt. „Jeder hat mal einen schlechten Tag. Das ist gar nicht so schlimm.“
Aber dann, am Abend, als Frida ihr Lieblingskuscheltier haben wollte – das ist ein kleiner Hase, der Fridolin heißt – sagte ihre Mama, dass Fridolin noch nicht trocken sei, denn er war in der Waschmaschine. Und da wurde Frida so unglaublich wütend, dass sie laut schreien musste und mit dem Fuß aufstampfen und dann hat Frida ihre Legosteine genommen und sie durch die Gegend geworfen. Mama musste in Deckung gehen, damit sie nicht getroffen wurde, und erschreckt hat sie sich auch ziemlich. So wütend hatte sie Frida nämlich noch nie gesehen.

Und plötzlich drehte sich alles um Frida, ihr wurde ganz schwindelig von so viel Wut, dass sie in die Luft aufstieg und auf einer Wolke landete. „Plumps!“, machte es, als Frida in den großen, weißen Wolkenflausch fiel. Erst konnte sie gar nicht glauben, dass es wirklich eine Wolke war, auf der sie da stand. Aber es musste wohl stimmen, denn von hier oben sah die Welt viel, viel kleiner aus. Frida schaute sich ein wenig ängstlich um, denn auf einer Wolke war sie schließlich noch nie.

Copyright: Susanne Bohne

„Was soll ich denn jetzt hier oben?“, fragte sich Frida ganz laut. „So ein blöder Tag!“
Gerade wollte sie einmal kräftig gegen die Wolke treten, aber das ging nicht. Denn Wolken, das weißt Du ja bestimmt, die sind ganz weich und bestehen nur aus Wasserdampf, gegen den man gar nicht treten kann. Frida grummelte vor sich hin und überlegte, wie sie wieder nach Hause kommen sollte, als sie plötzlich, auf der Wolke nebenan, jemanden hüpfen sah.

Ja! Ein kleiner, weißer Hase hüpfte auf der Nachbarwolke und winkte Frida zu. Konnte das wahr sein? Als Frida genauer hinsah, erkannte sie, dass dort Fridolin hüpfte. IHR kleiner, süßer Fridolin. War das aber alles seltsam!

„Fridolin! Was machst du denn hier?“, rief Frida sehr erstaunt.
„Ich zähle!“, antwortete Fridolin.
„Du zählst auf einer Wolke? Warum das denn?“, Frida verstand überhaupt nichts mehr.
„Ja! Ich zähle! Das hilft total gut gegen die Wut, weißt du? Ich war nämlich so wütend heute, als ich in die Waschmaschine musste!“, antwortete Fridolin und war schon ein bisschen außer Atem.
„Wie geht das denn? Das Zählen gegen die Wut?“, fragte Frida, denn das interessierte sie sehr. Schließlich wollte sie gar nicht so sehr wütend werden, dass sie mit den Legosteinen um sich warf. Ein bisschen Wut, das ist schon ganz in Ordnung, aber dann muss man auch wissen, wohin mit seiner Wut – und wie man sie wieder los wird. Das hat ihr Mama mal erklärt, aber Frida war so so wütend gewesen, dass sie gar nicht mehr richtig nachdenken konnte.

Und dann erklärte Fridolin ihr, wie das funktioniert:
„Wenn du so richtig, richtig wütend bist, dann atmest du einfach einmal tief ein und langsam wieder aus. Und dann zählst du bis zehn. Das kannst du ganz leise und nur für dich machen, wenn du willst. Du könntest auch zehnmal in ein Kissen boxen und die Wut so rauslassen. Das hilft bei mir immer. Versuch doch mal!“

Und dann atmete Frida tief ein und langsam wieder aus und schloß ihre Augen und zählte langsam bis 10. Als sie bei der 5 angekommen war, merkte sie, dass schon eine Menge Wut weit in den blauen Himmel geflogen war. Bei der 8 war sie sogar fast schon wieder richtig gut gelaunt. Und als sie fast die 10 in Gedanken aussprach, merkte sie, dass sich die Wolke ganz anders anfühlte. Eigentlich fast genauso wie Fridas Bett. Als sie die Augen öffnete und ihre Wut ganz und gar weg war, saß Frida auf ihrer Bettdecke und Fridolin lag in ihrem Arm.

Er konnte zwar nun nicht mehr sprechen und hüpfen, aber er hatte ihr ganz schön geholfen. Frida nahm sich vor, nun immer daran zu denken, was Fridolin ihr beigebracht hatte, falls sie mal wieder richtig wütend werden sollte.

Und dann dachte Frida, dass es ja doch gar nicht so ein blöder Tag gewesen ist, kuschelte sich in ihr großes Wolkenkissen und träumte von Fridolin, einem richtig blauen Himmel und ganz viel guter Laune.

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Kategorie Briefe an die Wolke, Kleinkind, Lerngeschichten

Hallo, ich bin Susanne! Ich erzähle euch hier als alleinerziehende Mama meines vierjährigen kleinen Lebens von unserem, oft, schrägen Alltagswahnsinn. Und ich möchte euch Mut machen, das Leben ein bisschen mehr mit Humor zu sehen. Auch dann, wenn es vielleicht mal schwer fällt. Außerdem findet ihr bei mir Lern- und Kindergeschichten. Ich freu mich, dass ihr da seid! :)